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Meinung: Pro und Contra: Sollen Schüler beim Putzen der Schule helfen?

Meinung : Pro und Contra: Sollen Schüler beim Putzen der Schule helfen?

Pro: Wenn man erwartet, dass die Kinder zu Hause beim Aufräumen und Saubermachen helfen, sollten sie das auch in der Klasse tun.

Viele Erwachsene beklagen sich darüber, dass die Jugend von heute keine Manieren hat und schließen daran an: „Möchte mal wissen, was die in der Schule heute überhaupt noch lernen?!“

Contra: Steffen Hoss ist gegen Putzdienste in der Schule. Foto: Dirk Jochmann

Wenn die Schule dann die Kinder nicht nur mit Wissen vollstopft, sondern auch soziale Kompetenzen schult, ist es auch wieder nicht richtig. Doch wie sollen Kinder und Jugendliche dazu erzogen werden, dass sie Verantwortung für ihr Umfeld übernehmen und ihren eigenen Dreck wegmachen, wenn es immer wieder bezahlte Kräfte, Eltern oder Lehrer gibt, die hinter ihnen herräumen? Spätestens, wenn es dann zu Hause heißt, „Du könntest mal wieder Dein Zimmer aufräumen“, wird man die Quittung erhalten.

Gleichzeitig vermittelt die Schule den Schülern Achtung gegenüber den Menschen, die sich um Ordnung und Sauberkeit in der Schule professionell kümmern. Und vielleicht gelingt es sogar auf diese Weise, dass sie etwas achtsamer mit Klassenraum und Mensa umgehen, wenn sie sich auch mal selber darum kümmern müssen.

Wohlgemerkt: Es geht nicht um eine Grundreinigung der Schule. Das muss selbstverständlich durch die von der Stadt beauftragten Firmen gewährleistet werden. Und es darf nicht sein, dass Schüler wegen des Aufräumens Unterrichtsstoff verpassen.

Aber wenn die Kinder nach dem Essen oder nach dem Kunstunterricht gemeinsam aufräumen und den gröbsten Dreck wegmachen, werden sie sich dabei keinen Zacken aus der Krone brechen.

Und die Reinigungskräfte werden es den Schülern danken. Denn was denen manchmal zugemutet wird, ist nicht in Ordnung. dagmar.gross@wz.de

Contra: Die gestiegenen Anforderungen des Lehrplans sorgen für genug Stress im Alltag der Schüler - und das bereits in der Grundschule.

An den Ordnungsdienst in der Schule kann sich wohl jeder Erwachsene noch erinnern. Höchstens zweimal im Halbjahr musste in Kleingruppen meist der Schulhof besenrein gehalten werden. Das war’s! Vom Fegen des Treppenhauses oder Putzen möglicher Bistro- oder Pausenraumtische war da niemals die Rede.

Denn dazu gibt es immerhin in jeder Schule einen bezahlten Putzdienst — und das ist auch gut so. Denn Schüler sind einzig und allein in der Schule, um zu lernen, und da sind die Anforderungen des Lehrplans in den vergangenen Jahren — auch durch die bildungspolitische Entscheidung hin zum Turbo-Abi — bereits erheblich gestiegen. Schon im Grundschulalter wird der Schulalltag für viele Kinder zum Stresstest.

Dieser endet immer öfter mit langen Nachmittagen voller Hausaufgaben, und hat immer weniger etwas mit der sorgenfreien Zeit früherer Schülergenerationen zu tun. Um den Anforderungen gerecht zu werden, opfern nicht nur viele Schüler, sondern auch deren Eltern ihre Freizeit, um den Lernstoff durchzukriegen.

Da klingt es wie Hohn, wenn Schüler aufgrund übermäßiger Putzarbeiten Teile des Unterrichts verpassen und diesen selbstständig nacharbeiten müssen. Außer Frage steht, dass Schüler darauf achten müssen, das Schulgebäude sauber zu halten.

Wer hier aber Erfolg haben will, darf keine Putzdienste aufzwingen, sondern muss im Unterricht über das Problem Umweltverschmutzung informieren und damit überzeugen. Ansonsten könnten Lehrer und Schüler sich beim Putzen auch abwechseln. Die frei werdende Zeit könnten die Lernenden sicher gut gebrauchen. steffen.hoss@wz.de