Siempelkamp-Chef bald in Rente?

Siempelkamp-Chef bald in Rente?

Konzernleitung schweigt zu dem Gerücht aus der Delegiertenversammlung der IG Metall. Betriebsräte sind derweil gewählt.

Es ist die Zeit der Betriebsratswahlen. Bei der Schulz GmbH wurde erstmals gewählt, selbst beim Tierfutterriesen Fressnapf haben die Verantwortlichen versprochen, Wahlen zu unterstützen. Die Betriebe der IG Metall haben dieser Tage auf ihrer Delegiertenversammlung Entschlossenheit demonstriert. Insbesondere die Situation der Siemensianer erfordert vor der Alstom-Fusion eine starke Mitarbeitervertretung. Das gilt auch für das Traditionsunternehmen Siempelkamp. Hier hat Geschäftsführer Hans W. Fechner mit seinem Kurs der Internationalisierung, der Zergliederung des Unternehmens, dem Ausbildungsstopp und der Androhung eines Tarifausstiegs für große Unsicherheit innerhalb der Belegschaft gesorgt. Die hat sich jetzt formiert.

In den gemeinsamen Betriebsrat der Siempelkamp Maschinen und Anlagenbau GmbH, der Siempelkamp Maschinenfabrik GmbH, der Siempelkamp Logistik und Services GmbH und der Siempelkamp Personal GmbH gewählt wurden Horst Blauscha, Alexander Döring, Michael Franken, Marvin Greven, Ralf Hanssen, Michael Janssen, Martina Judge, Nicole Küsters, Stefan Mobers, Stephanie Onuoha, Elke Paashaus, Meike Schillings, Ralf Siewert, Daniel Stöckigt und Michael Tenberken. Alter und neuer Vorsitzender ist Siewert, Stellvertreter Tenberken.

Dem neuen Betriebsrat der Konzerntöchter Siempelkamp Giesserei GmbH, Siempelkamp Giesserei Service GmbH, Siempelkamp Ingenieur und Service GmbH sowie Siempelkamp Behältertechnik GmbH Gießerei gehören an: Vorsitzender Thomas Dittmann, Stellvertreter Carlos Fernandez, Georg Leuchtenberg, Dirk Plenker, Hartmut Sitckelbruck, Marek Musik, Günal Ölmez, Martin Brozek, Damioano Palazzi, Cem Rüzgar und Emre Caner.

Siewert macht für seinen Bereich deutlich, was Betriebsräte, die mehrere Unternehmen vertreten, für Siempelkamp bedeuteten. Beziehungsweise, welche Risiken die Zerfaserung berge: „Alle genannten Firmen waren in der Vergangenheit ein Unternehmen, die Mitarbeiter der Unternehmen hatten immer einen Betriebsrat. Bei der Verselbstständigung wollten die Mitarbeiter und die Betriebsräte weiterhin in der Tarifbindung bleiben und natürlich die Betriebsvereinbarungen unter anderem zur Arbeitszeit erhalten. Ferner betrachten wir den Betriebsrat als Klammer eines Unternehmens, dass an einem Produkt arbeitet. Wir versuchen an diesem Standort gleiche Arbeitsbedingungen sicher zu stellen.“ Dies sei schwierig genug, da es am Standort Krefeld schon mehrere Betriebsratsgremien gebe. „Wenn nun jedes Unternehmen einen eigenen Betriebsrat hätte, wären es neun Betriebsratsgremien. Eine einheitliche Interessenvertretung der Arbeitnehmer wäre dann noch schwieriger. Wir stehen ja schon im Wettbewerb mit den ausländischen Fertigungsstandorten.“

Selbstständige Unternehmen und auch Betriebsratsgremien, so Siewert, entwickelten immer auch eigendynamische Prozesse, die bis zur Optimierung auf Kosten der anderen Unternehmen führten. „Dies ist aber nicht immer im Interesse des Konzerns und natürlich nicht im Interesse der abhängig Beschäftigten.“

Über einen Konzernbetriebsrat (KBR) verfügt Siempelkamp zudem. Dem sitzt ebenfalls Ralf Siewert vor, sein Stellvertreter dort ist Klaus Patsch vom kürzlich erworbenen Zerkleinerer Pallmann aus Zweibrücken. In diesem Gremium sind alle deutschen Unternehmen Siempelkamps vertreten, die über einen Betriebsrat verfügen. „Der KBR berichtet über Entwicklungen an den jeweiligen Standorten. Nur wenn die Konzernleitung für alle Standorte einheitliche Regelungen anstrebt, ist er zuständig.“

Nicht mehr lange zuständig für die Geschicke von Siempelkamp könnte Geschäftsführer Hans Fechner sein. Am Rande der IG Metall-Delegiertenkonferenz wird erzählt, der mächtige Lenker gehe Ende des Jahres in Rente. Eine WZ-Anfrage bei der Konzern-Pressestelle bleibt unbeantwortet.

Mehr von Westdeutsche Zeitung