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rägt die Stadt Krefeld eine Mitschuld an feuchten Kellern?

Grundwasser : Trägt die Stadt eine Mitschuld an feuchten Kellern?

Im Nordbezirk haben Bürger Probleme mit steigendem Grundwasser – und beklagen sich nun über alte Baugenehmigungen.

Dieser Ärger im Nordbezirk hat das Potenzial, zur ewigen Geschichte zu werden. Das Problem ist steigendes Grundwasser, das sich in womöglich mehrere hundert Häuser drückt. Seit Anfang April wird dies massiv. Bis dahin hat die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) nämlich Grundwasser-Pumpen am Rislerdyk betrieben. Mit den Geräten schützte das Unternehmen seit vielen Jahren 47 eigene Häuser – und nebenbei auch den Rest der Nachbarschaft. Inzwischen hat die LEG ihre Immobilien abgedichtet und die Pumpen abgestellt. Also wird kein Grundwasser mehr in die Niepkuhlen abgeleitet und die ersten Keller anderer Häsuer werden feucht.

Doch eine Lösung, etwa mit einem neuen Pumpensystem, gibt es bislang nicht. Die Anwohner hätten es gerne, dass die Stadt allein sich darum kümmert. Die ist zwar bereit, über den Kommunalbetrieb an einer technischen Lösung mitzuarbeiten. Doch sie will diese nicht dauerhaft mit Steuergeld aller Krefelder bezahlen.

Vorwurf: Warum wurden
die Häuser so genehmigt?

Nun haben einige Bürger aus dem Wohngebiet einen neuen Ansatz gefunden, der die Stadt in die Verantwortung bringen soll. Einige Anwohner hätten sich an ihn gewandt, damit er als Mittler hilft, sagt der Anwalt Michael Heß, der Geschäftsführer der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus und Grund ist. Er hat sich mit den Baugenehmigungen für Häuser im Nordbezirk befasst. Diese seien in den 1970’er Jahren ohne Vorgaben zum Schutz vor Grundwasser ausgestellt worden, sagt Heß. Dabei sei das mögliche Problem schon damals bekannt gewesen. „Der Vorwurf, den ich an die Stadt sehe, ist: Warum wurden die Häuser so genehmigt?“, will Heß wissen. Zudem berichtet er von einem Rechtsgutachten, das betroffene Eigentümer ihm vorgelegt hätten. Demnach habe die Stadt in den 1970-er Jahren bei Häusern bestätigt, dass Kellerwände aus wasserdichtem Sperrbeton errichtet worden seien. Das habe der Bauträger aber nicht gemacht und die Stadt habe das gewusst.

Trägt die Stadt also eine Mitschuld am heutigen Ärger? „Juristisch kriegt man die Stadt nicht in Verantwortung“, sagt Heß. Mögliche Ansprüche sind verjährt. Dennoch glaubt Heß: Zumindest moralisch könne man eine Verantwortung sehen.

Nächste Woche stehe ein Termin mit Vertretern der Stadt an

CDU-Ratsherr Walter Fasbender gehört zu jenen, die mit Heß in Kontakt traten. Fasbender ist Sprachrohr der Interessengemeinschaft „Trockene Keller im Nordbezirk“, die die Anwohner vertritt. Und er kennt ebenso das Rechtsgutachten. Eine juristische Handhabe sieht auch Fasbender nicht. Trotzdem sagt auch er: „Eine gewisse Verantwortung hat die Stadt schon.“

Dort möchte man sich nicht zum Thema äußern. Das Rechtsgutachten zu den Baugenehmigungen liege nicht vor, sagt Helmut Döpcke, Chef des Kommunalbetriebs der Stadt. Wenn man dies erhalte, befasse man sich auch damit.

Also ist kein Ende des Ärgers in Sicht? Fasbender macht ein wenig Hoffnung. Nächste Woche stehe ein Termin mit Vertretern der Stadt an. Dort solle eine Lösung präsentiert werden, sei ihm signalisiert worden. Das ist wohl auch dringend nötig. Noch hält sich der Grundwasseranstieg in Grenzen. Das kann sich im regnerischen Herbst ändern.

Die technische Lösung, die womöglich kommt, basiert auf Daten, die die Stadt in den vergangenen Wochen erhoben hat. Die Hauseigentümer sollten ihre Gebäude vermessen lassen, um zu klären, wer wie stark betroffen ist. Was tatsächlich als Lösung rauskommt, ist noch ungewiss. Zumindest bestätigt die Stadt den avisierten Termin in der kommenden Woche.