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Rauchverbot killt Kneipen

Rauchverbot killt Kneipen

Der Dehoga-Vorsitzende sieht gleich mehrere Branchen in Gefahr. Krefelder Wirte planen eine Demo am 7. September.

Krefeld. Im kommenden Herbst und Winter werde sich das Kneipensterben in Krefeld beschleunigen. Das befürchten Walter Sosul, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) und Gastwirt Klaus-Jürgen Wiewrodt („Dachsbau“) in einem Gespräch mit der WZ. Eine wesentliche Ursache dafür sei die Verschärfung der Anti-Raucher-Gesetze durch den Landtag im Mai. Dagegen ruft die Raucher-Lobby für den 7. September zu einer Demonstration auf.

Nach Sosuls Schätzung haben seit Mai rund 50 Gaststätten einschließlich Kiosken und Trinkhallen in Krefeld aufgegeben. Die Stadt wollte diese Schätzung nicht bestätigen. Wie das Presseamt auf Anfrage der WZ mitteilt, werden solche Daten dort nicht geführt.

Sosul, Chef des Mercure-Hotels in Traar, fürchtet eine weitere Spaltung der Gesellschaft in Raucher und Nichtraucher. „Mit den früheren Regelungen hat es doch ein friedliches Nebeneinander in den Kneipen gegeben. Viele Gastronomen haben viel Geld investiert, um das zu gewährleisten. Mit dem neuen Gesetz haben sie das zum Fenster rausgeworfen.“ Die Gesellschaft sei generell überreglementiert, beklagt Sosul.

Sosul macht auch auf die wirtschaftlichen Folgen aufmerksam. „Die 36 000 Gastronomie-Betriebe in NRW beschäftigen rund 330 000 Menschen und setzten 2012 insgesamt zwölf Milliarden Euro um.“ Dazu kämen die Beschäftigten in der Infrastruktur, die für die Gastronomie arbeiten. „Getränkeverleger, Firmen, die sich auf die Wartung der Zapfanlagen spezialisiert haben, die Märkte, in denen die Gastronomen ihren Bedarf einkaufen.“

Wiewrodt lächelt unter seinem Vollbart, als er daran erinnert, dass früher auch Soleier oder Frikadellen unter Glas auf dem Tresen standen. „Geht heute nicht mehr. Das muss alles steril im Kühlregal lagern.“ Der Chef vom „Dachsbau“ verweist auf die gesunkenen Umsätze der großen Brauereien. „Bitburger minus 7,4 Prozent, Krombacher minus vier, Warsteiner minus acht, Radeberger minus sieben Prozent.“ Auch die Brauereien in Bayern arbeiteten mit Verlusten. Franziskaner etwa machte ein Minus von fast acht Prozent.

Beide Gastronomen unterstützen den Aufruf zur zweiten Protest-Demo am 7. September, die um 14.30 Uhr am Hauptbahnhof startet. Über Neusser-, Hoch- und Breite Straße geht es bis zum Rathaus. Dort soll unter anderen der „Neusser Vulkan“, Oberbürgermeister Herbert Napp (CDU), sprechen. Mitorganisatorin Christiane Schwirtz-Lindner (Paulus-Klause) will ihn einladen. Sie rechnet damit, dass auch viele Schützen- und Karnevalsvereine mobil machen.