Schulessen: Die Prüfung ist bei der Stadt unerwünscht

Schulessen: Die Prüfung ist bei der Stadt unerwünscht

Hochschule Niederrhein bietet ein Testverfahren an. Doch Krefeld hat kein Interesse.

Krefeld. Ist das Mittagessen in der Schule wirklich lecker? Und noch wichtiger: Ist es auch gesund? Werden alle Hygiene-Vorschriften eingehalten? Ist der Transport in Ordnung? Und befinden sich die richtigen Leute am Herd?

Das „Essen in der Schule“ ist zurzeit in aller Munde. Ob die Speisen für die junge Generation wirklich den aktuellen Erkenntnissen und Vorschriften entsprechen, daran äußern Fachleute Zweifel.

Alle Fragen rund um eine gesunde Ernährung könnten Professoren und Studierende der Oecotrophologie an der Hochschule Niederrhein beantworten. Sie haben nach mehrjähriger Forschungsarbeit gemeinsam mit der Verbraucherzentrale eine Zertifizierung erarbeitet, ein Bewertungssystem also, mit dem die Speisen und die Arbeit des Anbieters unter die Lupe genommen werden. Wer eine Kochmütze erhält, hat die grundlegenden Dinge richtig gehandhabt; wer drei verliehen bekommt, ist spitze.

Doch nach den Mützen und der damit verbundenen Sicherheit auf dem Teller greift in Krefeld keiner. „Wir haben der Stadt unsere Dienste im Januar 2007 angeboten, aber vom Oberbürgermeister noch nicht einmal eine Antwort bekommen“, sagt Professor Volker Peinelt.

Sein Ärger über die Ignoranz ist ihm anzumerken. „Wir bieten eine Zertifizierung zur Hälfte des Selbstkostenpreises an“, sagt er weiter. „Eine vergleichbare Bewertung gibt es in ganz Deutschland nicht. Wir decken das ganze Spektrum ab.“

Das „interdisziplinäre Langzeitprojekt“ wurde von 20 Studenten über drei Semester begleitet. „In Hessen wird das Angebot ausprobiert“, sagt Peinelt. „In NRW bisher nicht.“

Für den Fachmann wäre es sinnvoll, dass nicht jede Schule alleine ihr Süppchen kocht, sondern einheitlich ein guter Anbieter verpflichtet wird. „Die Menge macht einen guten Preis bei hervorragender Qualität möglich.“ Zudem gebe es einen Caterer in Krefeld, der sich mit drei Kochmützen schmücken kann.

Dieser kocht die Speisen, kühlt oder friert sie dann nach der „cook & chill“-Methode herunter. In den Schulen werden die Gerichte regeneriert. „Der Preis für ein Vollwert-Essen aus Bio-Produkten hat in einem Pilotprojekt fünf Euro Vollkosten betragen — also samt Transport- und Personalkosten und ohne Subventionen.“

Der Heißtransport aus einer zentralen Küche sei auf jeden Fall falsch. Nach sechs Stunden sind Nährstoffe und Vitamine verdampft. Peinelt: „Lehrer und Mütter sind — ohne Beleidigung — keine Fachleute. Sie haben von gesunder Ernährung und deren Herstellung, von Hygienevorschriften keine Ahnung.“

Eine Checkliste, bestehend aus 150 bis 200 Fragen, haben die Fachleute der HN erarbeitet. Sie richtet sich überwiegend an Anbieter. Die Liste enthält nicht nur Fragen zur Vollwertigkeit der Speisenpläne, sondern auch zur Hygiene sowie zur Abwechslung und Nachhaltigkeit des Angebotst. Es werden sowohl die — meist externe — Produktion als auch die Behandlung der Speisen in der Schule bewertet. „Auch beim Aufwärmen kann es Fehler geben.“

Eine Gruppenzertifizierung für mehrere Schulen kostet vier Euro pro Schule pro Woche. „Und wenn eine Schule denkt, besonders gut zu sein, kann sie sich ebenfalls melden und sich alleine um Kochmützen bewerben.“

„Das Schulessen liegt in der Verantwortlichkeit der Schulkonferenzen jeder einzelnen Einrichtung“, sagt dazu Rainer Hendrichs, Leiter des Fachbereichs Schule. „Wir können die Schulen bei diesem schwierigen Thema nicht einheitlich behandeln.“ Es komme auf den Standort mit sozialem Umfeld und individueller Nachfrage an.

Mehr von Westdeutsche Zeitung