Senior gibt Betrügerin 60 000 Euro

Senior gibt Betrügerin 60 000 Euro

Bank-Mitarbeiter wird stutzig, als ein 90-Jähriger erneut viel Geld abheben will. Die Polizei ermittelt.

Es sind nervenaufreibende Wochen für Sabine Schmitz (Name von der Redaktion geändert). Und für ihren Vater, einen 90-jährigen Witwer aus Krefeld, der in den vergangenen zwei Monaten gleich zweimal Opfer einer Betrügerbande geworden ist. Er selbst jedoch zeigt sich nach Auskunft seiner Tochter uneinsichtig, fühlt sich nicht überlistet oder ausgetrickst. Am Montag nun hat ein Bankangestellter der Sparkasse in Krefeld den Senior vor einem möglichen erneuten hohen Schaden bewahrt.

Sabine Schmitz (Name von der Redaktion geändert), Tochter des Opfers

Der Vater von Sabine Schmitz wollte einen sehr hohen Geldbetrag abheben, wirkte dabei aber offenbar verunsichert. Da wurde der Bank-Mitarbeiter stutzig, informierte die Tochter über den Auszahlungsversuch. So fiel auch auf, dass der Senior erst im Juni Opfer eines Trickbetrugs geworden war. Vor der Bank sollen nach Aussage der Tochter verdächtige Personen auf das Geld gewartet haben. Auch die Polizei wurde informiert. Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen.

Bereits im Juni, so erzählt Schmitz, habe ihr Vater am Lutherplatz zwei Frauen kennengelernt. Sie kamen ins Gespräch, tauschten Telefonnummern aus. Eine junge Frau, noch keine 30 Jahre alt, habe ihrem Vater dabei eine Liebesbeziehung in Aussicht gestellt. Sie würde zu ihm ziehen und seinen Lebensabend versüßen. Zwei Wochen später dann meldeten sich die Frauen wieder bei dem 90-Jährigen. Sie brauchten dringend Geld, um im Ausland eine Erbschaftssteuer zu bezahlen. So geht die Geschichte. Der Vater, offenbar gegenüber den Ereignissen unkritisch eingestellt, hob das Geld ab und zahlte es aus: 60 000 Euro. Nun meldete sich die Bande erneut bei Vater Schmitz — erneut aus vorgeschobenen Geldnöten.

Doch diesmal wurde nichts aus dem Betrug. Sabine Schmitz: „Die Bank hat gut reagiert. Mein Vater hat kein Geld erhalten.“ Seit diesen Vorfällen steht die Tochter, die weit entfernt wohnt, in ständigem Kontakt zu ihrem Vater, den sie als „alt, vergesslich, aber geschäftsfähig“ beschreibt. Der Senior, ein ehemaliger Lehrer, informierte seine Tochter jedoch nicht selbst über den zweiten Vorfall am Montag.

Sie erhielt den Anruf von der Bank, dass der Vater wieder versucht hatte, Geld in Höhe von 60 000 Euro abzuheben. Dass dieser eine gute Rente erhalte, wüssten auch die Betrüger. Er überreichte ihnen an der Haustür eines Nachts wohl einen Kontoauszug, sagt Sabine Schmitz.

Das Geld des Vaters sei mittlerweile auf ein anderes Konto zur Sicherheit überwiesen worden. Sabine Schmitz sagt: „An diesem Fall sieht man mal, wie skrupellos diese Betrüger vorgehen. Wir hoffen, dass dieses Beispiel als Warnung für andere dient.“ Auch die Polizei warnt immer wieder davor, Fremden keine Auskünfte über das Vermögen zu geben oder diesen sogar Bargeld zu überreichen.

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