Krefeld: Seidenstraße: Leben zwischen Ratten, Müll und Schimmel

Krefeld: Seidenstraße: Leben zwischen Ratten, Müll und Schimmel

Stadt und Polizei kündigen weitere Kontrollen von Schrottimmobilien in der Innenstadt an.

Krefeld. Es ist kurz nach 19 Uhr am Montagabend, als die Polizei wieder zu einem Mehrfamilienhaus an der Seidenstraße ausrückt. Es handelt sich um die Immobilie, die wegen Brandschutzmängeln am Freitagabend bei einem Großeinsatz von Stadt und Polizei geräumt worden war. Ein 20 Jahre alter Bewohner des Hauses hat sich trotz versiegelter Tür Zutritt zu seinem ehemaligen Wohnhaus verschafft. Indem er die Haustür eingetreten hat. Nachbarn alarmierten daraufhin die Polizei. Die Beamten mussten den „äußerst aggressiven“ Mann fixieren und ihm Handfesseln anlegen, bevor er zur Wache gebracht wurde. Über die Hintergründe des Einbruchs ist nicht viel bekannt.

Am gleichen Tag hatten die Bewohner des Hauses die Möglichkeit erhalten, ihre Habseligkeiten aus der vermüllten Immobilie zu holen. Ebenfalls seit Montag sind 19 der 25 Menschen, die am Freitagabend ihre Wohnungen hatten räumen müssen, in einem Übergangswohnheim am Siemesdyk untergebracht. Bevor der Eigentümer der Immobilie die von der Bauaufsicht in dem Gebäude festgestellten Mängel nicht beseitigt, werden sie nicht in ihr Zuhause zurückkehren können.

Und die Mängelliste ist lang. In dem Gebäude befinden sich laut Auskunft der Stadt elektrische Anlagen in einem desolaten und damit gefährlichen Zustand. Zudem würden immense Mengen an Sperrmüll und Müll einen Rettungsweg versperren. Zweite Rettungswege seien überhaupt nicht vorhanden. Generell bestehe eine hohe Gefahr, dass Brände entstehen.

Neben den baulichen Mängeln soll das Mehrfamilienhaus auch ansonsten in einem schlechten Zustand sein. Schimmel, fehlende Beleuchtungen und Belüftungen innerhalb der Wohnungen sowie einen mangelnden Hygienezustand im Allgemeinen notierten die Mitarbeiter der Bauaufsicht ebenso wie einen enormen Rattenbefall. „Die Summe dieser Mängel schließt die weitere Nutzung des Gebäudes bis zur Mängelbeseitigung aus. Die Gefahr für Leben und Gesundheit der Bewohner ist in mehrfacher Hinsicht konkret und somit nicht zu verantworten“, berichtet Stadtsprecherin Angelika Peters. Trotz wochenlanger Vorplanung und vielen gesammelten Erkenntnissen zu dem „Problemhaus“ soll den Mitarbeitern der Stadt erst am Freitagabend vor Ort das ganze Ausmaß der Mängel bewusst geworden sein.

Der Einsatz an der Seidenstraße kann als eine Art Pilotprojekt im Kampf gegen Immobilien mit erheblichen baulichen Mängeln betrachtet werden. In Zusammenarbeit hatten Stadt, Polizei und Zoll die Begehungsmaßnahme geplant.

Sogar Ulrich Cyprian war in seiner Funktion als Ordnungsdezernent der Stadt vor Ort, um sich ein Bild von der Einsatzlage zu machen. Zur Absicherung hatte die Polizei insgesamt 50 Beamte gegen 18.30 Uhr am Freitag an der Seidenstraße versammelt. Eine immens hohe Anzahl an Beamten, die laut Polizeisprecher Daniel Uebber darauf zurückzuführen sei, dass im Vorfeld davon ausgegangen wurde, dass sich in dem Gebäude deutlich mehr als die dann tatsächlich angetroffenen 36 Menschen befinden. Die Einsatzsituation sei nicht exakt vorhersehbar gewesen.

Bei weiteren Kontrollen sollen nach den guten Erfahrungen vom Freitag — die Bewohner hatten sich kooperativ gezeigt — voraussichtlich weniger Beamte eingesetzt werden. Dass es weitere Einsätze dieser Art gibt, machte Martin Linne klar. „Das war sicherlich nicht die letzte Kontrolle dieser Art im Bereich der Innenstadt“, sagte der Baudezernent in einem Videointerview.

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