„Rheinblick-Entschluss muss fallen“

„Rheinblick-Entschluss muss fallen“

Im Sommer soll feststehen, ob das Prestige-Bauprojekt in Uerdingen kommt — oder nicht. Für Bezirksvorsteher Jürgen Hengst ist es das wichtigste Thema.

Krefeld. Fällt in diesem Jahr endlich eine endgültige Entscheidung zum Prestige-Projekt Rheinblick? Wann geht’s los mit der Umsetzung des Integrierten Handlungskonzepts in Uerdingen? Und wie entwickelt sich der Hafen in Gellep-Stratum? 2018 wird ein ereignisreiches, ein spannendes und ein wegweisendes Jahr für beide Stadtteile. Die WZ hat mit Bezirksvorsteher Jürgen Hengst über die Herausforderungen gesprochen.

Foto: D. Jochmann

Herr Hengst, vor zwei Jahren haben Sie im Gespräch mit der WZ gesagt, dass Sie, sollte Rheinblick scheitern, einen Rücktritt als Bezirksvorsteher erwägen müssten. Wie stehen Sie heute dazu?

Jürgen Hengst: Wenn es für Rheinblick eine Lösung gäbe, die dann nicht umgesetzt würde, dann könnte ich als Bezirksvorsteher nicht weitermachen. Dass es 2016 nicht den erwarteten Satzungsbeschluss gab, ist für mich kein Rücktrittsgrund. Rheinblick steht auf Platz eins der Liste der Bauprojekte in Krefeld — Verwaltung und politische Gremien arbeiten mit höchster Priorität an der Klärung noch offener Fragen.

Dabei geht es um das Thema Hochwasserschutz, vor allem aber um eine Einigung mit dem Chemiepark. Dessen Chef Lars Friedrich hat seine Bedenken in der WZ zuletzt sehr deutlich gemacht. Wie sind Ihre Prognosen: Kommt Rheinblick 2018?

Hengst: Für den Chemiepark ist wichtig, dass das Rheinblick-Areal als Misch- und nicht als Wohngebiet festgesetzt wird und bleibt, denn da gelten andere Lärmschutzwerte. Jetzt geht es darum, das juristisch sauber zu regeln. Das Thema Hochwasserschutz liegt bei der Bezirksregierung und ist nur noch eine Frage der Abwicklung. Beides sollte bis zum Sommer entscheidungsreif sein. Es muss in diesem Jahr eine Entscheidung geben, ob Rheinblick kommen kann. Die Verwaltung arbeitet sich seit 30 Jahren an dem Thema ab. Ohne gesunden Optimismus hätten sie die Lust daran längst verloren. Dass Herr Remmert als einer der beiden großen Investoren das Howinol-Gelände gekauft hat, zeigt, dass er die Chance sieht, das Projekt auch zu verwirklichen. Rheinblick hat Strahlkraft für die gesamte Umgebung. Und ein Silberstreif am Horizont ist sichtbar.

Was wird für Gellep-Stratum in diesem Jahr wichtig?

Hengst: Für den Stadtteil ist die gesamte Hafenentwicklung bedeutend und wie sich diese in Einklang mit den Empfindlichkeiten der Bürger bringen lässt. Die Ansiedlung von Good Mills ist psychologisch von großer Bedeutung, weil Krefeld wieder Mehlstandort wird und eben nicht nur Logistiker kommen, sondern der Hafen in Gellep auch Produktionsstandort ist. Der Hafen entwickelt sich besser, als wir es je gedacht hätten. Es gibt mit Blick auf ganz NRW nur wenige Standorte, an denen Straße, Schiene und Wasser so nah beieinander liegen. Aber: Der zunehmende Lkw-Verkehr ist auch eine Belastung für die Anwohner.

Ärger gab’s in der Vergangenheit auch wegen der Hinterlassenschaften der Lkw-Fahrer, etwa am Castellweg.

Hengst: Der Hafen ist deshalb bemüht, mit allen größeren Firmen Regelungen zu treffen, dass Lkw-Fahrer auch nachts aufs Firmenengelände können, um dort etwa die Sanitäranlagen zu nutzen. Man ist außerdem auf der Suche nach einer zentralen Anlaufstelle im Hafengebiet für die Lkw-Fahrer. Zwei bis drei Grundstücke kommen dafür infrage und müssen geprüft werden, in diesem Jahr wird das aber wohl noch nicht entschieden.

Was wird aus der Nordanbindung des Hafens und damit aus den Kleingärtnern an der Mündelheimer Straße?

Hengst: Der Bebauungsplan 777 über die Mündelheimer Straße hat entscheidende Bedeutung für die Hafenanbindung. Er soll Ende des Jahres zur Offenlage kommen. Mit den betroffenen Kleingärtnern sind wir in Gesprächen. Sie möchten möglichst zusammenbleiben, für eine Verteilung auf mehrere Kleingärten gibt es verschiedene Alternativen. Eine Gesamtverlegung aller 36 Parzellen funktioniert möglicherweise nur an einer Stelle, das wäre die Grünfläche zwischen der B 288 und der Virneburgerstraße. Die Verwaltung untersucht hier derzeit Lärm- und Luftbelastung.

Wie geht es mit dem Integrierten Handlungskonzept für Uerdingen voran?

Hengst: Zeitlich verschiebt sich alles nach hinten, weil die Bundesregierung noch nicht gebildet ist. Deshalb können die Zuschüsse beim Land noch nicht im Frühsommer bewilligt werden, das hat mich auch überrascht. Der Rat hat das Integrierte Handlungskonzept bereits im Dezember verabschiedet, die Bezirksregierung muss es noch akzeptieren, denn nur auf Basis eines genehmigten Konzeptes können auch Zuschüsse beantragt werden. Unabhängig davon arbeitet die Verwaltung mit Hochdruck daran, die Fassade des Uerdinger Rathauses Instand zu setzen — wenn nicht aus Mitteln des Handlungskonzeptes, dann versucht die Stadt Denkmalzuschüsse zu bekommen. Der städtische Haushalt sieht für 2018 rund zwei Millionen Euro für Maßnahmen im Rahmen des Integrierten Handlungskonzepts vor.

Wenn es dann losgeht — was werden die Uerdinger als Erstes sehen können?

Hengst: Die Umgestaltung der Kronenstraße zur verkehrsberuhigten Straße und die Modernisierung des Kinderspielplatzes an der Rheinpromenade stehen an. Das ist ein weiterer Schritt dahin, dass Uerdingen näher an den Rhein rückt. Das untere Werftgelände soll dauerhaft umgestaltet werden, das steht in den nächsten zwei bis drei Jahren an. Zuerst müssen die Liegenschaften geklärt werden. Das Werftgelände soll künftig regelmäßig für Veranstaltungen, auch für Fußgänger und Radfahrer nutzbar sein. Derzeit ist das Betreten ja offiziell verboten — auch wenn sich kaum einer daran hält.

Dafür braucht es ein Sicherheitskonzept.

Hengst: Man muss eine Möglichkeit finden, die als Absperrung zum Rhein sinnvoll ist — das untere Werft ist ja Überflutungsgebiet, die Absperrung muss also abgebaut werden können. Nach meinem Empfinden sind das aber keine Betonklötze von der Autobahn — da gibt es mittelfristig sicher effektivere und schönere Möglichkeiten. Aber auch das ist alles abhängig vom Bau des Rheinblicks.

Was wird aus dem Bauprojekt Franziskaner-Ensemble auf dem Gelände der ehemaligen Schotte-Druckerei?

Hengst: Die Baufirma ist insolvent, der Verwalter muss jetzt schauen, welche Firma das Projekt zu Ende bringt — das ist zumindest mein aktueller Kenntnisstand. Für viele Uerdinger ist das Bauprojekt am Lübecker Weg interessant. Der zugehörige B-Plan 736 wird am 15. März in der Schule am Lübecker Weg öffentlich vorgestellt.

Wann kann man im Uerdinger Stadtkern besser parken?

Hengst: Dass es im Zentrum enormen Parkbedarf gibt, ist kein Geheimnis. Der Platz Am Röttgen käme für die Planung einer Tiefgarage in Betracht — wenn man die Fläche oberhalb wirtschaftlich durch Wohnraum nutzt. Die Lage ist zentral mit direkter Anbindung an Bus und Straßenbahn, der Bahnhof ist in der Nähe. Das muss geprüft werden, aber in einem Zeitraum von wenigen Jahren könnte ich mir das durchaus vorstellen. Zudem wäre es eine Möglichkeit, die Debatte um den Standort des Wochenmarktes endlich zu lösen (viele Uerdinger wünschen sich seit Jahren, dass der Wochenmarkt vom Röttgen zurück auf den Historischen Marktplatz zieht, Anm. Red.).

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