Rentnermord in Krefeld: Mutmaßlicher Drahtzieher schweigt vor Gericht

Prozess: Rentnermord in Krefeld: Mutmaßlicher Drahtzieher schweigt vor Gericht

Räuber überfallen einen behinderten Rentner in dessen Wohnung, fesseln ihn und umwickeln seinen Kopf mit Klebeband. Ein mutmaßlicher Drahtzieher sagt zu Prozessbeginn kein Wort zu den Vorwürfen, ein möglicher Mittäter schon.

Zwei Jahre nach dem qualvollen Tod eines Rentners in Krefeld steht einer der mutmaßlichen Drahtzieher des Verbrechens vor Gericht. Der Prozess gegen den 54-Jährigen begann am Donnerstag am Krefelder Landgericht. Er war im Sommer in Solingen von Zielfahndern aufgespürt worden.

Ursprünglich war die Tat als Raubmord eingestuft worden, angeklagt ist der 54-Jährige aber nur noch wegen Raubes mit Todesfolge. Seine mutmaßlichen Komplizen waren bereits im Januar vom Krefelder Landgericht zu Haftstrafen von bis zu 14 Jahren verurteilt worden. Der Angeklagte ist nach Justizangaben Pole, er selbst bezeichnete seine Staatsangehörigkeit als ungeklärt.

Räuber hatten im Oktober 2016 einen 79 Jahre alten und gehbehinderten Rentner überfallen, gefesselt und geknebelt, um aus seiner Wohnung Antiquitäten zu stehlen. Dazu umwickelten sie seinen Kopf mit Klebeband - sogenanntem Panzertape. Die Luftlöcher im Bereich der Nase waren zu klein - der Mann erstickte.

Die Gruppe hatte bei dem Opfer Antiquitäten im Wert von mindestens 100 000 Euro vermutet, dabei hatte der Krefelder mit seiner mageren Rente nicht einmal die Stromrechnung zahlen können. Drei Monate nach der Tat nahm die Polizei zehn Verdächtige fest.

Die Gruppe soll sich darauf spezialisiert haben, ältere Menschen im Rheinland und im Ruhrgebiet zu bestehlen. Eine DNA-Spur an dem Panzerklebeband hatte die Ermittler auf die richtige Spur gebracht.

Der 54-Jährige schwieg beim Prozessauftakt am Donnerstag zu den Vorwürfen, wurde aber von einem bereits zu zehn Jahren Haft verurteilten mutmaßlichen Mittäter belastet: Er sei für den Überfall vom Angeklagten angeworben worden.

Dieser habe ihm dafür 25 000 Euro versprochen. Bei der Tat selbst habe der 54-Jährige dann vor dem Haus gewartet und den Fluchtwagen gefahren. Für den Prozess sind bis zum 19. Dezember noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt.

(dpa)
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