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Sie kommen für die jecke Zeit zum Feiern aus Kalifornien nach Krefeld

Karnevalsgruppe Los Angeles Turners : Sie kommen für die jecke Zeit zum Feiern aus Kalifornien nach Krefeld

Die Karnevalsgruppe der Los Angeles Turners zog dieses Jahr mit eigenem Festwagen beim Rosenmontagszug mit.

Kamelle. Karneval. Krefeld. Kalifornien. Kalifornien? Der US-amerikanische Bundesstaat hat wohl herzlich wenig mit den tollen Tagen am Niederrhein zu tun. Von wegen. In diesem Jahr sind beim Krefelder Rosenmontagszug erstmals die Los Angeles Turners dabei – mit eigenem Wagen, Orden und eigener Uniform. Die karnevalsverrückte Truppe ist für die närrischen Tage extra von der Westküste der USA angereist. „Die ganze Stadt steht Kopf“, beschreibt Alexander Hast das Besondere am jecken Treiben in Krefeld, „in Los Angeles ist das nicht so.“ Wie? Dort wird auch Karneval gefeiert? „Es gibt einige Karnevalsgesellschaften in den USA und jedes Jahr am dritten Januarwochenende wird gefeiert“, so Hast.

Der 58-Jährige sorgt mit seiner deutschen Band dann übrigens für passende Musik: „Die Höhner gehören natürlich zum festen Repertoire.“ Die Karnevalsgruppe, die der Wahl-Amerikaner angehört, entstand vor über 20 Jahren und ist Teil des 1871 von deutschen Einwanderern gegründeten Turnvereins Los Angeles Turners.

Die tollen Tage in Deutschland erlebt Hast nun zum zweiten Mal. Dabei ist er sogar gebürtiger Krefelder. Lebte bis er 14 war an der Bismarckstraße im Stadtteil Cracau. Eine richtige Leidenschaft für den Karneval entwickelte Hast kurioserweise aber erst im tausende Kilometer entfernten Los Angeles über die Bekanntschaft mit Dennis Fredricks. Der holte ihn in den Verein und reiste schon viele Jahre zum Karneval nach Deutschland.

Jecken aus L. A. sind seit den 90er-Jahren dabei

„Seit 22 Jahren läuft das jetzt schon, entstanden aus vielen verrückten Zufällen“, erklärt Rainer Schillings. Der Krefelder Ex-Prinz (Rainer II., 1992) war es nämlich, der Fredricks damals in Los Angeles mit dem Karnevals-Virus infizierte und an den Niederrhein zum Feiern einlud. Seitdem kommen stets jecke Pilger hinzu.

Hast ist nun zum zweiten Mal mit dabei – und dann so richtig mittendrin. An Altweiber war die Crew unter anderem bei der Erstürmung des Rathauses dabei. Die Herren wurden sogar von Frank Meyer zum Empfang im Rathaus gebeten, wo sie dem Oberbürgermeister den vereinseigenen Orden überreichten. Denn Schillings Mission für dieses Jahr: „Ich wollte den Gästen aus Los Angeles, den Krefelder Karneval so nah wie möglich bringen.“ Und da durfte etwas nicht fehlen: Ein Zug. „Und was gibt es schöneres, als einmal selbst Teil des Rosenmontagszugs zu sein?“, fragt der 59-Jährige.

So ließ er als Ehrenpräsident der Leibgarde der Prinzessin seine Beziehungen spielen – und hatte Glück. „Die Prinzengarde hatte einen Wagen übrig, den die Turners nutzen durften.“ Mit eigenem Logo zieht nun der Festwagen durch Krefelds Straßen – als erster Wagen vor der Prinzengarde. An Bord die Männer aus L. A. im Club-Outfit: Blauer Blazer mit rotem Shirt. Und Kamelle gibt es natürlich auch. „Treffsicher hoffentlich“, sagt Hast und ergänzt: „Vergangenes Jahr wurden wir beim Rosenmontagszug nämlich eher abgeworfen als Zuschauer.“ Er lacht.

Nächstes Jahr wird die Truppe der Los Angeles Turners jedenfalls wiederkommen. Aus Kalifornien. Nach Krefeld. Zum Karneval. Mit Kamelle – vielleicht.