Problemimmobilien: Wie Krefelds Innenstadt verwahrlost

Problemimmobilien: Wie Krefelds Innenstadt verwahrlost

Heruntergekommene Gebäude konzentrieren sich im Süden der City. Verwaltung beantragt finanzielle Hilfe.

Cracau/Mitte/Lehmheide. Verdreckte Wohnungen, Müll, der sich vor den Haustüren stapelt und Ungeziefer: Im südlichen Bereich der Innenstadt, im unmittelbar angrenzenden Stadtumbaugebiet im Bereich Lehmheide sowie weiter östlich, in der Umgebung des Schinkenplatzes, verwahrlosen zunehmend Wohnhäuser. Rund 40 so genannte Problem-immobilien hat die Stadt verteilt auf die drei örtlichen Schwerpunktgebiete identifiziert — das geht aus einem Bericht der Verwaltung hervor, der den Mitgliedern des Bauausschusses in der Sitzung heute Abend vorgestellt wird.

Die Ende September vergangenen Jahres an der Seidenstraße von Polizei, Feuerwehr und Bauaufsicht geräumten Häuser 31 und 33 sind offenbar nur der Tropfen auf dem heißen Stein. Fehlender Brandschutz, unzureichend ausgebaute Rettungswege, die Sperrmüllberge noch zusätzlich versperrten, Schimmel und Ratten seien zumindest in einem der beiden Häuser laut Bauaufsicht eine so große Gefahr gewesen, dass die Hausbewohner in Notunterkünfte gebracht wurden.

Problemimmobilien — das sind per Definition verwahrloste Gebäude, deren Bewohner in „oft katastrophalen“ Umständen „mit großen hygienischen und brandschutztechnischen Mängeln“ leben — konzentrieren sich laut der Verwaltungsvorlage in „strukturschwachen, citynahen Quartieren mit hoher Fluktuation. Diese entwickeln sich immer mehr zu Zuwanderungsstadtteilen.“ Immobilieneigentümer, die trotz „prekärer und unzumutbarer Miet- und Wohnverhältnisse“ nicht dazu bereit seien, Geld in die Hand zu nehmen und ihre Wohnungen „zu überhöhten Mieten an Zuwanderer“ vermieteten, verschlimmerten die Situation. „Gleichzeitig treten Vermieter teilweise als Scheinarbeitgeber auf.“ Eine Stigmatisierung der betroffenen Stadtteile sei die Folge. „Die Quartiere stehen damit auf der Kippe“, so das bittere Fazit der Stadt.

Die Verwaltung sei ohne finanzielle Unterstützung nicht in der Lage, Herr über die Problemimmobilien zu werden. Ende 2017 habe man einen Antrag auf Teilnahme am Modellvorhaben „Problemimmobilie“ bei der Bezirksregierung gestellt. Fördergelder in Höhe von sechs Millionen Euro sollen in den nächsten fünf Jahren helfen, heruntergekommene Gebäude zu kaufen, zu sanieren und weiterzuverkaufen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung