Schnee: Weiße Weihnacht in Krefeld

Weiße Weihnacht in Krefeld : Blick zurück: Weiße Weihnacht in Krefeld

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes liegt die Chance auf Schnee an Weihnachten statistisch bei allerhöchstens zehn Prozent — das war auch mal anders.

Wir sagen es eiskalt: Die Chance, eine weiße Weihnachten in Krefeld zu erleben, ist gering. Sehr gering. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes liegt sie statistisch bei allerhöchstens zehn Prozent. Mal zum Vergleich: Auf der Zugspitze sind es 100 Prozent – auf Helgoland nur zwei. Es geht also noch schlechter.

Doch Hand aufs Herz: Wer in Krefeld will schon wirklich Schnee an den Feiertagen? Wir erinnern uns: Zum letzten Mal gab es den 2010 – und die Folgen waren entsprechend. Am Heiligen Abend lagen mehr als 20 Zentimeter, auch in den Folgetagen schneite es. Was vor allem Straßenbahn- und Busfahrer sowie Räumdienste auf eine harte Probe stellte.

Drei Stunden lag das komplette Netz des öffentlichen Nahverkehrs in Krefeld lahm. „Es wäre zu gefährlich gewesen, weiterzufahren“, berichtete damals SWK-Sprecherin Dorothee Winkmann im Gespräch mit der WZ. Und Holger Funke, Fuhrparkleiter der Stadtreinigungsgesellschaft, fasste die Feiertags-Erfahrungen seiner Kollegen wie folgt zusammen: „Weihnachten ist für sie ausgefallen.“

Feiertage im Rheinland
meist ohne weiße Pracht

So weit sollte es diesmal nun wirklich nicht kommen. Die Daten des Deutschen Wetterdienstes, Regionalbüro Essen, lassen zum Glück erkennen, dass schneefreie Feiertage im Rheinland die Regel sind. Die Statistik reicht dabei immerhin bis 1986 zurück. In Düsseldorf (aus Krefeld gibt es beim Wetterdienst keine Aufzeichnungen) gab es damals an Heiligabend drei Zentimeter Schnee, am 1. Feiertag zwei und am 2. Feiertag sechs Zentimeter. 1995 lag am zweiten Feiertag ein Zentimeter. 2000, 2001 und 2009 flockte es zumindest um Weihnachten herum ein, zwei Zentimeter. Die Feiertage selbst blieben frei von der berühmt-berüchtigten weißen Pracht.

Im Schneegestöber
der Erinnerungen

So richtig schön wird eine weiße Weihnachten vor allem im Schneegestöber der Erinnerungen. Ute Zillen aus Kliedbruch hat sich erst vor wenigen Tagen mit Sohn Fabian darüber unterhalten, wie sie gemeinsam an Heiligabend eine kleine Schneepyramide auf der Terrasse gebaut haben. Das war im schon erwähnten Jahr 2010. „In die Pyramide haben wir Löcher gemacht und Teelichter hinein gesetzt“, berichtet Ute Zillen. Vom Esstisch aus habe man das Prachtstück noch längere Zeit bewundern können: „Das war echt toll.“

Armin Denz, Ehrenvorsitzender des MGV Forstwald, kann sich sogar noch gut an ein Weihnachtsfest Anfang der 1960er Jahre erinnern. Seine Tochter Michaela war damals zwei Jahre alt. „Am Heiligabend fing es an zu schneien“, berichtet der 80-Jährige. Problem: Bei Familie Denz gab’s keinen Schlitten im Haus, denn „Schnee war nicht eingeplant“. Also rief Armin Denz am Weihnachtsmorgen bei der damaligen Firma Wartenberg am Hochbendweg im Forstwald an, deren Besitzer er kannte. Dort wurde – Feiertag hin oder her – noch ein Schlitten erworben. Und schon starteten Vater und Tochter zu einer Fahrt durch den verschneiten Wald. Eine Postkarten-Idylle.

Solche kann auch das Krefelder Stadtarchiv aus der guten alten Winter-Zeit beisteuern. Ein Foto von 1920 zeigt verschneite Bäume an der Uerdinger Straße – ganz ohne Autos. Franz Holler fotografierte 1929 locker-flockig spielende Kinder auf dem winterlichen Ostwall. Aus dem Archiv des früheren WZ-Fotografen Axel Gayk, der kürzlich gestorben ist, stammt ein Bild vom Januar 1960 mit Eishockey spielenden Jugendlichen im Stadtwald. Und aus eigenen Beständen steuert die WZ ein Bild vom verschneiten Ostwall mit prächtigem Weihnachtsbaum bei. Entstanden ist es 2010. So schön kann Winter sein. Auch in Krefeld.

Streusalz konnte im vergangenen Winter gespart werden

In der Samt- und Seidenstadt waren die kalten Jahreszeiten zuletzt aber eher frühlingshaft. Von weißer Pracht war da kaum ein Flöckchen zu sehen. Zum Beweis einige Zahlen: Bei einem Verbrauch von 4500 Tonnen lag der größte Salzeinsatz im Winterdienst, den die Gesellschaft für Stadtreinigung und Abfallwirtschaft Krefeld (GSAK) jemals verbucht hat, im Winter 2012/2013. Bei der Bilanz im vergangenen Frühling kam das Unternehmen auf lediglich 1451 Tonnen Streumittel, die verbraucht wurden. Das waren noch weniger als in der ebenfalls milden Saison 2016/2017 mit 1518 Tonnen. Von einem „entspannten Winter“ sprach damals denn auch GSAK-Chef Wilfried Gossen bei insgesamt 30 Einsatztagen. Allerdings sei eine Besonderheit die lange Kältephase gewesen. Noch Ende März 2018 waren die Winterdienstmitarbeiter unterwegs.

Krefelder, die ganz entspannt weiße Weihnachten genießen möchten, sollten am besten in die Ferne reisen. So wie Marcel Witeczek. Der ehemalige Profi der Gladbacher Borussia, der ebenfalls in Kliedbruch wohnt, hat 16 Jahre lang mit seiner Familie (Frau und zwei Kinder) das Weihnachtsfest im Skiurlaub in Österreich verbracht. „Da lag mal mehr, mal weniger Schnee“, erinnert er sich. Im vergangenen Jahr sei die weiße Pracht an den Feiertagen besonders üppig ausgefallen. Und einen Weihnachtsbaum mit Geschenken gab’s in der Ferienwohnung auch. In diesem Jahr bleibt Witeczek allerdings zuhause – jedenfalls beinahe: Gefeiert wird bei Verwandten in der Eifel. Mit etwas Glück reicht es dort ja auch für Schnee.

Und in Krefeld? Kühl gesagt: Pünktlich setzt in diesem Jahr wieder das typische Feiertags-Tauwetter ein. Heiligabend wird aller Voraussicht nach grün-grau, zeitweise regnerisch und windig. Dabei liegt die Temperatur tagsüber bei angenehmen zehn Grad. Auch am ersten und zweiten Feiertag setzt sich das milde und unbeständige Wetter fort. Schnee deutet sich lediglich für die höheren Mittelgebirge sowie die Alpen an. Denn wir wissen ja: Nur auf der Zugspitze gibt es eine Schnee-Garantie.

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