Philadelphiade 1983: Als die Welt auf Krefeld blickte

Philadelphiade 1983: Als die Welt auf Krefeld blickte

Die Politik feierte im Seidenweberhaus — draußen lieferten sich Chaoten Schlachten mit der Polizei.

Krefeld. Vor 30 Jahren, im Juni und Oktober 1983, blickte das offizielle Amerika zweimal auf die Stadt Krefeld. Zur Erinnerung an „300 Jahre Deutsche in Amerika“. Am 25. Juni trafen sich der amerikanische Vize-Präsident Georg Bush, Bundespräsident Karl Carstens und Bundeskanzler Helmut Kohl zum Festakt im vollbesetzten Seidenweberhaus. Das Medienecho war riesig. Selbst im fernen China wurde über das Ereignis berichtet. Dort nahm man fast nur die Proteste von Nachrüstungsgegnern zur Kenntnis. Während des Festaktes fiel im großen Saal zweimal der Strom aus und nur die Tatsache, dass durch die Rückwand des Saales Licht hineinfiel, hat eine Panik verhindert.

Das Wochenende vom 24. bis 27. Juni 1983 stand im Zeichen eines großen Bürgerfestes. Vertreter von Politik, Verwaltung und Bürgerschaft hatten die Krefeldiade zur 600-Jahr-Feier im Jahre 1973 als Beispiel genommen und das Fest organisiert. Es gab außerdem ein Deutsch-Amerikanisches Chor- und ein Musikfest, eine Ökumenische Gedenkstunde, ein Hofkonzert und eine Kinder-Philadelphiade. Die Innenstadt trug Fahnenschmuck und überall sah man das „Jubelzeichen“, ein von Theo Windges entworfenes Signet. Vor der amerikanischen Flagge segelt die Concord und der Schriftzug trägt die Inschrift „300 Jahre Deutsche in Amerika - Krefeld 1983“.

Während die Bürger und ihre Gäste das ganze Wochenende auf den Straßen und Plätzen feierten, hat ein Zwischenfall noch wochenlang die Gemüter erhitzt und Politik und Justiz beschäftigt. Auf der Fahrt zum Festessen im Parkhotel Krefelder Hof wurden die Autos des amerikanischen Vizepräsidenten und der Bundesprominenz mit Steinen beworfen. 700 herbeigereiste Demonstranten lieferten sich Schlachten mit der Polizei.

Die Berichte über die lange und mühselige Seereise der Krefelder Auswanderer im Jahre 1683 hatte das Krefelder Ehepaar Ernst-Helmuth und Hildegard Otto animiert, mit ihrem Segelschiff Shantyman den Trip nachzufahren. Die Stadtverwaltung gab finanzielle Hilfe, die beiden Mutigen übten und legten die Route fest. Es sollte eine abenteuerliche 56-tägige Schiffsreise mit vielen Hindernissen werden. Im September landeten die Krefelder erschöpft aber glücklich in der Delaware-Mündung. Eine Briefmarke, mit gleichem Motiv in den USA und Deutschland, machte auf die Einwanderung der Deutschen in Amerika aufmerksam.

Rund 500 Krefelder zog es im Oktober 1983 über den großen Teich, um in Philadelphia und Germantown die US- Version der Feierlichkeiten zu erleben. Der Fanfarenzug des Bockumer Turnvereins war mit dabei, der Mundartkreis 23 trat in historischen Kostümen auf und auch die Pappköpp nahmen an der Feier teil.

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