Schulleiter: Jetzt soll es beim Turbo-Abitur bleiben

Schulleiter: Jetzt soll es beim Turbo-Abitur bleiben

Pläne der Landesregierung, dass die Schulkonferenz entscheiden soll, stoßen auf wenig Zustimmung.

Krefeld. Wird es neben dem Turbo-Abi bald wieder eine langsamere Gangart an den Gymnasien geben? Geht es wahlweise wieder zurück von der verkürzten Schulzeit (G8) hin zu neun Jahren bis zur Reifeprüfung? Es gibt einen Vorstoß der neuen Landesregierung, es den Gymnasien, sprich: Schulkonferenzen, einmalig selbst zu überlassen, ob sie das Abitur nach zwölf oder 13 Jahren anbieten wollen. Das geschieht jetzt zu einer Zeit, in der der erste G8-Jahrgang gerade in der Oberstufe angekommen ist.

Als Gründe werden von der Landesregierung angegeben, das Turboabitur erzeuge unangemessenen Lerndruck, verhindere Durchlässigkeit und überfordere die Schulen bei der Umsetzung. Den Schülerinnen und Schülern müsse deshalb der Weg zum Abitur nach zwölf, aber auch nach 13 Schuljahren offen gehalten werden. Zwar halten die Schulleiter bisher noch nichts Schriftliches zum Thema in Händen, Überlegungen haben sie natürlich schon angestellt. Die WZ fragte nach.

Den Lerndruck sieht Heinz Strohe, Direktor des Maria-Sibylla-Merian-Gymnasiums , nicht. "Ich bekomme keine Katastrophenmeldungen über Stress und Überforderung von den Eltern." Für ihn sind die acht Jahre bis zum Abitur ein persönlicher Wunsch. "Wir haben die Umstellung über lange Jahre betrieben."

Dagegen spricht eine Mutter. "Ich habe drei Kinder am Gymnasium; zwei Töchter in der Oberstufe und einen Sohn in der neunten Klasse", so Beatrix Krug-von Borstel. "Wir sind nicht für das Turbo-Abi. Meine Töchter hatten eine schönere Schulzeit als mein Sohn. Er hat zweimal in der Woche Schule bis 16.30Uhr, dann fällt das Handballtraining aus. Das Turbo-Abi ist zu gestrafft, es wird zu viel hineingepackt."

"Organisationschaos" ist ein oft gebrauchtes Wort bei der Befragung. "Wenn mit dem Beginn des neuen Schuljahres die Wahlmöglichkeit bestehen sollten, haben wir drei Systeme an den Schulen", bemerkt Rolf Nagels, Direktor des Gymnasiums am Stadtpark und Sprecher der Gymnasien. "Das alte neunjährige System und das G8, was schon schwierig genug ist, und eventuell das reformierte neunjährige System."

Rolf Nagels fehlen noch zu viele Infos über Bedingungen, Zeitschiene, Bücher und Lehrpläne, die wieder neu geschrieben werden müssten. "Wie soll das auf die Schnelle gehen?" Grundsätzlich plädiert auch Nagels für G8.

Fichte-Direktorin Waltraut Fröchte findet, dass acht Jahre im Prinzip reichen. Eine Nachbesserungs-Pflicht sieht sie jedoch bei den Lehrplänen. "Der Stoff muss vernünftig reduziert, die Erfahrungen mit der zweiten Fremdsprache in der sechsten Klasse überprüft werden." Im Vergleich zum europäischen Ausland gehe die Schule von 8 bis 13 Uhr nicht mehr.

Harald Rosendahl, Direktor des Arndt-Gymnasium, hält es für sinnvoll, dass sich alle Direktoren gemeinsam mit dem Schulträger an einen Tisch setzen und das Thema diskutieren. "Ich kann G8 viel abgewinnen, so wie es viele Länder vormachen."

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