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Sido und Bushido kaufen Sneakers in Krefeld

„OuttaVinci“ : Wie Sneaker-Künstler Stars beeindrucken

Sie nennen sich „Dienstleister“. Genauso gut können sie sich auch als Künstler bezeichnen. Das kann einem immer wieder in den Sinn kommen, wenn man sich mit Mohamed und Khalid Cheffadi über das unterhält, was seit 2019 einen Großteil ihrer Zeit einnimmt.

Sie nennen sich „Dienstleister“. Genauso gut können sie sich auch als Künstler bezeichnen. Das kann einem immer wieder in den Sinn kommen, wenn man sich mit Mohamed und Khalid Cheffadi über das unterhält, was seit 2019 einen Großteil ihrer Zeit einnimmt. Es geht um die Individualisierung von Sneakern – die Brüder veredeln mit Farbe oder auf Wunsch auch mit Materialien wie Swarovski-Steinchen Schuhe. Die Motive wirken wie Mini-Graffiti. Bunt und ausdrucksstark. Sie könnten aber auch als Tattoos durchgehen.

Sido, Bushido oder Massiv lassen sich Schuhe veredeln

Mohamed Cheffadi zeigt ein Beispiel, das an diesem Tag an einen Kunden übergeben werden soll. Ein schlichtes Logo in Blau und ein Name sind auf einem weißen Kult-Sneaker der Marke Nike zu sehen. Was wirkt wie eine perfektionierte Sonderedition – etwa zu Ehren eines Basketball-Spielers –, ist reines Handwerk. Kunsthandwerk. Die Linien grazil wie auf Porzellan. Jedes Werk ist ein Einzelstück. Nicht umsonst haben sie sich „OuttaVinci“ genannt. Eine Verbindung aus dem Hip-Hop-Film „Straight Outta Compton“ und dem Namen des Universalgelehrten Leonardo da Vinci. Ihr Logo verbindet eine Bleistift-Spitze als Symbol für das Klassische und verlaufene Farbe einer Sprühdose für die urbane Subkultur. Ihr Bereich ist Kreativität.

Das hat auch den einen oder anderen Star überzeugt. Sie erzählen es locker daher. Sie wirken dabei wie Kumpeltypen. Entspannt, ohne sich abzufeiern. Rapper wie Sido, Bushido oder Massiv haben sich Schuhe in der Sneaker-Schmiede an der Uerdinger Straße veredeln lassen, aber auch GZSZ-Schauspielerin Valentina Pahde. Veysel Gelin, auch bekannt durch die Gangster-Serie „4 Blocks“, habe sie angerufen und gefragt, ob sie zum Abendessen vorbeikommen wollen. Immer wieder passiere es, dass bekannte Persönlichkeiten sich melden und kurzfristig die passenden Schuhe zum Outfit für einen roten Teppich oder den nächsten Videodreh haben möchten. Oft müsse es dann besonders schnell gehen. Aber nicht nur dann gebe es Nachtschichten. 40-Stunden-Wochen gibt es dagegen bei den Brüdern offenbar nur selten.

„Es geht im Endeffekt um Jungs und Mädchen wie wir“

Es sei zwar ein „krasses Gefühl“, wenn Promis ihre Arbeit wertschätzen. Aber: „Es geht im Endeffekt um Jungs und Mädchen wie wir“, betonen die Brüder. Wenn ein Kunde ganz schnell noch eine ihrer Kreationen als Geschenk für den Hochzeitstag brauche, gehe das ähnlich schnell wie bei Promi A oder B. Und wenn ein 15-Jähriger kommt und sich einen Schuh mit dem Logo seines Lieblingsfußballvereins wünscht, werde auch mal der Preis entsprechend angepasst.

Zur Orientierung: Los geht es ab 25 Euro. Ein einfarbiges Logo mit Name kann um die 75 Euro kosten. Je nach Aufwand sei das Ende offen. Bezahlt werde die reine Dienstleistung der Brüder. Die Schuhe können mitgebracht oder ohne Aufschlag bei „OuttaVinci“ mitbestellt werden. Vor dem fertigen Werk gebe es in jedem Fall eine persönliche Beratung.

Die kreativen Möglichkeiten scheinen endlos

Zurück zum Promi-Faktor: Klar, das sei am Anfang „extrem aufregend“ gewesen, erklärt Mohamed Cheffadi. Anfang 2019 entstand die Idee. Der Trend komme aus den USA. Cheffadi gab seinen Job in der Tabak-Industrie auf. „Es war Zeit für etwas Eigenes“, sagt der 29-Jährige heute. Dann kam eine „Learning-by-Doing“-Phase. Denn eine künstlerische Ausbildung haben beide nicht. „Meine Kunstlehrerin würde sich kaputt lachen“, sagt Mohamed Cheffadi. Damals im Unterricht seien sie künstlerisch gesehen „Nieten“ gewesen.

Kaum zu glauben, wenn man heute ihr kleines Geschäft betritt. Wie im Schuhgeschäft sind dort an einer Wand zahlreiche Sneaker ausgestellt. Alle im individuellen Look. Ein Logo einer Schuhmarke als Welle im japanischen Stil oder gleich eine Minnie Maus im typischen Comic-Look – die kreativen Möglichkeiten scheinen endlos.

Der Umgang mit Pinsel oder Sprühdose sei an zahlreichen „Rohlingen“ – also Sneakern – ausprobiert worden, erklärt Khalid Cheffadi. An Urlaub sei zunächst nicht zu denken gewesen, so der 25-Jährige. Am Anfang sei das mehr „Gekleckse“ gewesen, das schon „cool“ ausgesehen habe. Mit der Zeit wurden die Arbeiten feiner.

Die Schuhe werden im Geschäft an Uerdinger Straße bearbeitet. In einem abgetrennten Bereich des Ladenlokals. Alles scheint einfach gehalten. Farben zum Sprühen oder Verarbeiten mit dem Pinsel, Stifte, ein Tisch vor einer weißen Wand, die ebenfalls schon Farbe abbekommen hat. Mehr braucht es nicht. An einer anderen Wand sind zusammengelegte Kartons zu sehen. Die Cheffadis machen alles selbst — auch um Versand und Verpackung kümmern sie sich. Und: „Wir bringen uns jeden Tag neue Sachen bei.“

In diesem Jahr stehe nun
der nächste Schritt an

Der Anspruch wächst, wenn die eigene Idee und Arbeit wertgeschätzt werden. In diesem Jahr stehe nun der nächste Schritt an, erklärt Mohamed Cheffadi. In Arbeit ist eine Mode-Kollektion – dabei gehe es um Hoodies oder T-Shirts im „OuttaVinci“-Look. Design und Schnitte bleiben aber noch geheim. Eigentlich wollten sich die Brüder im März die Arbeitsbedingungen bei einer Textilproduktion im Ausland ansehen, ihre Flüge waren aber unter den ersten, die aufgrund der Corona-Pandemie gestrichen wurden. Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen seien ihnen wichtig. Deshalb werde die Reise nachgeholt.

Khalid Cheffadi arbeitet nebenbei noch als Vertriebler. Sein Bruder Mohamed, der internationales Business-Management studiert hat, setzt alles auf „OuttaVinci“. Den eigenen Lebensunterhalt können sie mit ihrer Idee noch nicht finanzieren. Aber um Geld gehe es bei „OuttaVinci“ in erster Linie auch nicht, erklären die Brüder.

„Es ist immer gut, wenn man
was macht, was man liebt“

Und auch wenn man den 29 Jahre alten Mohamed Cheffadi fragt, warum er seine Anstellung aufgegeben hat, blitzt eine Art Künstler-Ethos durch. Es sei „immer gut, wenn man was macht, was man liebt“, sagt er zufrieden.