Senioren fürchten Schließung des Westwallmarktes

Innenstadt : „Es wäre ein Riesenverlust, wenn der Westwallmarkt schließt“

Besuche auf dem Markt sind für die Bewohner des Seniorenheims St. Josef Pflicht. Viele sorgen sich um die Zukunft.

Eine Runde über den Markt: Für die Bewohner der Seniorenheime der Caritas ist dieses Ritual nicht wegzudenken. „Jeden Dienstag und jeden Freitag sind wir auf dem Westwallmarkt“, sagt Gerda Dautzenberg. Die rüstige Seniorin hat zusammen mit ihrer Betreuerin Kasia Laskowska Mandarinen eingekauft. „Früher, als wir selber noch gekocht haben in dem Heim, haben wir das ganze Gemüse hier am Westwallmarkt geholt“, erinnert sie sich. Seit 46 Jahren lebt sie in Krefeld, ist gebürtig aus Ostpreußen. „Den Westwallmarkt hat es immer gegeben. Aber wenn man sich das hier mal anschaut, das ist schon sehr leer, ein Trauerspiel.“

Anna Kessels ist der gleichen Meinung. In ihrer Papiertüte hat sie ein paar Cocktailtomaten. „Der Markt muss unbedingt bleiben. Früher war es aber schöner hier. Mehr Leute, mehr Stände, da war hier mehr los“, berichtet sie. Caritas-Sozialdienstmitarbeiter Reinhard Strüven weiß um die Bedeutung des Marktes für seine Bewohner. „Oft wollen bei uns viel mehr Leute mit zum Markt als die Betreuer mitnehmen können. Das Bedürfnis, hier mindestens einmal in der Woche zu sein, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, ist groß.“

Erika Maibaum: „Hier ist man unter Menschen, hier ist was los.“

Die Sorge um eine Schließung des Marktes oder auch eine Verlagerung treibt Caritas-Mitarbeiter und Bewohner gleichermaßen um. „Das wäre ein Riesenverlust, wenn der Markt hier wegfallen würde. Es gibt schon viele Lücken hier auf dem Markt, das Ganze ist schon sehr ausgedünnt. Wenn das so weiter geht, ist das hier ja irgendwann gar kein richtiger Markt mehr. Wie man dann auch noch auf die Idee kommt, die Gebühren für die wenigen Marktbeschicker anzuheben, verstehen viele nicht“, findet Strüven.

In der hauseigenen Quartalszeitschrift „Jahreszeiten“ hat die Caritas dem Thema Westwallmarkt ein eigenes Kapitel gewidmet unter dem Titel „Op dem Maaat, op dem Maat, stonn die Buure“. Bewohnerinnen erzählen in dem Artikel, wie sie das gesellige Leben auf dem Markt und die Frische der Waren begeistert. „Das findet man nirgendwo anders“, ist sich Gerda Dautzenberg sicher. Ein Besuch in einem Supermarkt, wenn der Markt einmal nicht mehr sein sollte? „Das ist für viele hier unvorstellbar“, sagt Strüven. „Das wäre äußerst schade“, findet auch Erika Maibaum. Sie kauft gerne Blumen und Obst auf dem Markt. Ein Einkauf im Supermarkt sei nicht vergleichbar mit den Markttagen. „Hier ist man unter Menschen, hier ist immer was los.“

Die Zahl an Besuchern, gerade an Dienstagen, reiche aber nicht aus, um ein gutes Geschäft zu machen, berichtet Marktbeschicker Christian Behr. „Es müssen wieder mehr Besucher her, die Lücken müssen geschlossen werden, es muss sich etwas ändern.“ Andernfalls drohe der Markt weiter zu schrumpfen.

Die Bewohner von St. Josef würden das sehr bedauern und fordern deshalb von der Stadt, Maßnahmen zu ergreifen, um den Markt wieder zum Erlebnis zu machen. „Hier muss man sich wieder aufhalten wollen, einen Kaffee trinken, das ist besonders für die Älteren wichtig“, sagt Strüven.

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