Rentnerin wegen Raubes auf Blumenladen verurteilt

Rentnerin wegen Raubes auf Blumenladen verurteilt

68-Jährige erhält für Überfall ein Jahr auf Bewährung.

Krefeld. Weil sie vor fünf Monaten einen Blumenladen in Krefeld überfallen hatte, verurteilte das Krefelder Amtsgericht eine 68-jährige Rentnerin jetzt wegen räuberischer Erpressung zu einer einjährigen Bewährungsstrafe.

Zuvor hatte sich die ehemalige Angestellte voll geständig gezeigt. Sie gab an, völlig verzweifelt gewesen zu sein. Unter anderem hätte eine Waschmaschinenreparatur für 400 Euro dazu geführt, dass sie bereits Mitte des Monats kein Geld mehr auf dem Konto hatte. Zwar habe sie kurz vor der Tat bei ihrer Bank darum gebeten, ihr Konto noch weiter überziehen zu dürfen, dass sei jedoch abgelehnt worden. Ihr Mann, ebenfalls Rentner, habe davon nichts gewusst.

„Ich konnte nicht schlafen, wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Dann ist es einfach passiert“, sagte die zierliche Frau, die noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten war.

Bevor sie am Morgen des 11. Juli das Blumengeschäft betrat, setzte sie sich eine Sonnenbrille auf und zog sich ihr Halstuch vor das Gesicht. Sie trug einen Mantel, in dessen Tasche sich eine Zange befand. Die habe sie vorher nicht bemerkt. Den Mantel habe sie eigentlich nur für den Fall schlechten Wetters bei sich gehabt. Als sie derart vermummt das Geschäft betrat, bedrohte sie die 43-jährige Inhaberin mit den Worten: „Geld her oder ich schieße!“ Es waren nur 15 Euro Wechselgeld in der Kasse, doch das ließ sie sich aushändigen und floh.

Das Opfer, das jetzt als Zeugin aussagte, erkannte trotz ihrer eigenen Angst und der Maskierung der Täterin ihre ehemalige Kundin. So standen schon 30 Minuten später zwei Polizeibeamte vor der Tür der Rentnerin.

Schon vor der Verhandlung hatte sich die Angeklagte schriftlich gegenüber ihrem Opfer erklärt und wiederholte ihre Entschuldigung auch vor Gericht. Doch die 43-Jährige sagte, dass sie mehr Zeit bräuchte: „Ich war davon ausgegangen, dass die Frau tatsächlich bewaffnet war.“ Die Inhaberin gab außerdem an, dass sie jetzt noch unter Panikattacken leiden würde. Wegen rückläufiger Einnahmen wird sie ihren Blumenladen am Ende des Jahres nach 18 Jahren schließen.

„Mir tut das alles unendlich leid“, so die Rentnerin. Sie habe zwar keinerlei Mittel um die Blumenhändlerin zu entschädigen, wolle aber jetzt versuchen, ihre Sterbegeldversicherung um 1000 Euro beleihen.

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