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Pfeife für Pfeife wird abgebaut

Pfeife für Pfeife wird abgebaut

Die Orgel der ehemaligen Klosterkirche St. Elisabeth wird die Eröffnung der Grabeskirche nun doch nicht erleben.

Seit gestern wird die Orgel der ehemaligen Klosterkirche St. Elisabeth an der Hülser Straße Stück für Stück — oder zunächst Pfeife für Pfeife — abgebaut. Etwa fünf bis sechs Tage wird der polnische Orgelbauer voraussichtlich brauchen, der die Einzelteile der Ernst-Seifert-Orgel aus den 1950er-Jahren auseinandermontiert. Was nicht über die Treppe von der Empore zu transportieren ist, wird mit einem Hubwagen heruntergehievt, verpackt und auf die Reise geschickt. Sie wird in einer Kirche in der Nähe von Danzig einen neuen Platz finden.

Dass die wegen der voraussichtlich bis Mitte des Jahres laufenden Bauarbeiten im Gotteshaus in dicke Folie eingepackte Orgel umzieht und die Eröffnung der Grabeskirche nicht mehr erlebt, war eigentlich nicht geplant. Immer klar war allerdings, dass sie in keinem guten Zustand war. Um sie wieder in Betrieb zu nehmen, hätten zahlreiche Mängel beseitigt werden müssen. „Nach langer Überlegung ist entschieden worden, das Instrument nicht mehr zu reparieren“, berichtet Heinz-Peter Kortmann, Kirchenmusiker des katholischen Kirchengemeindeverbands Krefeld-Nordwest. Kostenvoranschläge hatten in der Vergangenheit für die nötigen Reparaturen Summen von 30 000 bis 40 000 Euro genannt. Hinzu kamen neue Sicherheitsbestimmungen zur Elektrik in Kirchenorgeln. Die deshalb nötigen Arbeiten hätten weiteres Geld verschlungen. Der Orgelsachverständige des Bistums Aachen riet zu einem Verkauf.

6000 Euro bekommt die Gemeinde nun für ihr einst gutes Stück. „Das zeigt auch, in welch schlechtem Zustand sie war. In ein Auto, das 6000 Euro wert ist, würde ich auch keine 40 000 Euro mehr reinstecken“, sagt Kortmann.

Zwar hätte sie nach einer Reparatur bestimmt noch „gute Dienste getan“, aber auch aus anderen Gründen wolle man nun eine andere, kleinere Orgel anschaffen. Statt auf der Orgelbühne, wie bisher, brauche man einen Standort näher am liturgischen Geschehen, also vor allem bei Trauerfeiern. „Es ist sinnvoller, das Instrument in der Nähe der Gemeinde unterzubringen, die oft kleiner sein wird und durch die Orgel begleitet werden soll“, erklärt Kortmann. Die Gottesdienste in der Grabeskirche werden zukünftig im Altarraum sein.

Dort ist eine Nische, die sich für eine Orgel anbietet. Es soll wieder ein Instrument mit Pfeifen sein. Allerdings kleiner. Noch suchen die Verantwortlichen ein gebrauchtes Exemplar — wieder mit Hilfe der Firma Ladach aus Wuppertal, die weltweit gebrauchte Pfeifenorgeln an- und verkauft und auch die Seifert-Orgel nach Danzig vermittelte.

„Wir brauchen etwas Platzsparendes, optisch Ansprechendes, das gleichzeitig in der großen Kirche gut klingt“, erläutert Kortmann, der aber guter Hoffnung ist, dass sich in Deutschland, den Niederlanden oder England so etwas finden lässt. „Es werden ja immer wieder Kirchen geschlossen.“ Für die Finanzierung der Pläne ist die Gemeinde auf Spenden angewiesen. „Ein fünfstelliger Betrag wird wohl nötig sein“, sagt Kortmann, der selbst als Kantor der Gemeinde Heiligste Dreifaltigkeit, zu der St. Elisabeth gehört, Spenden sammeln will. 2000 Euro hat er bereits bei einem „Konzert und Menü“ im Stadtwaldhaus erwirtschaftet. „Weitere Konzerte und Veranstaltungen werden folgen“, verspricht er.

Falls bis zur Eröffnung der Grabeskirche noch kein Ersatz gefunden ist, könne als Zwischenlösung eine Truhenorgel aus St. Cyriakus Hüls geliehen werden.