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Schnelleres Röntgen hilft Zootieren

Schnelleres Röntgen hilft Zootieren

Ob Zahnweh beim Flusspferd oder Beinschmerzen beim Pelikan — die Veterinärinnen im Tierpark brauchen Bilder. Mit einem mobilen Gerät geht’s nun noch fixer.

Krefeld. Nur eine Minute dauerte der erste Einsatz und schon konnte der lahmende Pelikan sich wieder mit seinen Artgenossen in seiner Anlage vergnügen. Das Röntgenbild seines rechten Beines ist das erste Foto, das die Zoo-Tierärztin Anna Grewer mit ihrem neuen Gerät gemacht hat. Erst seit zwei Wochen ist die mobile Röntgenröhre im Krefelder Tierpark in Gebrauch. Ein langgehegter Wunsch der Veterinärinnen Dr. Stefanie Markowski und Anna Grewer ist damit erfüllt.

Schnelleres Röntgen hilft Zootieren
Foto: Andreas Bischof

Immer war der Zoo auf Unterstützung von außen angewiesen, zum Beispiel beim entzündete Backenzahn des — mittlerweile verstorbenen — Zwergflusspferds Sophie, einer lahmenden Antilope mit Verdacht auf einen Bruch oder der Frage, ob Jaguar Bess womöglich ein weiteres Jungtier ungeboren in ihrem Bauch trägt. Entweder mussten Röntgengeräte aus anderen Tiergärten ausgeliehen oder die Patienten in externe Tierarztpraxen gebracht werden.

Die neue mobile Röntgenröhre (Foto oben, rechts im Bild) ist nur sieben Kilo schwer und von den Veterinärinnen Stefanie Markowski (l.) und Anna Grewer (r.) leicht im Zoo zu transportieren und vor Ort zu handhaben. Die Platten, auf die das Bild projiziert wird, kann — je nach Tier und Einsatz — an einen Stab montiert werden.
Die neue mobile Röntgenröhre (Foto oben, rechts im Bild) ist nur sieben Kilo schwer und von den Veterinärinnen Stefanie Markowski (l.) und Anna Grewer (r.) leicht im Zoo zu transportieren und vor Ort zu handhaben. Die Platten, auf die das Bild projiziert wird, kann — je nach Tier und Einsatz — an einen Stab montiert werden. Foto: Andreas Bischof

Wenn nun Huf oder Pfote drücken, weil womöglich ein Fremdkörper hineingetreten wurde, das Bauchweh plagt, weil etwas gefressen wurde, was dafür eindeutig nicht geeignet war, oder Lungenerkrankungen vorliegen könnten, kann nun schnell das neue mobile Röntgengerät in Anlage, Stall oder Voliere geholt werden. Mit ihm kann dann nicht nur eine Aufnahme auf eine der drei verschieden großen Platten gebannt werden. Die Platten lassen sich auch gleich in einer Art Riesen-Scanner innerhalb von einer Minute auslesen und das digitale Röntgenbild auf dem Laptop ansehen und auswerten.

Die neue Schnelligkeit in Sachen Röntgen und zeitnaher Diagnose hat für die Zoo-Tierärztinnen vor allem einen wichtigen Effekt. „Die Narkosen können so kurz wie möglich gehalten werden“, sagt Anna Grewer. Denn bei Tieren, die gefährlich sind oder sich bei einer Untersuchung zu sehr bewegen würden, geht es nicht ohne Narkose. Den Tieren bleiben unnötige Transporte erspart, in ihrer gewohnten Umgebung haben sie weniger Stress.

Mit dem Röntgentermin ist dann auch, wenn nötig, sofort eine Behandlung möglich — da wird dann zum Beispiel der Zahn gezogen und auch gleich noch kontrolliert, ob die ganze Wurzel mit rausgekommen ist.

Während die Schildkröte mit möglicher Legenot — also wenn die Eier im Körper feststecken — auf den Platten, auf die das Bild projiziert wird, liegen kann, können diese grauen Quadrate beispielsweise für die Aufnahme von der Wirbelsäule eines stehenden Esels auch auf einen Stab montiert werden. „Damit unsere Finger da nicht mit drauf sind“, sagt Markowski lachend, die auch vom geringen Gewicht der Röntgenröhre begeistert ist. Wo sie und ihre Kollegen bisher mit etwa 25 Kilogramm schweren Apparaten möglichst wackelfrei über liegenden Tieren fast akrobatische Leistungen vollbringen mussten, wiegt die neue Technik nur noch siebeneinhalb Kilo.

In Betrieb genommen, zeigt ein Lichtkegel an, welcher Bereich des Tierkörpers beim Auslösen des Röntgenvorgangs abgebildet würde. „Und an zwei roten Punkten kann man sehen, wie der richtige Abstand sein muss. Wenn die sich treffen, wird es das perfekte Bild“, erläutert Grewer.

Besagter Pelikan hat dieses perfekte Bild nun schon. Darauf ist eine arthritische Veränderung zu sehen. Jetzt bekommt er Schmerzmittel und Entzündungshemmer, damit es ihm wieder bessergeht.