1. NRW
  2. Krefeld

Schroersdyk: Viktoria Krefeld bleibt, die Planungen können beginnen

Sport : Schroersdyk: Viktoria bleibt, die Planungen können beginnen

Viktoria Krefeld bleibt am Schroersdyk. Diese Entscheidung hat Auswirkungen für gleich mehrere Sportanlagen in Krefeld und beendet eine aus dem Ufer gelaufene Debatte.

Bleibt Viktoria Krefeld am Schroersdyk oder nicht? Seit Monaten stellt sich den Vereinsverantwortlichen, aber auch der Stadtverwaltung genau diese Frage. Jetzt scheint eine Lösung in Sicht. „Wir bleiben“, sagt Viktorias Vorsitzender Markus Eitner. Für das Sportamt um Leiter Oliver Klostermann ein klares Signal. „Wir haben nie gesagt, dass Viktoria Krefeld die Anlage am Schroersdyk verlassen muss. Wir brauchten aber auch Planungssicherheit für die Zukunft. Die haben wir dann jetzt.“ Denn die Entscheidung des Vereins zum Verbleib am Schroersdyk hat auch Auswirkungen auf andere Sportanlagen. Unsere Redaktion skizziert den Verlauf einer aus dem Ufer gelaufenden Debatte, die längst zum Politikum geworden ist.

Worum geht es in der Diskussion?

In Krefeld verursachen zu viele Sportanlagen zu hohe Kosten und sie sind teilweise nicht ausgelastet. Um zu ermitteln, welche Anlagen in Krefeld wie gut genutzt werden und damit zukunftsfähig sind, erstellte eine eingesetzte Sportstättenkommission (Vereine, Politik, Verwaltung, Interessensverbände) Ende des vergangenen Jahres einen Kriterienkatalog in Zusammenarbeit mit dem Sportwissenschafter Lutz Thieme und dessen Team vom Rhein-Ahr-Campus. „Wir wollen den Krefelder Bürgern Sportanlagen und Bewegungsflächen anbieten, die möglichst ganztägig von heterogenen Gruppen genutzt werden können“, sagt Sportamtsleiter Oliver Klostermann zum Ziel der Sportplatz-Analyse. Heißt im Umkehrschluss: Keine Bezirkssportanlage soll zukünftig nur noch einem Verein oder einer Sportart zur Verfügung stehen. Die Anlagen Schroersdyk, Randstraße, Kaiser-Wilhelm-Park und Gellep schnitten bei der Bewertung aller 17 Krefelder Bezirkssportanlagen am schlechtesten ab und sollen in Zukunft anders genutzt werden. Im Gegenzug sollen andere Sportanlagen saniert und modernisiert werden.

Warum wird um die Anlage am Schroersdyk gestritten?

Trotz des Ergebnisses der Sportstättenkommission war bei Viktoria Krefeld schnell klar, dass der Verein seine „Heimat“ am Schroersdyk nicht verlassen will. Die „grünste Bezirkssportanlage Krefelds“ (ein Asche- und ein Naturrasenplatz) wird in Eigenregie vom Verein verwaltet. Rund 10 000 Euro erhält Viktoria dazu von der Stadt pro Jahr. „Ein Minusgeschäft für uns“, sagt Viktoria-Vorsitzender Markus Eitner. Zehn Mannschaften hätte der Verein, dessen Anlage ansonsten nur zeitweise von der Pestalozzischule genutzt wird. Die Stadtverwaltung legte dem Verein lange Zeit nahe, die Anlage zu verlassen und auf den Sportplätzen bei Spiel- und Sport Krefeld (Horkesgath) oder Preussen Krefeld (Hubert-Houben-Kampfbahn) heimisch zu werden. „Weil beide Anlagen aufwendig modernisiert und damit zukunftsfähig gemacht werden“, so Klostermann.

Nach Auskunft des Vereins fühle man sich von Seiten der Stadt trotz dieser Angebote im Stich gelassen, die Kommunikation zu möglichen Zukunftsszenarien am Schroersdyk oder anderswo seien unzureichend gewesen. „Es gibt keinen Kontakt“, so Eitner. Auf Seiten der Stadt spielt man den Ball zurück. „Markus Eitner war als Mitglied der Sportstättenkommission immer in alle Planungen mit eingebunden“, sagt Markus Schön. Dem Stadtdirektor vorgeworfen, Druck ausgeübt zu haben auf die Fußballer von Viktoria Krefeld. Konkret geht es sich um eine Mail, die im September an den Verein verschickt wurde, in dem dieser aufgefordert wird, sich für oder gegen einen Verbleib am Schroersdyk zu entscheiden. Eine Antwort erhielt die Stadt damals nicht vom Verein selbst, sondern vom Bürgerverein Inrath. Denn längst hatten sich andere Interessensverbände in die Diskussion mit eingeschaltet – auch die Politik.

Das sagt die Politik

Öffentliche Kritik an der Vorgehensweise hatte es zuletzt vom Bürgerverein Inrath und der CDU gegeben, die durch Ratsherr Michael Zecha verlauten lässt: „Insgesamt hatten wir im Rat beantragt, dass vor einer so großen Ratsentscheidung alle Ergebnisse der Sportstättenkommission erst einmal in den Bezirken und Ausschüssen diskutiert werden. Doch scheinbar wollte man lieber vor der Kommunalwahl noch schnell Ergebnisse präsentieren. Diese Hektik fällt der Stadtverwaltung nun angesichts der aktuellen Diskussion und der Unruhe im Norden auf die Füße.“

In die gleiche Kerbe schlug bereits Peter Vermeulen. Der ehemalige CDU-Oberbürgermeisterkandidat wertet die mögliche Umwandlung der Sportanlage am Schroersdyk als einen „Angriff auf den Sport im Krefelder Norden“. „Außerdem fehlt die Information und die enge Abstimmung mit den Vereinsverantwortlichen und den Akteuren im Bezirk“, erklärt Peter Vermeulen.

Grüne und SPD verweisen hingegen auf die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse der überparteilichen Sportstättenkommission und stehen zu einer „Neuausrichtung der Sportstätten“. Der sportpolitische Sprecher der SPD, Klaus Kokol, sagt: „Der in der Sportstättenkommission mit breiter Mehrheit gefundene Weg der priorisierten Abarbeitung ist hierfür, sowohl aus sport- wie auch aus finanzpolitischer Sicht, nach wie vor der einzig richtige. Es geht also nicht um die Schließung der Anlage, sondern um deren zukunftsfähige Weiterentwicklung, damit eben der SC Viktoria Krefeld seine Heimat im Inrath behalten kann. Das wollen wir im Dialog und in Zusammenarbeit mit dem Verein erreichen.“ Axel Müller (Grüne) betont: „Die Sportanlage Schroersdyk wird zukünftig keine Bezirkssportanlage mehr sein und auch keinen Kunstrasenplatz bekommen. Als Quartiers-Sportanlage bleibt sie erhalten und soll im Dialog mit dem Verein und den Bürgerinnen und Bürgern am Inrath entwickelt werden. So sieht es auch der Ratsbeschluss vor.“ Die FDP sagt in Person von Fraktionschef Joachim Heitmann: „Die Anlage am Schroersdyk im Herzen des Krefelder Nordens ist sicherlich erhaltenswert, muss aber auch veränderten Gegebenheiten Rechnung tragen. Vereine, Schulen und der Breitensport müssen näher zusammenrücken und gemeinsame Konzepte erarbeiten, die eine – auch wirtschaftliche – Nutzung rechtfertigen.“ Die UWG steht nach Auskunft von Ratsherr Andreas Drabben „fest an der Seite des Vereins“.

Wie könnte die Zukunft am Schroersdyk aussehen?

Möglich ist, dass einer der beiden Sportplätze am Schroersdyk – vermutlich der Naturrasen – in eine noch zu definierende Bewegungsfläche (Freisportanlage, Leichtathletik-Anlage etc.) umgewandelt wird, damit das Gelände in Zukunft möglichst von einer breiteren Bevölkerungsgruppe genutzt werden kann. Der Verein hat nach Angaben von Eitner ein eigenes Konzept entwickelt. Laut dem Sportamt soll Viktoria Krefeld auch in Zukunft die vertragliche zugesicherte Summe für die Unterhaltung der Anlage erhalten. „Wir brauchen das Geld auch, um Energie- und Nebenkosten bezahlen zu können. Ein Platz würde für uns generell ausreichen, damit alle Mannschaften spielen können. Umkleide und Vereinsheim genügen unseren räumlichen Ansprüchen ebenso wie die vorhandene Anzahl an Parkplätzen“, versichert Eitner.

Welche Auswirken gibt es für die Hubert-Houben-Anlage?

„Mit der klaren Ansage, dass Viktoria Krefeld am Schroersdyk bleibt, können wir jetzt einen Förderantrag für die Umbaumaßnahmen an der Hubert-Houben-Kampfbahn stellen“, sagt Sportamtsleiter Oliver Klostermann. Die Anlage von Preußen Krefeld soll für 3,5 Millionen Euro modernisiert werden. 90 Prozent der Kosten sind nach Angaben der Stadt förderfähig. Ohne die zusätzliche Nutzung von Viktoria Krefeld wird voraussichtlich nur ein neuer Kunstrasen am Appellweg entstehen. „Wie die genauen Bedarfe aussehen, werden wir in Gesprächen mit den Sportvereinen und weiteren Akteuren vor Ort entscheiden“, so Klostermann.