Schornsteinfeger: Das Monopol wird ausgekehrt

Schornsteinfeger: Das Monopol wird ausgekehrt

Schornsteinfeger machen sich ab 2013 Konkurrenz. Feuerstättenschau ist weiterhin Pflicht. Der Kampf um die Kunden von morgen ist entbrannt.

Krefeld. Auf 2600 Liegenschaften schätzt Ulrich Grüttner (55) sein Einsatzgebiet in Fischeln. Grüttner ist einer von 18 Schornsteinfegermeistern in Krefeld und Kreisgruppenvorsitzende der Innung. Neuerdings hat Grüttner nicht nur Kehrbesen und Messgeräte bei sich, sondern auch Broschüren und etwas Zeit für „zusätzliche Kundenberatung“, wie er es nennt. Denn er will seine Kunden behalten.

Dass die „schwarzen Männer“ sich mehr Zeit zum Reden nehmen, liegt an einer Richtlinie aus Brüssel. 2013 fällt das Kehrmonopol, das den Handwerkern bislang ein ruhiges, konkurrenzloses Dasein ermöglichte. Dann bekommen sie ihre Bezirke nicht mehr zugeteilt wie bisher, sondern müssen sich bewerben. Außerdem können sich Kunden einen anderen, günstigeren Kehrer für ihr Haus suchen — wenn sie das wollen.

„Wir stellen fest, dass sich eine Art Servicedenken bei den Schornsteinfegern etabliert hat“, sagt Michael Heß, Geschäftsführer von „Haus & Grund“ in Krefeld. Er verfolgt genau, wie die Handwerker um ihre künftigen Kunden buhlen: Sie erweitern ihr Angebot um allerhand Extra-Dienstleistungen, um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein.

Nicht alle Extra-Leistungen seien allerdings sinnvoll für den Kunden, gibt Heß zu bedenken. Manche Schornsteinfeger nutzten ihr derzeitiges Gebührenmonopol, um freiwillige Extras als verpflichtende Dienstleistungen anzupreisen, warnt er. Die jährlich fällige „Gashausschau“ etwa muss kein Fachmann erledigen. Dennoch führen manche Kehrer sie in ihren Briefen gemeinsam mit hoheitlichen Tätigkeiten auf.

„Das verstößt gegen das Wettbewerbsrecht“, sagt Frank Gärtner, Energieberater aus Krefeld. „Der Bezirksschornsteinfeger hat seit 2008 außerdem einen enormen Wettbewerbsvorteil, weil er durch seine hoheitlichen Rechte viel Respekt bei den Kunden genießt.“

Schornsteinfeger Grüttner weist den Vorwurf zurück: „Man kann uns nicht in den freien Markt entlassen und uns zusätzliche Werbung und Tätigkeiten verbieten.“ Er findet es fair, wenn Handwerker freiwillige Wartungsarbeiten in Rechnung stellen, um den Kunden Mühe und Papierkram abzunehmen:

„Wir müssen schließlich sehen, wo wir bleiben.“

Kritisch sieht Grüttner hingegen, dass manche Kollegen an ihre Kunden derzeit Bindungsverträge schicken: Damit willigen die Hauseigentümer ein, auch nach 2012 ihrem derzeitigen Schornsteinfeger die Treue zu halten. „Ich halte nichts von solchen Einwilligungen, denn juristisch sind sie im Zweifel nicht durchsetzbar“, sagt Grüttner.

Ohnehin bleibt fraglich, ob solche Verträge überhaupt nötig sind. Denn die meisten Kunden wollen gar keinen neuen Schornsteinkehrer.

Die Gebühren der Feger seien zu niedrig, als dass sich mehr Wettbewerb für einzelne Hauseigentümer lohnen würde, erklärt Heß. Auch bedeute ein Wechsel des Kehrers mehr Papierarbeit für den Kunden und den Bezirksinhaber, dessen Betrieb auch weiterhin für bestimmte hoheitliche Überprüfungen zuständig bleibt: Zweimal in sieben Jahren kommt der Bezirkschef und guckt in den Schornstein — das ist so vorgeschrieben, damit die freien Kehrer bei ihrer Arbeit nicht pfuschen.

„Ich habe zu den Kunden ein inniges Vertrauensverhältnis, ich kenne meine Kunden seit Jahren“, sagt Ulrich Grüttner. Nach eigenen Angaben hat er bereits Gespräche mit rund 1500 Kunden geführt. „Von denen hat nur ein einziger gesagt, dass er sich ab dem Jahr 2013 nach einer günstigeren Konkurrenz umsehen will.“

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