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Stellenabbau: Siempelkamp will keinen Tarif zahlen - und scheitert

Stellenabbau : Siempelkamp will keinen Tarif zahlen - und scheitert

Weiterer Stellenabbau steht bevor, über die Größenordnung gibt’s viele Spekulationen. Es gibt eine große Unruhe im Unternehmen.

Krefeld. Der Maschinen- und Anlagenbauer Siempelkamp kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Erst beschwört Geschäftsführer Hans Fechner „The way of Siempelkamp“ in die Internationalisierung mit großen Investitionen in China, Tschechien und aller Welt. Kurz darauf erfahren Belegschaft und Betriebsräte aus der Presse, das Unternehmen will bis Ende 2017 deutschlandweit 350 Stellen abbauen, 130 davon in der Krefelder Gießerei und eine noch unbekannte Zahl im Maschinen- und Anlagenbau. Jetzt ist diese Größenordnung nach WZ-Informationen kommuniziert. Unterschiedlichen Quellen zufolge soll es sich dabei um 40 bis 60 Stellen, eine Quelle spricht sogar von „dreistellig“, handeln.

Die Stimmung ist schlecht, es rumort gewaltig. Öffentlich äußern möchte sich lieber niemand. Das gilt für die Belegschaft und offenbar für Siempelkamp. Die Unternehmenskommunikation kommt erst am 12. September aus dem Urlaub, die ausgewiesenen Vertretungskanäle bleiben bis Redaktionsschluss stumm.

Die angespannte Stimmung hat eine Geschichte. Geschäftsführer Fechner ist nach dem Tarifabschluss mit der IG Metall (2,8 Prozent Lohnerhöhung) jetzt mit dem Versuch gescheitert, einen sogenannten Antrag auf Tarifabweichung in der Belegschaft durchzubringen. Konkret ging es dabei um die Einmalzahlung von 150 Euro pro Kopf in Gießerei und Maschinenfabrik, auf die die Mitarbeiter verzichten sollten. Die haben das abgelehnt, es soll ordentlich gekracht haben.

Im Betrieb gibt man sich sehr zurückhaltend. Ralf Siewert, Betriebsratsvorsitzender der Maschinenfabrik, kann sich nicht wegducken, gibt sich aber eher sehr defensiv. „Herr Fechner hat den Kollegen die Situation und die Notwendigkeit aus seiner Sicht dargelegt, erhielt aber eine klare Absage.“ Kurios: Einen solchen Antrag auf Tarifabweichung hatten die Betriebsräte vor Monaten noch selbst ins Feld geführt als es darum ging, den Stellenabbau nach Kräften abzufedern. Als Zugeständnis. Seinerzeit wollte die Geschäftsführung davon nichts wissen. Trotzdem konnten Arbeitsplätze gerettet werden.

Siewert weiß, dass er bald wieder verhandeln muss. Er bestätigt den Stellenabbau. Wie viele es sind, will er nicht sagen. „Es geht hier nicht ums Trommeln, sondern um die Belegschaft. Wir wollen vernünftig verhandeln können. Jede gestrichene Stelle ist aus unserer Sicht eine zuviel.“ Und: „Wissen Sie, wenn ich die Zeitung lese mit Artikeln über die Erfolge und Strategien von Siempelkamp und auf der anderen Seite über eine Tarifabweichung verhandeln muss, bekomme ich das Gefühl, dass hier in unterschiedlichen Welten gelebt wird.“

Was Siewert diplomatisch ausdrückt, sieht nach WZ-Informationen so aus: Mitarbeiter sind verunsichert und sauer. Fechner, heißt es im Flurfunk, erwecke den Eindruck, jeden Cent zu brauchen. Wohl deshalb soll er der Unternehmerschaft Niederrhein gedroht haben, den Mitgliedsbeitrag zu halbieren. Dort gibt sich Hartmut Schmitz zugeknöpft: „Darüber gebe ich keine Stellungnahme ab.“