Rosenmontagszug Krefeld:Alkohol und ausgefallene Kostüme sind Programm

Rosenmontagszug in Krefeld : Party und Promille am Straßenrand

Beim Rosenmontagszug durch die Innenstadt waren alkoholische Getränke und ausgefallene Kostüme Programm.

Der WZ-Preis für das originellste Kostüm – natürlich ohne Gewähr –  geht an den Unbekannten, der vor dem Seidenweberhaus als Testbild verkleidet zu „Lieschen, Lieschen“ von der Band mit dem weniger orignellen Namen „Alpenrammler“ mitgröhlt. Bei steigendem Pegel sinkt auch das Niveau, während sich der Rosenmontagszug die St.-Anton-Straße entlang Richtung Rathaus schiebt. Nicht überall, versteht sich.

Knut Michalk hat sich mit dem wasserstoffblonden Vokuhila zwar nicht für die geschmackvollste Frisur entschieden, aber sie erinnert den Krefelder eben an seine Jugend. „Haare sind heute nicht mehr ganz so viele übrig“, sagt er, lacht und lüftet die Perücke, darunter ein fast kahler Kopf. Na und? Dafür gibt’s ja Karneval. Ehefrau Gilda, ihrerseits mit lila leuchtendem Pagenschnitt, kann durch ihre übergroße und ziemlich cool verspiegelte John-Lennon-Sonnenbrille in Gold sowieso nicht allzu viel erkennen. Immerhin, nach dem Sturm lacht die Sonne. „Und die Brille kann ich auch im nächsten Urlaub tragen“, freut sie sich.

Von Biereulen und lebensgroßen Cocktails

„Früher sind wir immer mit unseren Kindern zum Rosenmontagszug gegangen“, erinnert sich Knut Michalk, „die ziehen aber inzwischen ohne uns los und haben sich schon in den letzten Tagen verausgabt.“ Zum Gucken und nicht zum Kamelle-Sammeln haben sich die Eltern dieses Jahr an den Rand der St.-Anton-Straße gestellt. „Von den Mottowagen habe ich mir etwas mehr versprochen“, sagt Knut Michalk, lenkt aber ein: „Die Cocktailgläser und Biereulen haben sich aber schon etwas einfallen lassen.“

Für Theo und Helga Hoehnen ist an den Karnevalstagen alles Lametta. Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Alkohol fließt am Friedrichsplatz tatsächlich in rauen Mengen. Auf der großen Verkehrsinsel innerhalb des Kreisverkehrs haben sich hunderte Jugendliche versammelt. Der Rosenmontagszug ist hier eher Beiwerk, Verkleidung aber trotzdem Pflicht: Trainingsanzüge in Neonfarben sind beliebt, gerne hängen sich die Träger auch protzige Gangster-Ketten um den Hals, darunter mischen sich Einhörner, Minions, durch die Menschenmenge taumelt Bernd das Brot. Ansonsten gilt das Motto: Hauptsache plüschig und schön kuschelig warm. Tierkostüme kommen halt einfach nie aus der Mode. Giraffen, Marienkäfer, Wildschweine und Pandas tummeln sich massenhaft am Straßenrand. Aber Vorsicht – was darunter steckt, ist nicht immer süß!

Rosenmontag mit ordentlich Lametta

Ein paar hundert Meter weiter hat sich vor der Pizzeria La Rotonda auf der Friedrichstraße eine kleine Privatparty entwickelt. Zu Pizza und Dosenbier dröhnt hier leicht übersteuert „YMCA“ aus der Box. Village People sind allerdings weit und breit nicht zu sehen. Aber was glitzert denn da in der Ferne? An Rosenmontag ist offenbar alles Lametta – jedenfalls auf Helga und Theo Hoehnens Häuptern. Sieht chic aus, was sie mit ihrem auffälligen Outfit darstellen wollen, wissen sie aber selbst nicht so genau.

Dreimal Minion, einmal Luigi (v.l.): Tina, Lina und Lars Kraus und Marcel Thomas. Foto: Jochmann, Dirk (dj)

„Eine Erinnerung an die goldenen Jahre“, startet Theo Hoehnen, selbst in Silber und damit passend zum Bart, einen Erklärungsversuch. „Goldene Hochzeit haben wir schon gefeiert, nächstes Jahr werden wir beide 80. Wenn man so alt ist, hat man halt Lametta auf dem Kopf.“

Tina Kraus und Tochter Lina sind zwar in Wirklichkeit echte Prinzessinnen, für den Rosenmontagszug musste dann aber doch das gelbe Minions-Kostüm herhalten, „das ist einfach wärmer“. Passt auch viel besser zu dem von Papa Marcel, nur für Sohn Lars gab’s keins mehr in der passenden Größe. Er geht dafür als Zwillingsbruder von Nintendos Super-Mario – gestatten: Luigi.

Michael (l.) und Nils Kühne sind als Clowns extra aus Nürnberg nach Krefeld angereist. Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Wer zum Rosenmontagszug extra aus Nürnberg nach Krefeld reist, der muss Karneval schon sehr lieben. Und Krefeld auch. Für Michael Kühne und seinen Sohn Nils, beide im Clownskostüm, ist das seit Jahren Tradition. „Wir feiern im ganzen Rheinland und fahren später auch noch nach Köln“, erzählt Michael Kühne. Der gebürtige Krefelder hält nichts vom bayerischen Fasching. „Das ist wie eine Theateraufführung, da feiern die Zuschauer gar nicht richtig mit.“ Worüber er sich besonders am Krefelder Straßenkarneval freut: „Der ist richtig multikulti geworden, hier feiern inzwischen auch die Geflüchteten verkleidet mit – das ist toll!“

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