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Schüler sorgen für Chaos in Bussen und Bahnen

Schüler sorgen für Chaos in Bussen und Bahnen

In Krefelds Bussen und Bahnen herrscht nach Schulschluss ein rauer Umgang miteinander.

Krefeld. Um die Mittagszeit geht in Krefelds Bussen und Bahnen der ganz normale Wahnsinn los. Wenn das letzte Klingelzeichen des Tages in den Klassen ertönt ist, machen sich hunderte Schüler mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg nach Hause. Und sie benehmen sich dabei nicht immer vorbildlich.

An der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule steigt ein ganzer Pulk in den Bus der Linie 058 ein. Die Jugendlichen favorisieren den hinteren Teil des Fahrzeugs und lärmen direkt los. Ein Junge - gepierct, zwei Strass-Stecker in den Ohren und mit blondierten Haaren - spielt eine lebende Beatbox. "Geiler Sound, Alta", zollt ihm sein Kumpel Respekt. Er hat, wie jeder zweite unter 20Jahren im Bus, einen Kopfhörer seines Musikplayers im Ohr.

Ein babylonisches Sprachen-Wirrwarr ist zu hören. Viele sprechen Türkisch, Griechisch, Italienisch oder Albanisch - und nur wenige Deutsch. Trotzdem sind es ganz normale Schülerthemen, über die sie sich unterhalten: die letzte Klassenarbeit oder den doofen Mathelehrer. Nur die eine oder andere Verabschiedung klingt in den Ohren eines Erwachsenen nicht besonders nett und herzlich. "Ciao Alta, du Opfer", sagt ein bildhübsches Mädchen mit langen dunklen Haaren zu ihrem Sitznachbarn, als er aufsteht.

Ein paar Kilometer weiter, am Schulzentrum Horkesgath, stürmen vier Sechst- oder Siebentklässler zur Bushaltestelle. In Windeseile zückt einer von ihnen einen schwarzen Edding und malt dem Ticket-2000-Werbemann eine Brille, einen Schnurrbart und ein Fadenkreuz auf die Stirn. Ein anderer Junge, etwas älter als die kreativen Künstler, spuckt alle 30 Sekunden auf den Boden. Als ein kleines Mädchen ihr Schokoriegelpapier in den Mülleimer werfen will, trifft er ihre Schuhe. Eine Entschuldigung kommt ihm nicht über die Lippen. Sie verliert - wahrscheinlich aus Angst - kein Wort darüber.

Auch in der Straßenbahn 043, die die Schüler der Gesamtschule Kaiserplatz an der Kaiserstraße einsammelt, herrscht ein rauer Umgang miteinander. Die Regel "Erst die Leute aussteigen lassen, bevor man einsteigt" gilt hier nicht - eher das Recht des Stärkeren. Wer am besten schubst und drängelt, ist als erstes drin. Die Bahn ist brechend voll.

Niemand bietet der älteren Dame oder der Mutter mit zwei Kindern seinen Sitzplatz an. Ein Junge, der nicht viel älter als zwölf Jahre sein kann, dreht sich eine Zigarette. Ein anderer hört über sein Handy auf voller Lautstärke die momentan so populäre Atzen Musik.

Als der Fahrer am Sprödentalplatz wegen eines Defekts am Fahrzeug zum Aussteigen auffordert, skandieren die Schüler lautstark "Hurensohn". Der ganz normale Wahnsinn halt.