Polizisten hinterlistig überfallen

Polizisten hinterlistig überfallen

Landgericht: Neun Angeklagte müssen sich für einen Übergriff auf dem Großmarkt wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Krefeld. Es war eine Feier mit Musik und guter Laune am Maifeiertag 2008 auf dem Großmarkt. Bis plötzlich die Fäuste flogen: Mehr als zwei dutzend Menschen prügelten aufeinander ein, und am Ende gab es etliche Verletzte. Allein neun Polizeibeamte, die privat und mit Freunden oder den Familien an der Mai-Feier teilgenommen hatten, trugen teils erhebliche Blessuren - vor allem Prellungen, Platzwunden und Zahnschäden - davon. Ein 49-jähriger Polizist wurde so schwer im Gesicht verletzt, dass die Ärzte zunächst um dessen Augenlicht fürchteten. Seit gestern hat die Massenschlägerei ein gerichtliches Nachspiel.

Acht Männer und eine Frau sitzen - alle miteinander verwandt oder seit Jahren bekannt - auf der Anklagebank. Ihnen wirft der Staatsanwalt einen hinterlistigen Überfall vor. Im Vorfeld der brutalen Auseinandersetzung soll nämlich die Ehre eines der Angeklagten gekränkt worden sein: Armin C. (alle Namen von der Redaktion geändert) soll erheblich alkoholisiert gewesen und so ausfallend geworden sein, dass er von den Polizisten habe beruhigt werden müssen. Der 49-Jährige Beamte habe ihn sogar zu Boden gebracht.

Die Maßregelung soll der 31-jährige C. als erhebliche Herabsetzung seiner Ehre empfunden haben. Deshalb, so die Anklage, telefonierte er Verwandtschaft herbei, die auch prompt erschien. Schon soll eine Schlägerei in Gang gekommen sein, an der sich immer mehr Menschen beteiligten. Dabei ging es ganz offensichtlich heftig zur Sache: Der 49-jährige Polizeibeamte lag bereits bewusstlos am Boden, als weiter auf ihn eingetreten wurde. "Eine Zeugin schilderte das so: Einer der Angreifer trat gegen den Kopf des Mannes, als ob beim Fußball ein Elfmeter geschossen würde", schilderte der Ermittlungsführer (43) der Polizei im Zeugenstand.

Von den neun Angeklagten war am Donnerstag lediglich der zur Tatzeit 16 Jahre alte Limal C. - Neffe des als gekränkt geltenden 31-Jährigen - zu einer Aussage vor Gericht bereit. Er habe reichlich Bier, aber auch heimlich vom mitgebrachten Wodka des Onkels getrunken. "Fünf, sechs Gläser", so lange, bis er nicht mehr stehen konnte. Laut Zeugen rutschte er selbst vom Stuhl, auf den er vorsorglich gesetzt worden war. Als Menschen zu Hilfe eilten, war das wohl der Auslöser für die erste Auseinandersetzung. Denn Limal wollte aufstehen, doch die Helfer hielten es offensichtlich für besser, dass er erst mal liegenbleibt. Das wiederum rief nach Darstellung der Polizei Armin C. auf den Plan, der handgreiflich geworden und deshalb von dem 49-jährigen Polizeibeamten zu Boden gebracht worden sein soll. Mit dem Handy seines Neffen soll er später die Unterstützung herbeitelefoniert haben, um den Polizisten zu attackieren und größtmögliche Verletzungen zuzufügen, heißt es in der Anklageschrift.

An weiteren zunächst fünf Verhandlungstagen wird das Gericht nun dutzende Zeugen hören, um die Tatvorwürfe zu konkretisieren. "Keine Zeugenaussage gleicht der anderen zu 100 Prozent", so der Ermittlungsführer der Polizei - für die erste große Strafkammer des Landgerichts bedeutet das, unzählige Puzzleteile zusammenfügen zu müssen.

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