Porträt: Kein ICE fährt an ihr vorbei

Porträt: Kein ICE fährt an ihr vorbei

Christiane Brunn (31) ist die Chefin des Bahn-Werkes für Instandhaltung in Oppum und hat eine Bilderbuch-Karriere hingelegt.

Krefeld. Christiane Brunn ist die neue Werkleiterin der Fahrzeuginstandhaltung GmbH der Deutschen Bahn AG, wie das Unternehmen in Krefeld offiziell heißt. "Das Ausbesserungswerk", nennen es die Oppumer. Der frühere Name des Riesenbetriebs an der Breitenbachstraße ist nicht so schnell getilgt. Brunn sitzt im Führerstand des Unternehmens, ist Chefin von knapp 700 Mitarbeitern, darunter 55 Auszubildenden, und sorgt dafür, dass die ICE in Deutschland und im nahen Ausland pannenfrei rollen. Sie zählt 31 Jahre und hat eine wahre Bilderbuchkarriere hingelegt. "Als Rheinländerin finde ich es toll hier und spannend. Ich weiß, wie das Werk funktioniert", sagt sie im Hinblick auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe - und die Freude am Job kommt ’rüber. Das merken auch die Mitarbeiter in der Megahalle, denen sie im Vorübergehen zuwinkt.

Apropos Rheinländerin: Geboren wurde Christiane Brunn in Düsseldorf und wuchs in Erkelenz auf. Sie ist verheiratet und wohnt mit ihrem Mann in Mönchengladbach. Die 31-Jährige hat nach ihrem Studium in Betriebswirtschaftslehre - Schwerpunkt Produktion und Logistik - in Münster Bahn von der Pike auf gelernt. Sie weiß um die Vorgänge auf den Bahnhöfen im Land bis hin zur Konzernzentrale. Ein Trainee-Programm schuf ihr die Voraussetzung. "Ich kenne alle Werke und Prozesse sehr gut und wurde auf die Führungsposition vorbereitet. Ich hätte mir auch vorstellen können, in ein anderes Unternehmen, dessen Produkte gut sind, einzutreten", sagt sie. "Ein gutes Angebot der Konzernstrategie Berlin gab schließlich den Ausschlag."

Vielleicht war es aber auch ihre Zuneigung zum Bahnfahren. "Das ist entspanntes Vorwärtskommen, bei dem ich lesen, arbeiten, schlafen und aus dem Fenster gucken kann", lächelt sie, gibt aber zu, dass Bahnfahren auf kurzen Strecken, wenn man öfter umsteigen muss, auch umständlich sein kann.

Alle elektrischen Triebzüge des Nah- (ET) und des Fernverkehrs (ICE) in Deutschland fahren in regelmäßigen Abständen in Oppum, einem der modernsten Kompetenzzentren der DB Instandhaltung, ein. Kein Weg führt für die 250 deutschen ICE an der Kronlandbrücke vorbei. Nach rund eineinhalb Millionen Laufkilometern, beziehungsweise alle sechs bis maximal acht Jahre, sind sie fällig: "Die Fahrzeuge werden hier in Krefeld generalüberholt. Das heißt: Alle Bauteile werden auseinander genommen, geprüft, erneuert oder aufgearbeitet", sagt Brunn beim Rundgang durch die über 200 Meter lange Halle.

Zurzeit ist auf dem Gelände Hochbetrieb. Es riecht nach frischer Farbe. Ein ICE aus den Niederlanden steht ebenso auf dem Prüfstand wie andere in Deutschland rollende Wagen. Einer hat beim letzten Orkan Schaden durch einen umgeknickten Baum genommen und wartet draußen auf die Reparatur. Zwei Züge können stets parallel bearbeitet werden. "Ich nehme mir Zeit, in der Halle zu sein", so die Chefin. Dort ist sie für die Mitarbeiter, die aus Krefeld und dem weiteren Umland kommen, stets ansprechbar.

Übrigens gibt es 15 Werke für die schwere Instandhaltung von Fahrzeugen bei der Bahn. Christiane Brunn ist die einzige Frau in der Position der Werkleiterin. Und sie wundert sich, dass die Frau im Chefsessel immer noch ein Thema ist. Nicht nur, weil mit Nicole Friedrich schon vor ihr eine Frau das "Ausbesserungswerk" in Oppum geleitet hat.

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