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Puppentheater begeistert mit tiefsinnigem Inhalt

Puppentheater begeistert mit tiefsinnigem Inhalt

„Die Salzprinzessin“ hat am Samstag im Blauen Haus Premiere gefeiert. Obwohl es für Kinder gedacht ist, ist es recht politisch.

Hüls. Salz ist wertvoller als Gold. Eine eher ungewöhnliche Lehre, die sich aus der Inszenierung des Stückes „Die Salzprinzessin“ ziehen lässt, das am Samstag im „Blauen Haus“ seine Premiere gefeiert hat. Das Theaterensemble um Darstellerin Stella Jabben und ihren Mann Volker Schrills beweist, dass sich auch in eine vorrangig an Kinder gerichtete Aufführung durchaus tiefgründige und in Teilen sogar politische Botschaften einbetten lassen, ohne das der Spaß auf dem Wege verloren geht.

Seit acht Jahren treten Jabben und Schrills im Blauen Haus auf. Sie führen dort Stücke jeder Art für alle Altersklassen auf. Im Rahmen ihres Auftritts stellt Stella Jabben nicht nur die drei Prinzessinnen, den König und weitere Charaktere dar, sondern koordiniert zur gleichen Zeit die Stellung der Requisiten, agiert als Erzählerin und wechselt gekonnt zwischen verschiedenen Tonlagen. Darin ergründe sich auch ihre Leidenschaft für das Puppentheater, erklärt sie. „Beim Puppenspiel kann ich zeitgleich ein Tier oder einen Menschen darstellen und dabei auch noch die Bühne selbst sein. Alles läuft in einer Person zusammen. Es ist fast wie Malerei“, schwärmt Jabben.

Gemeinsam mit ihrer langjährigen Bekannten Kristiane Balsevicius, die in Berlin eine eigene Bühne unterhält, hat sie im Sommer 2017 begonnen, ihre Interpretation des ursprünglich aus der Slowakei stammenden Märchens auf die Bühne des Puppentheaters in Hüls zu bringen. Balsevicius, die sich als „Geburtshelferin“ des Stücks bezeichnet, betont ebenfalls die Vielschichtigkeit des Puppenspiels. „Es ist eine sehr visuelle und umfassende Kunst. Man kann auf so vielen Ebenen arbeiten“, sagt sie. Im Zentrum stehen ein alternder König und seine drei Töchter. Nachdem der König seine Nachfolge besiegeln will und ein Bekenntnis seiner Töchter über ihre Liebe zu ihm einfordert, vergleicht die jüngste Prinzessin diese mit Salz, woraufhin sie zu ihrem Unverständnis vom Hof verjagt wird.

Daraufhin verschwinden auf mysteriöse Weise alle Salzvorräte des Königshofes, wodurch die Bevölkerung und der König an Hunger und Krankheiten leiden, ehe die jüngste Tochter nach langer Zeit mit Salz zurückkehrt und die Bevölkerung rettet. Letztendlich erkennt der König den Wert des Salzes und bereut die Verbannung seiner jüngsten Tochter. Die beiden älteren Prinzessinnen, die ihm stetig nach dem Mund geredet haben, hatten ihn nach seiner Erkrankung verlassen.

„Das Stück beschreibt, was im Leben wirklich wichtig ist“, erklärt Jabben. So solle man immer seinen eigenen Weg gehen. Dass sich etwas Banales wie Salz letztendlich als dermaßen essenziell entpuppt, erachtet sie als Kritik an einer Gesellschaft des Überflusses und folglich als ein Plädoyer für mehr Genügsamkeit. „Geschichten sind dann gut, wenn sie einen treffen. Man darf die Kinder und ihre Fähigkeiten nicht unterschätzen“, findet Jabben. Denn sie mögen das Stück zwar nicht als Kritik an der Konsumgesellschaft identifizieren, dafür sei es ihnen aber möglich, den persönlichen Bezug zu erkennen, ergänzt sie.

Ungeachtet dessen kommt das Theaterspiel von ihr und ihrem Mann ausgezeichnet an. Christoph Terveer und seine Töchter sind regelmäßig bei Aufführungen im Blauen Haus und waren von „Der Salzprinzessin“ begeistert. Besonders die wandelbare Kulisse habe ihnen gefallen, sagen die beiden Mädchen. „Sie hat unglaublich lebendig gespielt“, bekundet eine weitere Zuschauerin. Neben diesem Stück wird in den kommenden Wochen unter anderem eine Inszenierung des Klassikers „Moby Dick“ zu sehen sein.

Schließlich sei das Puppentheater als Kunstform generationsübergreifend attraktiv und verfüge über dieselbe Kraft wie das herkömmliche Theater, sagt Jabben. Eine Annahme, die „Die Salzprinzessin“ ohne Frage unter Beweis stellen konnte.