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Seit 39 Jahren spielt Toni Föhles den St. Martin

Seit 39 Jahren spielt Toni Föhles den St. Martin

In Hüls findet heute der 90. Festumzug statt. Vor allem der Festplatz im Wald bietet eine beeindruckende Kulisse für die Mantelteilung.

Hüls. Für Toni Föhles ist es jedes Jahr aufs Neue eine Freude: Die Aufregung der Kinder ist deutlich zu spüren, wenn der 67-Jährige als St. Martin mit dem weißen Bart auf seinem Schimmel angeritten kommt. Begleitet von dem Gesang der Kleinen folgen ihm die Menschen mit bunt verzierten Laternen zum Hülser Berg. So auch wieder am heutigen St. Martin, dem 90. Festzug.

Seit 39 Jahren spielt Toni Föhles den St. Martin

Zunächst geht es an den wild geschmückten Häusern der Hülser Wohngegend vorbei, ehe der Marsch in Richtung Naturschutzgebiet abzweigt. Der dunkle Wald auf dem Weg zum Festplatz ist plötzlich beleuchtet und die Lichter fliegen über die letzten Blätter der langsam kahl werdenden Bäume. Ein außergewöhnliches Bild, das sich immer wieder in die Gedächtnisse der rund 500 Mitwandernden einprägt.

Seit 39 Jahren spielt Toni Föhles den St. Martin

Tomislac Vrnoga, ehrenamtlicher Hauptorganisator des Zuges, erklärt: „Unser Zug bietet mit der wunderschönen Waldkulisse schon etwas Besonderes, das man so leicht nicht in Krefeld findet. Für die Hülser ist es einer der Höhepunkte des Jahres, weshalb die Spenden der Anwohner auch in diesem Jahr die Kosten decken konnten.“

Toni Föhles mimt den St. Martin. Diese Aufgabe hat er von seinem Vater übernommen.

Am großen Feuer angekommen hält die Kapelle kurz inne und alle Blicke richten sich auf Martin und den armen Mann, der vor den züngelnden Flammen ein wenig Wärme sucht. Traditionell zerteilt der Reiter seinen schimmernden Seidenmantel und schenkt eine Hälfte dem Bettler, der sich schnell in das wärmende Rot hüllt. Damit ist das Schauspiel beendet und die Kinder können sich ihre Tüten beim Retter abholen, der wie jedes Jahr von Toni Föhles gemimt wird.

Oft auch als „St. Martin zum Anfassen“ bezeichnet, nimmt sich der 67-Jährige Zeit für jedes Kind, unterhält sich mit den Kleinen, macht Fotos oder lässt sie mit etwas Glück auf seinem Ross aufsitzen. Föhles meint: „Letztendlich macht man das ja alles nur für die Kinder. Ich ziehe mir jetzt seit 39 Jahren das Martinskostüm an und es freut mich jedes Mal, wieder so mit den Kindern umgehen zu können. Die meisten sind zunächst noch recht schüchtern, aber dann verwickelt man sie in ein Gespräch, ob sie denn auch artig waren.“

Er hat diesen ehrenamtlichen Job nach dem Tod seines Vaters von ihm übernommen. „Mit mir wird diese Familientradition aber leider aussterben. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch machen werde, aber schön war es immer“, sagt er mit etwas Wehmut.

Auch heute startet der Zug um 17 Uhr auf dem Parkplatz der Bergschänke Krefeld. Die Organisation gestaltete sich dabei laut Vrnoga in diesem Jahr etwas schwieriger. Sicherheitsauflagen wurden weiter verschärft, wenngleich die Stadt den Veranstaltern schon entgegengekommen sei.

Statt mehrerer Anlaufstellen konnten die Initiatoren den Kontakt zu einer einzigen Adresse aufnehmen, die alle Informationen und Auflagen der Versicherung, Feuerwehr und Polizei an das Team weitergeleitet hat.

Barbara Schmitz freut sich schon lange mit ihrer Tochter Lena auf den heutigen Martinszug. „Die Kleine hat im Kindergarten viele Lieder gelernt, die sie Zuhause fleißig übt. Sie ist schon ganz aufgeregt, St. Martin zu treffen und sich eine große Tüte von ihm geben zu lassen.“ Für die Fünfjährige, die ihre selbst gebastelte Laterne beim Zug tragen wird, muss vor allem eine Köstlichkeit dabei sein: „Letztes Jahr gab es schon Schokolade, die sehr lecker war. Die muss wieder drin sein — und Mandarinen.“

Auch in diesem Jahr werden die Tüten reichlich mit allerlei Obst und Leckereien gefüllt sein. St. Martin persönlich übergibt nach Ende des etwa anderthalbstündigen Zuges jedem Kind seine Tüte mit ein paar netten Worten. „Deren strahlende Augen jedes Mal sind mein größter Lohn.“