Ravens: Der Sommer gehört den Footballern

Football : Der Sommer gehört dem Football

Die Krefeld Ravens starten in ihre Saison und versorgen die Stadt ab Sonntag mit höchst unterhaltsamem Sport, während die bekannten Krefelder Teams in den nächsten Monaten pausieren. Ein Spieltag im Kaiser-Wilhem-Park beginnt in der Regel mehrere Stunden vor dem Anpfiff.

Noch vor zwei Jahren hätte in diesen Tagen eine langweilige Zeit in Krefeld begonnen. Der KFC wäre nach seinem Saisonfinale in die Sommerpause gegangen, ebenso die HSG, und mit den Pinguinen hätte man sich vor allem theoretisch, also mit Blick auf die Transfers, beschäftigt. Dass Freunde intensiver Sportarten und gepflegter Unterhaltung drumherum nun aber zwischen Mai und September regelmäßig Termine im Kalender stehen haben, verdanken sie den Krefeld Ravens. Die Footballer starten am Sonntag in die Saison – und das gleich mit einem ganzen Tag voller Programm. Ab 11 Uhr spielt die Nachwuchsmannschaft im Kaiser-Wilhelm-Park, ab 15 Uhr die Senioren, die den zweiten Aufstieg in Folge anpeilen. Und zwischendurch gibt es noch Unterhaltung nach US-Vorbild.

Die Krefeld Ravens setzen eine ebenso lange wie wechselhafte Geschichte des Football in Krefeld fort. Schon in den Achtzigern gab es hier Mannschaften, die den Sport mit dem Ei praktizierten, drei Mal folgte auf das Aus für ein Team nach einiger Zeit ein neuer Versuch. Dass es bei den Ravens anders laufen könnte, lässt sich mit zwei Zahlen zeigen: 6 und 1000. Die erste Zahl beschriebt die aktuelle Spielklasse, die zweite die Zahl der für Sonntag erwarteten Zuschauer. Einen solchen Wert meldeten die Krefelder auch schon, als sie im vergangenen Jahr in der niedrigsten aller Ligen antraten.

Mit der Begegnung der U19 gegen Kleve beginnt auch die Vor-Spiel-Party für das Duell der Ravens gegen die Cologne Falcons. An der Westparkstraße soll es dann unter anderem Essen am Foodtruck geben, Musik vom DJ, Auftritte der Cheerleader und Besuch des jüngsten Mitglieds des Teams. Maskottchen Rick Raven ist am vergangenen Wochenende getauft worden. Der schwarze Rabe mit dem grauen Schnabel und dem gelben Trikot hatte nach seiner Premiere am Stadtwaldhaus gleich die ersten Termine, etwa auf der Rennbahn oder beim Bockumer Maifest. Weitere Gastspiele sind ebenso geplant wie Zusammentreffen mit den Maskottchen der anderen Krefelder Mannschaften. „Das Thema Maskottchen ist eine Herzensangelegenheit und ein Riesenthema für uns. Wir haben es den Fans versprochen und es ist super, dass wir es jetzt auch umsetzen konnten“, erläutert Samet Yilmaz von der Orga-Leitung der Ravens.

Ein Maskottchen bedeutet ein weiteren Schritt der Professionalisierung für die Ravens. Sie boten schon im ersten Jahr vieles, das man nicht mit einem Siebt- oder Sechstligisten verbindet und das ihnen Namen in der Aufstellung bescherte, die auch bei höherklassigen Klubs passen, rennen, fangen oder kicken könnten. Beim Training werden die Sportler mit Getränken und Obst versorgt, es steht ein Dutzend Trainer für alle wesentlichen Mannschaftsteile und besonderen Spielsituationen bereit. Ein Physiotherapeut begleitet die Einheiten, die Krefelder kooperieren zudem mit Ärzten und einem Krankenhaus, um ihre Akteure medizinisch gut zu versorgen.

Anders hätte die Menschen hinter der Idee eines neuen Football-Teams kaum eine Chance gehabt, sich in der Region zu behaupten. Es gibt im Umkreis jede Menge Mannschaften – aber eben nicht so viele, die mit kompletten Reihen trainieren statt mit Mühe und allen Anwesenden auf einmal. Das Konzept war schon zu Beginn so bekannt (und offensichtlich attraktiv), dass beim ersten Training mehr als 130 Menschen auf dem Platz standen, die Spieler im Team werden wollten. Und damit wussten die erwähnten Menschen hinter der Idee (die Brüder Dino und Aldo Volpe sowie Christoph Wittfeld, der auch für die europäische Version der amerikanischen Profiliga gearbeitet hat), dass ihr Ideal aufgeht: Sie kaufen sich nicht in ein höherklassiges Team ein, sondern bauen in Ruhe und von Grund auf eine Krefelder Football-Mannschaft auf.

Die Spieler und die Verantwortlichen wollen unterhalten, aber auch in der Stadt wirken. Das fängt beim Training an. Football sei eine gute Sportart für Jugendliche, ihre reichlich vorhandene Energie positiv einzusetzen, erläutert Vorstandsmitglied Christoph Wittfeld. Und es sei eine Sportart, die auch Jugendlichen Möglichkeiten bieten, die wegen ihrer Kraft kein Gardemaß besitzen. So ergäben sich viele schöne Momente, wenn interessierte Jugendliche zu den ersten Übungseinheiten bei den Ravens kommen.

Das soziale Engagement des Teams geht noch weiter: Unter dem Motto „Unser neuer Freund Kian“ machten die Footballer auf das Schicksal des 13-jährigen Kian aufmerksam zu machen. „Iron Kian“ wie er von den Ravens genannt wird, hat kein Schmerzempfinden, seine Nerven sterben ab. Er ist an Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erkrankt. Sein bekanntester Leidensgenosse ist der verstorbene Physiker Stephen Hawking. „Wir schaffen wirklich eine Menge. Aber zusammen kann man noch viel mehr schaffen! Wir brauchen wirklich jede Unterstützung“, schreibt Kians Mutter auf der Internetseite „Kian‘s Geschichte – oder warum wir Eure Hilfe brauchen!“, auf der sie über die Erkrankung ihres Sohnes aufklärt. Die Ravens hat die Geschichte des 13-Jährigen gepackt. Kurz vor Weihnachten besuchen die Footballer Kian und seine Familie. Ein emotionaler Moment für beide Seiten. „Wenn große Jungs ganz weich werden, können wir sagen, dass das neben der gewonnenen Meisterschaft der ‚Magic Moment 2019‘ für die Ravens war.“ Zwischen Kian und den Ravens entwickelt sich eine ganz enge Verbindung. Der 13-jährige Krefelder, der ein Gymnasium besucht, wünscht sich nach eigenen Angaben nichts sehnlicher als Superkräfte zu besitzen wie die Filmfigur „Ironman“, um sich gegen Anfeindungen und Mobbing wehren zu können. Die Ravens können ihm diesen Wunsch zwar nicht ganz erfüllen, sagen aber: „Du, lieber Kian, hast ab jetzt über 80 neue Freunde und brauchst dich nicht mehr vor Mobbing und Ausgrenzung zu fürchten. Wir sind an deiner Seite. Versprochen.“

Um Kian und seiner Familie das Leben mit der Krankheit ein Stück weit zu erleichtern, haben sich die Ravens auf die Fahne geschrieben, den 13-Jährigen so gut es geht zu unterstützen. So gehen die gesamten Überschüsse, die zum Saisonstart an diesem Wochenende eingenommen werde, komplett an Kian und seine Familie. „Des Weiteren werden Kian und seine Familie zu jedem unserer Spieltage natürlich unsere Ehrengäste sein. Dabei wird unser kleiner Held ‚mittendrin statt nur dabei‘ sein“, heißt es von Vereinsseite. So wird der Junge, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, ab dieser Saison gemeinsam mit dem Team im nächsten Jahr als Fahnenträger bei Heimspielen der Ravens auf den Rasenplatz kommen und sich mit der Mannschaft gemeinsam in der Kabine auf die Spiele einstimmen. „Kian ist ein wirklich besonderer junger Mann mit einer liebevollen Familie um sich, die es verdient hat, so gut es geht glücklich zu sein. Genau das machen wir uns zur Aufgabe“, sagen die Vertreter der Sportart, der der Sommer in Krefeld gehört.

Nach dem Auftakt am Sonntag gegen Köln geht es so für die Ravens weiter:

12. Mai Kreis Heinsberg Bisons - Krefeld Ravens (16 Uhr)

25. Mai Krefeld Ravens - Wesseling Blackvenom (15 Uhr)

2. Juni Troisdorf Jets II - Krefeld Ravens (15 Uhr)

15. Juni Krefeld Ravens - Cologne Ronin (15 Uhr)

29. Juni Krefeld Ravens - Kreis Heinsberg Bisons (15 Uhr)

14. Juli Cologne Falcons II - Krefeld Ravens (15 Uhr)

25. August Wesseling Blackvenom - Krefeld Ravens (15 Uhr)

14. September Krefeld Ravens - Troisdorf Jets II (15 Uhr)

29. September Cologne Ronin - Krefeld Ravens (16 Uhr)

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