Prinzenpaar hat heimlich geheiratet

Prinzenpaar hat heimlich geheiratet

Überraschung bei der Inthronisierung: René I. und Sabine II geben sich Freitag das Ja-Wort und luchsen OB Meyer am Samstag als Ehepaar den Rathausschlüssel ab.

Krefeld. René I. und Sabine II. sind seit Samstag als Prinzenpaar inthronisiert. Und seit Freitag stehen sie nach siebenjähriger Zusammengehörigkeit außerdem als Ehepaar in der Öffentlichkeit. Dass sie sich nur getraut haben, um den Rathausschlüssel sicher zu bekommen, ist nicht überliefert. Auf jeden Fall ist diese Info die Überraschung des Tages für die närrische Gemeinde im Rathaussaal. Das Paar freut sich sehr, dass es gelungen ist, die Hochzeit geheim zu halten, genießt den frenetischen Applaus und macht anschließend den OB zu seinem Kutscher.

Foto: Dirk Jochmann

Die Tollitäten haben Stil. Prinzessin Sabine II. sieht in ihrem rosa Traum aus Tüll und Spitze aus, als sei sie dem Märchenbuch entstiegen. Die Ministerschar trägt passend zu ihren Smokings rosa Krawatte, Einstecktuch und Kummerbund. Der Prinz kommt klassisch in Schwarz. Er muss den ganzen Morgen Witzchen über seine stolzen 1,64 Meter Körpergröße über sich ergehen lassen. Er trägt dies gutmütig und mit Fassung.

Oliver Pauw, hält die Lobrede auf „Kumpel“ René, dessen Bartfarbe eigentlich schimmelig sei, wie er findet: „Eure Mutter hat mit dir und deinem Zwillingsbruder Thorsten zwei Kaventsmänner geboren, die klein und süß waren und klein geblieben sind. Der Prinz musste früh mit Rauchen und Trinken aufhören — als er eingeschult wurde. Er war als angehender Friseurmeister auch in Berlin bei Udo Walz und kann nun mangels eigener in anderen Haaren rumwühlen.“

Tochter Laura, ebenfalls in Rosa, spricht über die Prinzessin: „Sie ist am 7. Februar geboren, mitten in der Session, in einem Jahr, als Neil Armstrong den Mond betrat und die Woodstock-Ära begann. Oma, das hast Du gut gemacht. Sabine lernte Karneval in Köln. Als Schulmädchen in Krefeld verdrehte sie den Jungs den Kopf, auch ihrem Prinzen, der sie nach vielen Jahren im Internet ausfindig machte. Amors Pfeil traf sie beide. Ein Hoch auf die sozialen Medien.“

Dann wird es ernst, die Verwandlung in die karnevalistischen Blaublüter beginnt: Die Prinzengardisten bringen Seiner Tollität die Amtskette auf grünweißem Samt. Dann folgt der schwarze Mantel mit weißem Kunstpelz-Besatz. Schließlich die Kappe mit den langen Federn. Kommentar: „Damit wird jeder gesehen, egal wie groß er ist.“ Sabine erhält ihr glitzerndes Diadem von „ihrer“ Westgarde. Der Kampf ums Rathaus beginnt.

Oberbürgermeister Meyer hält das Prinzenpaar für nicht akzeptabel: „Er ist ein Grüner“, sagt er mit Hinblick auf den Bart. „Sie hat viel zu viel Köln in sich und im Rathaus herrschen Zucht und Ordnung, ein unverheiratetes Paar geht gar nicht.“ Die beiden Angesprochenen kontern. René: „Ich bin seit 22 Jahren in der SPD.“ Sabine: „Ich bin in Krefeld geboren.“ Und beide schließlich: „Wir haben gestern geheiratet.“ Da fällt auch dem OB nichts mehr ein. Er muss den Rathausschlüssel rausrücken.

Prinz René findet, er selbst sei ein guter Politiker: „Ich kann haarige Sachen sehr gut regeln, bei Ungerechtigkeiten bekomme ich einen Föhn und ich schere nicht alle über einen Kamm.“ Meyer darf sich schließlich als Kutscher bewerben, um nicht arbeitslos zu sein. Der OB muss angespieltes deutsches Liedgut weitersingen, was gut gelingt. Meyer hat den Job und wird entsprechend ausstaffiert. Als er die Peitsche erhält, überlegt er: „Kann ich die für den Verwaltungsvorstand verwenden?“

Das närrische Paar gibt seine Paragrafen aus. Beispiele: „Die Krefelder sollen über sich selbst lachen. Wir vergrößern das Affenhaus im Zoo für Veranstaltungen der AfD und am Bahnhof gibt es Gleis 11 für den Rosenmontagszug zwischen Krefeld und Köln. Mit dem Sessionslied „Fasteloevend first“ endet eine tolle Inthronisation, die in der Proklamation am 12. Januar ihre Fortsetzung findet.

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