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Schulsanierung: Skepsis ist groß

Schulsanierung: Skepsis ist groß

Die SPD spricht von einem Meilenstein für die Schullandschaft, die CDU fürchtet Bauverzögerungen.

Das Geld ist da, ein Plan, wohin es fließen soll, auch: Vor wenigen Wochen hat die Verwaltung eine seitenlange Liste mit mehr als 1000 Einzelmaßnahmen vorgestellt, die in den kommenden Jahren aus verschiedenen Förderprogrammen des Landes (Gute Schule 2020, KInfVöG) sowie aus kommunalen Mitteln in Krefelds Schullandschaft umgesetzt werden sollen — für 143 Millionen Euro soll bis 2022 an den 60 Schulen der Stadt gebaut, saniert, erweitert werden. SPD-Vorsitzender Benedikt Winzen spricht von einem „Meilenstein für Krefelds Schullandschaft“, betont aber auch: „Fertig sind wir damit lange nicht.“ Bildungsdezernent Markus Schön und Rachid Jaghou, Fachbereichsleiter Gebäudemanagement, erklären, es handele sich bei allen aufgeführten Maßnahmen um eine „lebendige Liste“, die fortlaufend ergänzt werde.

Bei aller Freude über die Finanzspritzen macht sich bei Krefelder Lehrern und Eltern bereits Skepsis breit — das wurde jetzt beim Infoabend der SPD unter dem Titel „Krefeld macht Schule — Investitionen in die Zukunft unserer Stadt“ deutlich: Was, wenn es an Handwerkspersonal fehlt, um die Fördermittel zu verbauen? Und warum erhalten die 24 weiterführenden Schulen mit gut 80 Millionen Euro eigentlich eine mehr als doppelt so hohe Fördersumme wie die 28 Grundschulen in der Stadt?

Es sind Fragen, die auch Krefelds CDU-Fraktion um Stefanie Neukirchner (schulpolitische Sprecherin) und Manfred Läckes (baupolitischer Sprecher) umtreiben. Die zwölf inzwischen innerhalb der Verwaltung neu besetzten Stellen seien dringend notwendig, um die Maßnahmen an den Schulen zügig auf den Weg zu bringen, betont Läckes. „Viele Kommunen, auch Krefeld, haben in den vergangenen Jahren in ihren Verwaltungen abgespeckt. Das Personal fehlt jetzt, um die Einzelmaßnahmen an den Schulen auch zügig anzugehen.“

Krefelds Haushaltsplus verschärfe die Situation sogar noch, erklärt Läckes: Verschuldete Nachbarkommunen wie Duisburg oder Mönchengladbach bekämen nicht nur Fördermittel vom Land, sie hätten dadurch auch die Möglichkeit, Mitarbeiter anderer Verwaltungen — so auch in Krefeld schon geschehen — abzuwerben. Mit dem leergefegten Architekten- und Ingenieur-Markt hatte Baudezernent Martin Linne im vergangenen Jahr zu kämpfen; dass Stellen zunächst intern ausgeschrieben werden müssten, habe eine schnelle Besetzung zusätzlich verzögert, glaubt der baupolitische Sprecher der CDU. Er fürchtet, dass die Stadt dadurch wichtige Chancen beim Abrufen der einzelnen Fördersummen verspiele und „sich hinten anstellen muss, weil die Verwaltung einfach zu langsam ist. Bis man mit den einzelnen Aufträgen auf den Markt gehen kann, sind vielleicht extern keine Leute mehr da, die die Arbeiten zeitnah umsetzen können.“ Das wiederum treibe die Kosten langfristig in eine nur schwer kalkulierbare Höhe — die Verwaltung beziffert sie mit plus/minus 20 Prozent.

Parteikollegin Neukirchner hat Zahlen mitgebracht, die das belegen: Baumaßnahmen an Regenbogenschule, Geschwister Scholl Grundschule, Bismarck und Sollbrüggen Schule, Robert-Jungk sowie den Gesamtschulen Uerdingen und Oppum beziffert sie aktuell mit Kosten von rund 53 Millionen Euro — „bei Verzögerungen könnten noch einmal 13 Millionen Euro zusätzlich hinzukommen, die jetzt aber nirgendwo vorgesehen sind“, gibt die schulpoltische Sprecherin der CDU zu bedenken.

Ein weiterer Kritikpunkt für Neukirchner: Mit dem Berufskolleg Glockenspitz und der Mosaikschule am Standort Hofstraße seien zwei extrem sanierungsbedürftige Schulen überhaupt nicht in der aktuellen Liste der Verwaltung bedacht worden. Laut Neukirchner sei die Mosaikschule an der Hofstraße „die schlechteste Schule der Stadt“. Die Lehrer der Mosaikschule unterstreichen Neukirchners Auffassung beim Infoabend der SPD. Zu zehnt sind sie erschienen, um Politik und Verwaltung auf die Arbeits- und Lernbedingungen an der Hofstraße aufmerksam zu machen: „Unsere Container stehen seit inzwischen 50 Jahren provisorisch hier — und wir unterrichten immer noch darin.“ Bildungsdezernent Schön versichert, man arbeite „mit Hochdruck“ an einer Lösung. Fest stehe: „Die Container werden plattgemacht.“ Die ehemalige Hauptschule Prinz-Ferdinand werde für eine Interimslösung ertüchtigt, auf lange Sicht könnte am Standort Hofstraße vielleicht ein Haus der Bildung entstehen — mit Grundschule und angrenzender Kita.