Schwimmvereine: Schließung des Badezentrums ist eine Katastrophe

Badezentrum Bockum : Notfallplan für Schwimmvereine

Badezentrum Bockum bleibt weiter geschlossen. Stadt bietet Alternative an – Clubs sind nicht zufrieden.

Seit dem 7. Dezember sitzen die Schwimmer der Stadt Krefeld auf dem Trockenen: Das Badezentrum Bockum musste aufgrund erhöhter Legionellen-Werte geschlossen werden. Zahlreiche Vereine und Nutzergruppen  können seitdem ihren Sport nicht mehr ausüben. Wann sich daran etwas ändert, konnten Vertreter der Stadtverwaltung am Montagabend bei einem Treffen mit ihnen im Badezentrum noch nicht sagen.

„Es macht keinen Spaß, dass das Badezentrum schon wieder zu ist. Aber Sicherheit geht vor“, betont der zuständige Beigeordnete Markus Schön. Wie Oliver Klostermann, Leiter des Fachbereichs Sport, dazu ergänzt, seien die eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen schon zu mehr als 80 Prozent abgearbeitet. Es wäre aber „unseriös“, einen genauen Zeitpunkt zu nennen, wann das Bad wieder geöffnet werden kann. Das Gesundheitsamt, am Montag durch Dirk Hagenrähe vertreten, müsse dazu eine Unbedenklichkeitserklärung abgeben. Hier gelten für die Stadt die gleichen Voraussetzungen wie für einen privaten Bad-Betreiber.

Das Leitungssystem
ist mehr als 50 Jahre alt

Das Badezentrum ist mehr als 50 Jahre alt, das Leitungssystem sei entsprechend, sagt Markus Schön. Wie Matthias Pasch als stellvertretender Fachbereichsleiter dazu ergänzt, seien schon rund 60 Maßnahmen zur Sanierung der Wasseraufbereitung umgesetzt worden. Diese zeigten auch schon Wirkung, reichten aber noch nicht aus. Allein 300 Meter Leitungen wurden abgekoppelt, um für einen schnelleren Durchlauf des Wassers zu sorgen. Aber nach wie vor kann das Gesundheitsamt keine Entwarnung geben.

Wie dramatisch sich die Situation aus Sicht der Vereine darstellt, macht  unter anderem Ulli Meskes deutlich. „Wir wissen nicht mehr weiter“, so der Vorsitzende des DUC Krefeld. Die Krefelder sind Tabellenführer der Bundesliga im Unterwasser-Rugby und können  nicht mehr trainieren. Ein Dilemma. Die ersten Spieler wollen weg. Der Club ist auf das Sportbecken im Badezentrum angewiesen. Die Spieler brauchen eine Wassertiefe von 3,80 Meter. Das gibt es sonst nirgends in Krefeld. Das Becken in Bockum ist ein Stützpunkt für Nationalmannschaften. Die Lehrgänge? Erstmal alle abgesagt. Und dann noch das: Im Februar soll Krefeld einer von drei Spielorten für ein Europa-Liga-Turnier sein, samt TV-Übertragung. Dafür sieht es düster aus.

Für die Wasserballer ist die Schließung eine Katastrophe

Das gilt auch für die Wasserballer der SV Krefeld. Seit dem 7. Dezember habe die Bundesliga-Mannschaft nicht mehr trainieren können, erzählt die Geschäftsführerin Julia Vogel: „Das ist eine absolute Katastrophe mitten in der Saison.“ Alternative Wasserflächen gibt es nicht. Drei Teams sind betroffen. Der SV Bayer hat schon Nachbarschaftshilfe geleistet, doch die Kapazitäten am Waldsee sind auch begrenzt. Das Training findet nur rudimentär statt. „Wir machen Krafttraining und schauen uns tief in die Augen. Mehr geht nicht“, sagt Vogel. Ein Pokalspiel wurde beim SV Bayer ausgetragen. In der Liga hagelt es hohe Niederlagen. „Der Leistungssport muss durchgeführt werden“, fordert Vogel. Die zweite Mannschaft, die in der 2. Bundesliga spielt, habe sie aber abmelden müssen.

Die Wettkämpfe sind beim SV Bayer Uerdingen nicht betroffen. Doch auch der Verein vom Waldsee muss Einschränkungen hinnehmen. In Kooperation mit der Stadt bietet der Club Kita-Schwimmen an, viele Kurse finden in Bockum statt. 350 Kinder nehmen teil. Ein großes Projekt. Nun entstehen Verzögerungen und Kürzungen. Geschäftsführer Gunter Archinger sieht eine „Kostenfalle“ auf den Verein zukommen und Personaleinsatzprobleme. Den Kollegen der SVK will der SV Bayer „im Sinne des Sports helfen“.

Die Vertreter der Stadt können die Sorgen der Vereine gut nachvollziehen – und versuchen so gut es geht zu helfen. Der Ausfall von 1200 Quadratmetern Wasserfläche – von insgesamt 2000 in der Stadt – sei aber nicht vollständig auszugleichen, sagt Matthias Pasch.

Eine Arbeitsgruppe hat Vorschläge vorbereitet, wie in den kleinen Hallenbädern in Fischeln und Uerdingen Zeitfenster für die Schwimmer geschaffen werden können. Man wolle möglich machen, was geht – teils bis 23 Uhr, oft mit Doppelbelegung, vielfach an den Wochenenden. Dafür werden allerdings öffentliche Badezeiten und Schulschwimmen geopfert werden müssen.

Die Vorschläge wurden den Vereinsvertretern bei dem Treffen mitgegeben. Bis Ende der Woche sollen sie sich dazu äußern, welche Zeitfenster sie benötigen.

Auch in den Nachbarstädten Duisburg, Düsseldorf und Neuss gebe es die Bereitschaft, Trainingszeiten anzubieten, berichtet Markus Schön. Ab dem kommenden Montag sollen die Belegungspläne dann umgesetzt werden.

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