Passionierte Sängerin wird 100

Charlotte Süß verrät ihr Rezept für ein langes Leben.

Passionierte Sängerin wird 100
Foto: Dirk Jochmann

Hoch soll sie leben! Mit 100 Jahren hat Charlotte Süß viel von ihrem Leben zu erzählen. Ihr Rezept für ein langes Leben? Täglich kalt duschen, frisches Obst und Gemüse essen und Bewegung an der frischen Luft. Gestern hat sie mit ihrer Familie ihren runden Geburtstag gefeiert. Nach dem Frühstück im Fischers-Meyser-Stift in Hüls, wo sie seit einigen Jahren ihren Lebensabend verbringt, holten die Söhne Lothar und Albrecht sie ab.

Mit der ganzen Familie, darunter drei Enkel und ein Urenkel, sowie Verwandten und Freunden wurde in einer Gaststätte angestoßen. Bevor es losging, freute sich Süß über die eingegangenen Briefe und Karten. Besonders schön fand sie eine selbstgestaltete Glückwunschkarte mit einem Gedicht und eingeklebtem Blütenblatt. Ins Schmunzeln kam sie, als sie die Karte mit dem Spruch „Et hät noch ömmer joot jejange“ in die Hand nahm.

Doch wer ist Charlotte Süß eigentlich? Die Seniorin ist in Oelsnitz/Erzgebirge geboren. Als drittes Kind war sie das Nesthäkchen: „Meine Eltern und Geschwister haben mich verwöhnt.“ Sie lernt Klavier spielen und singt schon früh im Kirchenchor der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde.

Nach Volks- und Handelsschule arbeitet sie als kaufmännische Angestellte in der sächsischen Strumpfindustrie. Den Zweiten Weltkrieg erlebt sie in Berlin und Dresden. Die Bombardierungen sind ihr noch in Erinnerung. Im Jahre 1947 heiratet sie Erich Süß, mit dem sie Anfang der 1950er Jahre nach Krefeld kommt.

In Holterhöfe bezieht die Familie ein eigenes Haus, das Süß auch nach dem Tode ihres Mannes im Jahre 1996 weiter bewohnt. Ihr Garten ist ihr Ein und Alles. Süß spricht gerne von der Zeit im Kirchenchor der Alten Kirche. Unter dem Dirigenten Reinhold Birk singt sie die großen Oratorien. Als die Kräfte nachlassen, zieht sie ins Seniorenheim nach Hüls.

Da sie seit ihrer Volksschulzeit gern Gedichte liest, verfügt sie über einen breiten Fundus und hat sie noch präsent. Schillers Glocke kommt ihr noch immer leicht über die Lippen, und die tiefsinnigen Gedichte von Christian Morgenstern zitiert sie bei passender Gelegenheit fehlerfrei. Rückblickend zieht sie Bilanz: „Ich habe viel Glück gehabt.“