Probleme in Krefelds Verkehrsamt: Unternehmer schreibt Brandbrief an OB Meyer

Kritik : Probleme im Verkehrsamt: Unternehmer schreibt Brandbrief an OB Meyer

Laut einem Familienbetrieb wird die Krefelder Wirtschaft „blockiert“. Es gibt Probleme beim Straßenverkehrsamt.

„Der wirtschaftliche Schaden geht jetzt schon in die Hunderttausende“, sagt Leonhard Zerni. Zerni ist stellvertretender Geschäftsführer des Krefelder Familienunternehmens Schweri Autokranbetriebe. Der Schaden ist dem Betrieb laut Zerni entstanden, weil es seit Monaten personelle Probleme im Straßenverkehrsamt gibt.

„Für unsere Fahrzeuge und die Güter unserer Kunden müssen wir Ausnahmegenehmigungen über eine Plattform beim Krefelder Straßenverkehrsamt beantragen. Seit Monaten sind nun alle drei Personen, die diese Anträge bearbeiten können, krank oder im Urlaub“, erklärt Zerni in einer E-Mail an unsere Redaktion weiter. Ohne Genehmigungen seien keine Schwertransporte möglich — und auch den Kunden aus Stahl-, Chemie- und Bauindustrie entstünden dadurch Nachteile. Das Unternehmen mit Sitz an der Heinrich-Malina-Straße in Oppum bedient laut eigenen Angaben Unternehmen in ganz NRW.

Der Unternehmer habe sich auch mit einem Schreiben an den Oberbürgermeister gewandt. „[...]in einigen ihrer Behörden wird die Krefelder Wirtschaft nicht unterstützt, auch nicht ausgebremst, sie wird blockiert“, heißt es in dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt. Eine Antwort habe er bisher nicht erhalten, erklärte Zerni am Mittwoch gegenüber unserer Redaktion.

Erst am Vormittag sei er wieder beim Straßenverkehrsamt gewesen, dort habe er zumindest eine leichte Verbesserung der Personalsituation feststellen können, aber die Problematik bestehe weiterhin.

Die Stadt bestätigt
die angespannte Lage im Amt

Ein Sprecher der Stadt bestätigt auf Nachfrage unserer Redaktion die angespannte Lage: „Seit Ende Mai 2019 kommt es zu Verzögerungen bei der Antragsbearbeitung von Groß- und Schwerlasttransporten, da in diesem Organisationsbereich längere krankheitsbedingte Personalausfälle bestehen.“

Durch einen „Fachvorgesetzten“ und im Rahmen der Aushilfe eines Mitarbeiters aus einem anderen Aufgabengebiet könnten nur die dringendsten Vorgänge bearbeitet werden.

Ab vergangenen Montag sei aber eine der zuständigen Sachbearbeiterinnen — „zeitlich eingeschränkt“ — wieder im Dienst. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Straßenverkehrsamtes sei immer gut gewesen, macht Zerni deutlich. Das Problem sei einfach, dass zu wenig Personal vorhanden ist. Der Unternehmer kann nicht nachvollziehen, dass die Personalplanung nicht angepasst wird. Schließlich würden der Stadt Gebühren für die Genehmigungen entgehen.

Er wisse von anderen Unternehmen aus der Branche, die die Genehmigungen extra an ihren Standorten in anderen Städten einholen, weil sie um die Situation im Krefelder Straßenverkehrsamt wüssten. Mehr Personal einzustellen, ist laut Angaben der Stadt offenbar nicht so einfach: „Bei der Bearbeitung von Anträgen über Groß- und Schwerlasttransporte ist Fachwissen im Umgang mit dem eingesetzten Vorgangsbearbeitungsverfahren und zur Verkehrsinfrastruktur in Krefeld erforderlich (Belastbarkeit von Straßen und Brücken, Unterführungen).“

Der bloße Einsatz zusätzlicher Mitarbeiter reiche nicht aus, um „Arbeitsrückstände zeitnah abzuarbeiten“, teilt die Stadt auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Das macht Unternehmern wie Leonhard Zerni nur wenig Hoffnung.

Wird sich die Lage auf Dauer nicht verbessern, könnte es dazu kommen, dass das Unternehmen die Notbremse zieht. „Wir ziehen es in Erwägung den Standort zu wechseln“, sagt Zerni.

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