Schlappohren hoppeln in Krefeld über die Bühne

Weihnachtsmärchen: Der Sängerkrieg der Heidehasen beginnt

Die Schlappohren hoppeln am Sonntag, 4. November, in Krefeld über die Bühne. Mit der Umsetzung erfüllt sich Regisseur Bruno Winzen einen Kindheitstraum.

Im Leben eines jeden Erwachsenen gibt es ein Märchen, das ihn in seiner Kindheit fasziniert und seine Fantasie beflügelt hat: Momo, Die unendliche Geschichte, Das letzte Einhorn, Die kleine Meerjungfrau oder Timm Thaler. Für Schauspieler Bruno Winzen war es die Erzählung über den „Sängerkrieg der Heidehasen“ nach James Krüss, die er damals als Hörspiel rauf und runter hörte.

Vor allem die Stimmen von Charles Regnier und Klaus Havenstein prägten sich damals dem jungen Winzen ein. „Sie haben mich als Kind einfach fasziniert“, erinnert er sich und erzählt, wie er sich damals Lodengrün, Hoppel und den Gesangsminister anhand ihrer markanten Stimmen visuell vorstellte.

Wenn der rote Vorhang
sich lüftet, geht’s richtig los

2017 setzt er seine Idee zu dem Stück in die Realität um. Allerdings, so räumt er ein, auch wenn es lange sein Wunsch gewesen ist, gab seine Schwester, die viele Jahre als Bühnenbildnerin in Krefeld arbeitete, den Anstoß zum Ganzen. „Als sie sich selbstständig gemacht und irgendwann Hasen-Stabpuppen gebaut hat, sprang der Funke über“, sagt Winzen. Gemeinsam mit Petra Wilke (Kostüme) und Harald Stieger (Bühne) steckte er die Köpfe zusammen und erschuf die Fantasiewelt von Obereidorf, die das Krefelder Publikum am Sonntag, 4. November, zu Gesicht bekommt.

„Natürlich haben die Zuschauer, allen voran die Kinder, eine Vorstellung davon, wie alles aussehen könnte. Aber erst, wenn sich der rote Vorhang lüftet, werden sie erleben, was sich hinter dem Vorhang verbirgt. Dann geht es richtig los“, verspricht Winzen. So gibt es zwei Bösewichte, den Direktor Wackelohr und den Gesangsminister, die gegen den Helden Lodengrün, intrigieren. Denn dieser hat die aussichtsreichsten Chancen, zum besten Sänger der Heidehasen gekürt zu werden. Als ob das noch nicht genug wäre, darf der Sieger die Prinzessin heiraten. Es geht also um alles.

Damit das als Weihnachtsmärchen angedachte Stück nicht allzu ernst daher kommt, hat sich Winzen aus einigen bekannten Slapstik-Elementen bedient. „Dabei habe ich mich an den Komikern Stan Laurel und Oliver Hardy orientiert“, erklärt der Regisseur. Schließlich würden ihre Slapstick-Einlagen jeden zum Lachen bringen – vor allem Kinder –, ist er sich sicher. Es verwundert daher nicht, dass der Gesangsminister lang und hager ist, während der Direktor Wackelohr ein wenig fülliger daher kommt. Winzen war es beim Vorsprechen der Schauspieler wichtig, dass sie die physiologischen Voraussetzungen für die Rolle mitbringen, weshalb er ganz genau „auf die unterschiedlichen Typen“ geachtet hat. Schließlich sollte für das Stück alles passen.

Spannende Geschichte
mit lustigen Bösewichten

„So ein Weihnachtsmärchen ist der erste Kontakt von Kindern mit dem Theater“, erläutert Theaterpädagogin Maren Gambusch, die am Stück mitwirkt. Es präge das spätere Verhältnis der Heranwachsenden zur Kultur. „Die Kinder aus Mönchengladbach waren nach der Vorstellung hellauf begeistert und haben sich danach noch ganz rege darüber unterhalten. Diesen Effekt wünschen wir uns“, sagt sie.

Das auch das Publikum in Krefeld von den Heidehasen begeistert sein wird, sind sich die Verantwortlichen sicher. Die Geschichte habe nämlich alles, was eine gute Geschichte ausmacht: einen spannenden Handlungsbogen, lustige Böswichte, eine unerschütterliche Freundschaft sowie eine Prise Liebe – gepaart mit viel Gesang und Live-Musik.

Das Märchen ist übrigens nicht nur etwas für Kinder. „Während sich die Kinder auf lustige Figuren freuen können, gibt es für die Eltern eine Menge Wortwitz, die sich den Jüngeren noch nicht erschließen wird“, verrät Bruno Winzen. Und auch der ein oder andere kritische Ansatz in Bezug auf die Hasen-Gesellschaft dürfte durchklingen.

Groß und Klein dürfen also auf die Inszenierung von Winzens „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ im Theater Krefeld gespannt sein. Und wer weiß: Vielleicht teilen viele Kinder, so wie Winzen damals, noch viele Jahre danach die Faszination an dem Märchen.

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