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Schullandheim: Begeisterung der Gäste ist die beste Werbung

Schullandheim: Begeisterung der Gäste ist die beste Werbung

Klaus Friedrich ist seit einem Jahr Leiter des Schullandheims. Im Interview mit der WZ zieht er eine erste Bilanz und sagt auch, wo der Schuh drückt.

Herr Friedrich, Sie sind jetzt ein Jahr und einen Monat Leiter des Schullandheimes Herongen. Wie fällt Ihre Jahresbilanz aus?

Friedrich: Meine erste Jahresbilanz fällt sehr positiv aus. Ich habe hier ein sehr motiviertes Team vorgefunden, das mir den Einstieg leicht gemacht hat. Wir alle haben das gemeinsame Ziel, unseren Gästen den Aufenthalt so schön und erholsam zu gestalten, dass sie gerne wiederkommen. Ich habe in meinem ersten Jahr hier sehr viel gelernt und immer wieder Gespräche mit den Gästen geführt, um deren Wünsche und Bedürfnisse kennen zu lernen.

Es gibt ja Neuerungen beim Freizeitangebot, so etwa den Backtag und die "Heronger Spitzmäuse". Wie ist das zustande gekommen? Wer überlegt sich so etwas?

Friedrich: Einige Programme gab es ja bereits vor meiner Zeit hier. Die anderen Dinge entstanden aus der Überlegung, den Lehrern, die mit ihren Klassen zu uns kommen, unterstützend etwas anzubieten. Immer in einem begrenzten zeitlichen Rahmen, immer mit der Vorgabe, dass die Kinder nach kurzer Einführung selbst etwas machen, immer mit dem Ziel, nach dem Programm ein fertiges Ergebnis vor sich zu haben. Diese Ziele erreichen wir mit Angeboten wie Filzen, Backen, T-Shirts bemalen, Knete selber machen, etc. Außerdem war es mir wichtig, dass die kreativen und motorischen Fähigkeiten der Kinder gefördert werden. Demnächst werden wir Holz- und Lederarbeiten mit Jochen Thiel (www.kreative-werkstatt.org) anbieten.

Wie sieht’s mit Belegung und Finanzen aus? Drückt irgendwo der Schuh?

Friedrich: Bei der Belegung gibt es eine deutliche Tendenz nach oben. Das zeigt mir, dass unsere Bemühungen honoriert werden. Sowohl in der Schulbelegung als auch bei den Wochenendgästen zeigt sich, dass die Nachfrage steigt. Trotzdem sind die Belegungszahlen ausbaufähig - hier hilft aber nur Geduld, gute Arbeit und mehr Werbung. Wir gestalten gerade einen neuen Flyer und sind dabei, eine neue Website aufzubauen. Die beste Werbung aber ist die Begeisterung unserer Gäste. Der Schuh drückt ein wenig - wie könnte es auch anders sein - an der finanziellen Ausstattung. Wir müssen in den nächsten Jahren viel investieren: Brandschutz, Renovierung, neue Wäsche, Kopfkissen und vieles andere mehr. So müssen manchmal dringend notwendige Investitionen auf die nächsten Jahre verteilt werden.

Sind jetzt bei Ihnen Ferien? Oder machen Sie auch Programm in der schulfreien Zeit?

Friedrich: Die Schulferien sind nicht zwingend eine ruhige Zeit hier im Schullandheim. In den Herbstferien haben wir fast 100 Kinder und Jugendliche aus der Pfarre St. Peter in Hinsbeck zu Gast, die ein sehr aktives Ferienprogramm gestalten. Jetzt in der zweiten Ferienwoche ist eine Gruppe der Musikschule Krefeld zu Gast, die ein musikalisches Übungsprogramm absolviert. Das Schullandheim schließt lediglich zwei Wochen in den Sommerferien, dann brauchen auch unsere Mitarbeiter eine Verschnaufpause. Ansonsten nutzen wir die belegungsarme Zeit im Januar/Februar für Grundreinigung, Renovierung und für Freizeitausgleich und Urlaub. Wenn gewünscht, gestalten wir mit den Gruppen, die uns in den Ferien besuchen möchten, auch Programme oder Projektwochen. Oder wir vereinbaren Freundschaftsspiele mit den jeweiligen Fußballmannschaften des SV Straelen. Wir bieten Fahrradtouren an. In den nächsten Sommerferien möchte ich zusammen mit den Betreuungsgruppen im offenen Ganztag der Stadt Krefeld ein kreatives Wochenprogramm auf die Beine stellen.

Was passiert in Herongen, wenn es draußen nicht so schön ist, also hauptsächlich im Winter. Kommen da auch Schulklassen?

Friedrich (lacht): Hier ist es immer schön. Aber zur Frage: In der kalten Jahreszeit bieten wir Möglichkeiten an, die mehr in den Häusern stattfinden. Unser Musikwagen kann genutzt werden, wir haben ganz neu im Programm die Move-it-Box der Deutschen Verkehrswacht. Hiermit können aktive Spielmöglichkeiten in den Räumen genutzt werden. Und natürlich unsere Weihnachtsbäckerei mit Früchtepunsch, Weihnachtsgeschichten und Fackelwanderung. Es kommen vermehrt Anfragen und Buchungen von Klassen und Gruppen auch im Herbst und Winter.

Wer außer Schulklassen sind noch ihre Gäste?

Friedrich: Wir bieten Raum und Platz eigentlich für jede Gruppe. Wir hatten in diesem Jahr schon Karnevalsvereine aus Holland und Krefeld, Sportvereine aus dem ganzen Rheinland, viele Kirchengruppen aus dem näheren und weiteren Umland, integrative Veranstaltungen der Lebenshilfe, Seminare der bischöflichen Akademie in Aachen - diese Aufzählung lässt sich fortführen. Vielleicht wird so deutlich, dass wir ein sehr offenes Haus sind, das sich niemandem verschließt. Auch Familien, Klassentreffen oder Pilger auf der Durchreise sind herzlich willkommen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

Friedrich: Dass die Stadt Krefeld und das Schullandheim in Herongen noch eine lange gemeinsame Zukunft haben werden. Diese fast 60-jährige Tradition zu erhalten und zu pflegen, ist mir ein großes Anliegen. Wichtig wäre für uns in diesem Zusammenhang auch die Sanierung und der Ausbau der bisherigen Tischtennishalle, damit für die vielen verschiedenen Nutzergruppen auch ein entsprechender Versammlungs-, Spiel- und Freizeitraum zur Verfügung steht. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 100 000 Euro.

Wer uns bei diesem Anliegen unterstützen möchte, diese kleine Bemerkung sei mir gestattet, kann über den Förderverein des Schullandheimes dazu beitragen. Mehr Infos dazu und zu allen anderen Angeboten unter