Schwimmen in einer Baustelle

Baustelle : Badezentrum: Schwimmen in der Baustelle

Trotz der aufwändigen Umbauten in der Schwimm-Arena fühlen sich die Badegäste nicht gestört – eine Sanierung, für die die Stadt gelobt wird.

Menschenleer ist die Schwimmhalle des Badezentrums am Morgen. Die Wasseroberfläche ist glatt wie eine Glasfläche. Nur von der Baustelle hört man leise die Hämmer und Bohrer.

Die Sanierung läuft. Die Giebelwände müssen stabilisiert werden. Eine Fläche von 600 Quadratmetern. Der Fachbereich Zentrales Gebäudemanagement hat an den beiden Seiten des imposanten Gebäudes Spezialgerüste mit luft- und blickdichten Schutzplanen aufstellen lassen. Dahinter wird gemeißelt, im Unterdruck gearbeitet. Der Staub wird abgesaugt, denn die dämmende Mineralwolle ist in die Jahre gekommen. Sie wird heutzutage als Schadstoff eingestuft und von einer Spezialfirma entsorgt. Durch eine Schleuse gelangen die Arbeiter von draußen hinter die Plane. Die Badegäste kriegen sie nicht zu Gesicht. Auch die Lufttemperatur von knapp 30 Grad im Innern soll konstant bleiben.

Seit 2000 steht das Gebäude
unter Denkmalschutz

Die mit Löchern durchzogenen blauen Klinkersteine, eine mehr als 50 Jahre alte Spezialanfertigung, die für Schallschutz sorgen, die Nachhallzeiten verringern sollten, werden in diesen Tagen möglichst einzeln abgenommen. Draußen vor der Halle werden sie abgedeckt, im Freien gelagert und nummeriert. Eva-Maria Eifert von der Unteren Denkmalbehörde sagt: „Wir wollen sie nach Möglichkeit wiederverwenden. Es hängt dann alles von der Neuplanung ab. Wie kann man die Wände konzipieren?“ Seit 2000 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Erst einmal stehen die Abbauarbeiten an. Diese können sich nach Aussage von Klaus Müller vom Zentralen Gebäudemanagement bis in den Januar ziehen. Der Klinker soll möglichst unversehrt abgenommen werden. Müller: „Ob es die Steine im Original gibt, ist unsicher. Sie sind keine Standardware mehr.“

1967 wurde das Bad eröffnet. Die Firma Buchtal, die die Steine damals lieferte, existiert noch. Bauphysiker sollen Pläne entwerfen. Es geht dann beim Wiederaufbau auch um Akustik und vor allem die Statik. „Es muss eine Lösung gefunden werden. Es dürfen keine Schäden durch die Feuchtigkeit und Chlorbelastung entstehen“, sagt Müller.

Dass Badegäste überhaupt während der Umbaumaßnahmen das Schwimmbad nutzen können – wenn auch zunächst erst ab 15 Uhr, wenn die Kernarbeit abgeschlossen ist – ist für die Stadt ein Glücksfall. Dieter Porten, Sachgebietsleiter für Bäder im Fachbereich Sport und Sportförderung sagt: „Meine Wünsche sind erfüllt worden. Wir reden hier über das Bad der Bäder in Krefeld. Wir wollten zeitnah einen Schwimmbetrieb zur Verfügung stellen. Das haben wir geschafft.“

„Das Problem ist 1a gelöst
worden in der Kürze der Zeit“

Eine Krisensitzung, so erzählt es Porten, folgte auf die nächste. 75 000 Schülerbesuche wurden umgeplant. Für 20 000 Wassersportler, so Porten, musste ein Angebot her. Die Zeit rannte davon. Durch den warmen Herbst blieb das Freibad länger geöffnet. Eine teure Traglufthalle war wegen der schnellen Umsetzung nicht erforderlich. Und auch Angelika Witt von der Unteren Denkmalbehörde ist erfreut: „Das Problem ist 1a gelöst worden in der Kürze der Zeit. Das hatte oberste Priorität. Vor allem haben die Gäste keine Lärmbelastung.“ Und Porten sagt: „Die Baustelle ist 100 Prozent luftdicht.“ Fünf Wochen dauerte die Eröffnung der Baustelle.

Die Lärmbelästigung ist
nicht so hoch wie erwartet

Denkbar ist sogar, dass künftig das Bad früher als 15 Uhr öffnet. „Die Lärmbelästigung ist nicht so hoch wie erwartet“, sagt Müller. Und Dieter Porten meint: „Wir werden darüber noch Gespräche führen. Möglich, dass wir dann schon mittags Wasserflächen zur Verfügung stellen.“ Die gesamten 1300 Quadratmeter Wasserfläche sind nutzbar, trotz der Baustelle.

In der ersten Woche seit Beginn des Abrisses gingen schon wieder 2500 Vereinssportler zu Wasser. Die Schutzplane beginnt erst gut zwei Meter dahinter. Die Leiter für das Ein-Meter-Sprungbrett wurde allerdings zugunsten eines Rettungsweges abmontiert.

Schwimmen auf einer Baustelle? Diesen Eindruck haben die Badegäste am Abend zumindest nicht. Christian Schustek arbeitet im Schichtdienst, kommt zweimal pro Woche ins Badezentrum, um seine Bahnen zu schwimmen. Die Baustelle stört ihn nicht: „Ich bin froh, dass es überhaupt offen hat. Schade, dass es kein Frühschwimmen gibt. Von der Baustelle hört und sieht man nichts.“

Julia Ranzau: „Es stört mich nicht. Man hört und sieht nichts“

Für Julia Ranzau, die Schwimmkurse gibt, hat die helle Plane sogar noch einen optischen Vorteil. Es wirkt etwas heller in der Halle, auch in den Abendstunden: „Es stört mich überhaupt nicht. Man hört und sieht nichts. Die Fliesen, die dahinter lagen, waren sehr dunkel.“ Das meint auch ein Übungsleiter der SSF Aegir, der namentlich nicht genannt werden will: „Durch die helle Wand entsteht eine bessere Atmosphäre. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so schnell gegangen ist. Da muss man der Stadt auch mal ein Lob aussprechen.“

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