Krefeld: Peter Mertens: „Wir haben eine wichtige Lotsenfunktion“

Krefeld : Peter Mertens: „Wir haben eine wichtige Lotsenfunktion“

Für den An- und Verkauf städtischer Immobilien in Krefeld ist nur noch ein Fachbereich zuständig. Dieser wird geleitet von Peter Mertens.

Im Besprechungsraum von Fachbereichsleiter Peter Mertens hängt eine Karte mit allen Immobilen der Stadt und deren Töchtern. „Auf diese Karte würde so mancher Investor gern einen Blick werfen“, sagt der 64-Jährige, schließlich sind 35 Prozent an Grund und Boden städtisches Eigentum.

Seit 1970 ist er in der Stadtverwaltung Krefeld tätig, seit Sommer 2010 verantwortet er die Leitung des Fachbereichs Zentraler Finanzservice und Liegenschaften mit aktuell 100 Mitarbeitern bei rund 110 Planstellen. Dazu gehören die Finanzbuchhaltung mit dem gesamten städtischen Zahlungsverkehr sowie Grundbesitzabgaben und Steuern wie die Gewerbesteuer. Zum Aufgabenbereich Liegenschaften zählt das Boden- und Flächenmanagement und das Marketing der unbebauten sowie neuerdings auch der An- und Verkauf der bebauten städtischen Grundstücke, die bislang beim Zentralen Gebäudemanagement verwaltet wurden.

Oberbürgermeister Frank Meyer hatte diese Zusammenführung nach einem Strategieworkshop entschieden. Die Gründe: Das Boden- und Flächenmanagement soll optimiert, An- und Verkauf neu ausgerichtet, neues Bauland erworben und Ressourcen sollen besser genutzt werden. „Die organisatorische Bündelung im An- und Verkauf hatten wir bis 2010 zwar schon einmal, wobei die Ziele der kommunalen Daseinsvorsorge einem stetigen Veränderungsprozess unterliegen“, sagt Mertens. Dabei seien Wechsel zwischen Organisationsstrategien normal, aber auch, weil sich die Anforderungen ändern.

Jetzt können sich seine acht für die Stadtteile verantwortlichen Sachbearbeiter — darunter drei Immobilienkaufleute — um An- und Verkauf aller Immobilien kümmern. Wer in Krefeld Immobilien kaufen möchte, wolle schnell zum Ziel kommen. Online und per Newsletter seien die Angebote aktuell abrufbar. „Wir haben eine wichtige Lotsenfunktion für Interessenten“, sagt Mertens.

Die Stadt investiert wieder in Grundstücke. „Dank der zurückliegenden Maßnahmen der Haushaltskonsolidierung haben sich die finanziellen Rahmenbedingungen geändert, was sich auch in den planungspolitischen Erwartungen und finanziellen Schwerpunkten des Rates ausdrückt“, wie Mertens erklärt. In den vergangenen Jahren waren wegen des Nothaushalts alle Fachbereiche angewiesen zu sparen. „Für uns bedeutete das, möglichst viele Grundstücke zu verkaufen und uns beim Ankauf zu beschränken.“ Gerade einmal eine Million Euro stand zuletzt für den Ankauf bereit. Ab 2018 werde dieser Etat auf bis zu zehn Millionen Euro pro Jahr erhöht, atmet Mertens auf.

Diese Versäumnisse sieht die Wirtschaft kritisch: Jahrelang sei keine vorausschauende Gewerbeflächenpolitik betrieben worden, klagen IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz und Geschäftsführer Eckart Preen von der Wirtschaftsförderungs- und Grundstücksgesellschaft. Bei den Gewerbegrundstücken gebe es eine wichtige Schnittstelle zwischen der Stadttochter und dem kommunalen Flächenmanagement zur Baulandentwicklung, die es laut Mertens durch Prozessoptimierung und intelligente Lösungen zu aktivieren gilt.

Wirtschaftsförderung und Grundstücksgesellschaft sind für Firmenbetreuung und Verkauf zuständig. Inzwischen rächt sich die restriktive Einkaufspolitik der Stadt. Die Gewerbeflächen würden knapp. Ohne neue Grundstücke gibt es jedoch keine Neuansiedlungen und ohne diese keine weiteren Steuereinnahmen und Arbeitsplätze.

Das weiß auch Mertens, doch ihm gibt der Stadtrat die Ertragsquoten innerhalb des Haushaltssicherungskonzeptes noch bis 2020 vor. „Durch die Neugliederung sind bei den bebauten Grundstücken bislang nur 16 Flächen aus dem Fachbereich Zentrales Gebäudemanagement hinzugekommen, die aus Sicht der Stadt nicht mehr benötigt werden“, sagt er. Andere Liegenschaften — wie die ehemalige Schulverwaltung — seien im Rahmen des Erbbaurechtmodells zukunftsorientiert weiterentwickelt worden, so wie die Alte Samtweberei, oder würden verkauft. Auch diese Flächen werden im Newsletter ausgewiesen, hinterlegt mit Exposés. Auch drei Planstellen werden innerhalb der Fachbereiche transferiert. „Krefeld ist eine expandierende Stadt“, sagt Mertens. Ein mittelfristiges Ziel sei es für ihn daher, den ermittelten Bedarf an 6000 neuen Wohneinheiten nach Stadtratsbeschluss zu neuen Bebauungsplänen durch aktives kommunales Flächenmanagement zu begleiten.

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