Handy am Steuer: Polizei erwischt 1387 Handy-Sünder - und es werden immer mehr

Handy am Steuer : Polizei erwischt 1387 Handy-Sünder - und es werden immer mehr

Eine alarmierende Bilanz zieht die Behörde für das erste Halbjahr 2018. Beamte beobachten immer mehr Verstöße im fließenden Verkehr.

Krefeld. Kurznachrichten kommen reingeflogen, Stakkato im Handy, es plingt unaufhörlich und auch auf der Facebook-App erscheinen rote Ziffern. Da hat doch wieder jemand etwas geliked, bei Instagram sowieso. Habe ich schon eine neue Mail, und was ist eigentlich auf Twitter los? Der Mensch lebt 2018 auf mehreren Kanälen gleichzeitig und viele versuchen den Spagat. Gefährlich ist das vor allem im Straßenverkehr. Als Autofahrer, mit dem Rad, und na klar, auch als Fußgänger. Die Zahl der „Handy-Unfälle“, die der erwischten Sünder auch. Rasant. Im ersten Halbjahr 2018 hat die Polizei in Nordrhein-Westfalen bereits 81 000 Handy-Sünder am Steuer ertappt. In Krefeld hat die Polizei bis Ende Juni insgesamt 1387 Handyverstöße registriert.

Statistisch umfassen die Zahlen die verbotene Benutzung von allen elektronischen Geräten, die, so die Polizei, der „Kommunikation, Information und Organisation dienen“. Rein strafrechtlich betrachtet, erläutert Krefelds Polizeisprecherin Katrin Wentker, mache es keinen Unterschied, ob während der Fahrt telefoniert oder anderweitig am Handy gespielt werde. „Gemäß Paragraph 23 der Straßenverkehrsordnung ist es verboten, dass Handy während der Fahrt zu benutzen. Somit stellt es keinen Unterschied dar, ob jemand während der Fahrt mit dem Handy telefoniert oder dieses anderweitig nutzt.“

Die Polizei hat ihre Überwachung jedenfalls verschärft, erklärt Wentker: „Im Rahmen des Präsenzkonzeptes Innenstadt der Krefelder Polizei werden regelmäßig Kontrollen in der City durchgeführt, bei denen das korrekte Verhalten von Verkehrsteilnehmer überprüft wird.“ Man wolle die Verkehrssicherheit fortdauernd gewährleisten. Eine Herausforderung angesichts der quasi permanenten Nutzung von Smartphones auf Krefelds Straßen. Die Beamten setzen dabei auf so genannte Schwerpunktkontrollen, dazu kontrolliert jeder Beamte auf Streife. Wer nicht direkt angesprochen oder rausgewunken wird, ist noch lange nicht davon gekommen. Die Polizei beobachtet auch den fließenden Verkehr und wer gerade auf dem Ostwall in Höhe Rheinstraße fährt und seiner Frau schreibt, dass er in fünf Minuten zuhause ist, kann zwei Minuten später in einer so genannten Standortkontrolle in Höhe Hansazentrum landen.

Neben der Sanktions- und Kontrollmaßnahmen setzt die Krefelder Polizei vor allem auf Prävention. „Im Rahmen der landesweiten Kampagne „Lenk dich nicht app“ gab es einen öffentlichen Aktionstag auf dem Von-der-Leyen-Platz“, sagt Katrin Wentker. „Unsere Kolleginnen und Kollegen der Verkehrsunfallprävention haben die Teilnehmer rund um das Thema Ablenkung im Straßenverkehr sensibilisiert und unter anderem gezeigt, wie sich eine Sekunde Ablenkung auf den Bremsweg auswirkt, oder welche schlimmen Folgen ein Verkehrsunfall haben kann.“ Dazu gab es Reaktionstests für Besucher am Computer. Die Resonanz war gut, die Rückmeldungen waren es auch. Das Präsidium will deshalb noch in diesem Jahr eine Neuauflage anbieten.

Es gibt im Übrigen kaum eine Ausrede, die die Beamten der Krefelder Polizei noch nicht gehört haben. Etwa, dass das Tablet ja gar keine Sim-Karte habe. Das aber spiele gar keine Rolle, bekräftigt Wentker. „Technische Geräte am Steuer bleiben verboten.“

Radfahrer erklären gern, dass sie das Handy ja gar nicht am Ohr geführt hätten. Auch das sei kein Argument. Im Jahr 2017 hat die Polizei Krefeld 806 Radfahrer kontrolliert, die das Handy während der Fahrt benutzt haben. „Dabei muss es nicht „am Ohr“ gewesen sein.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung