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Politischer Aschermittwoch: Das Feindbild ist abhandengekommen

Politischer Aschermittwoch: Das Feindbild ist abhandengekommen

Parteien liefern beim Aschermittwoch einen flauen Auftakt zum Wahlkampfjahr.

Krefeld. Der Fisch ist gegessen. Der Nachgeschmack ist flau. Wer im Wahlkampfjahr beim politischen Aschermittwoch markige Sprüche, engagierte Kämpfer und deftige Ausfälle gegen den Gegner erwartet hatte, war bei den Veranstaltungen der Krefelder Parteien am Mittwochabend verkehrt. Was war passiert?

Frank Meyer ist im Rat und den Ausschüssen für seine scharfe Zunge bekannt. Dass er politischen Angriff kann, hat er dort schon oft bewiesen. Doch ausgerechnet zum Wahlkampfauftakt bleibt der Oberbürgermeister-Kandidat der SPD besonnen, spult sein Programm ab und stellt mit einem Blick auf seine Familiengeschichte das Persönliche in den Vordergrund. Angriffe auf den politischen Gegner blieben die Ausnahme. Das Lieblingsfeindbild, Oberbürgermeister Gregor Kathstede, ist ihm abhandengekommen. Darauf muss er sich erst noch einstellen. Oder plant man gar in Sachen Haushalt eine große Koalition?

OB-Kandidat Peter Vermeulen formuliert sogar gleich zu Beginn, dass er sich dem nach-karnevalistischen Ritual des Schlagabtauschs verweigern werde. Auch er nutzt die Chance, sich bekannt zu machen und für sich und seine Ideen zu werben. Er will auf den Dialog setzen. Das muss man angesichts unklarer Mehrheiten wohl auch.

Parteichef Joachim C. Heitmann ist eigentlich nicht für seine Zurückhaltung in der politischen Auseinandersetzung bekannt. Und diesmal: das Thema Toleranz. Keine Spitzen gegen die anderen Parteien oder die Verwaltung. Auch ihm scheint das Feindbild Kathstede zu fehlen. Zudem ist das Thema eigener OB-Kandidat bei den Liberalen offensichtlich erledigt, nachdem der neue CDU-Mann von seiner Partei die hundertprozentige Unterstützung hat. Und vielleicht möchte man ja doch noch beim Haushalt ein Wörtchen mitreden und will es sich deshalb nicht mit den anderen verderben?

Sie bekennen sich zumindest zum Thema Feindbild und verabschieden sich auf ihrer Puppenbühne in gewohnt satirischer Weise endgültig vom noch amtierenden OB. Sie geben damit zumindest zu, dass er ihnen fehlen wird — und sei es nur als Oberkasper.