Parks, Wälder, Friedhöfe: So grün ist Krefeld

Umwelt : So grün ist Krefeld

Dem Grün der Stadt Krefeld geht diese Zeitung zum Gründonnerstag auf den Grund — an bekannten und überraschenden Orten.

Krefeld ist grün. Wer daran zweifelt, sollte einmal mit offenen Augen durch die Stadt bummeln. Dann sieht er die Bäume auf dem Ostwall und die Kirschblüte auf dem Alexanderplatz. Er sieht die innenstadtnahen Parks wie den Stadtgarten und den Kaiser-Wilhelm-Hain. Oder die Stadtwaldwiesen, den botanischen Garten und den Burgpark in Linn. Dem Grün der Stadt Krefeld will unsere Zeitung am heutigen Gründonnerstag einmal nachgehen. Begleiten Sie uns hier und auf den folgenden Seiten an bekannte, aber auch überraschende Orte.

„Wir sind unbestritten eine grüne Stadt“, betont der zuständige Umweltdezernent der Stadt Krefeld, Thomas Visser. Von einem bundesweiten Ranking im Internet, das Krefeld unter den deutschen Großstädten nur auf dem 50. Platz sieht, lässt er sich dabei nicht beirren. 50 Prozent der insgesamt knapp 14 000 Hektar umfassenden Stadtfläche seien unbebaut, in Krefeld gebe es „eine gesunde Mischung“ zwischen dem Grün und den bebauten Flächen, sagt Visser.

Viele Parks sind ehemalige Villen-Gärten der Seidenfabrikanten

Historisch dafür verantwortlich waren die einst mächtigen (Seiden-)Fabrikanten sowie Johannes Johansen, Oberbürgermeister von 1911 bis 1930. Die Fabrikanten ließen an ihren Villen Parks entstehen, unter Johansen — den die Krefelder wegen der Gleichheit von Vor- und Nachnamen den „Dubbelde Schäng“ nannten — seien diese Flächen als Orte der Erholung für die Stadtbevölkerung aufgekauft, erweitert und miteinander verknüpft worden.

„Der Schönwasserpark ist zum Beispiel in den 1920er Jahren als eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme um- und ausgebaut worden“, berichtet Visser. Dort befindet sich heute auch das Grab von Johannes Johansen, der 1945 gestorben ist.

Der Schönwasserpark ist in den 1920er-Jahren ausgebaut worden. Foto: Bischof, Andreas (abi)

Ein wichtiges Gestaltungselement des „grünen“ Stadtausbaus waren die breiten Mittelstreifen vieler Straßen. Statt baumlose Häuserschluchten entstehen zu lassen, wurden bewusst Straßen mit Erholungszonen angelegt — Süd- oder Ostwall, aber auch Bismarck- oder Hohenzollernstraße sind Beispiele dafür. „Die Stadtplaner haben damals sehr weitsichtig gedacht“, urteilt Thomas Visser. Allein auf der Hardenbergstraße sei die Grünfläche mit Spielfläche und Hundewiese 30 Meter breit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Anzahl der Autos in der Stadt rasch nach oben: Auf der Suche nach Parkplätzen wurden dann die grünen Mittelstreifen entdeckt. In den frühen 1990er-Jahren habe man diese Entwicklung aber wieder umkehren können, berichtet Visser.

Viele Krefeld Parks sind heute Gartendenkmäler. Sie wurden im Rahmen der dezentralen Landesgartenschau Euroga 2002plus nochmals umgestaltet und sind ein gut sichtbares Zeugnis für das „grüne“ Krefeld. Viele „kleine Oasen“ in der Innenstadt seien dagegen kaum bekannt, so der Umweltdezernent. Denn es gebe unzählige, sehr schön begrünte Innenhöfe, von deren Existenz man von der Straße aus nichts ahne.

Statt baumlose Häuserschluchten entstehen zu lassen, wurden bewusst Straßen mit Erholungszonen angelegt — der Ostwall ist ein  Beispiel dafür. Foto: Ja/Jochmann, Dirk (dj)

Die Entwicklung der städtischen Grünflächen regeln der Flächennutzugsplan, der Landschaft- und der Grünordnungsplan. Bis manche Ideen umgesetzt sind, braucht es einen langen Atem. Ein Beispiel dafür ist der Stadtpark in Fischeln: Die Idee dazu stammt laut Thomas Visser aus den 1960er Jahren, die tatsächliche Gestaltung des 100 Hektar großen Areals begann aber erst 1991. „Damals habe ich der Presse gesagt, dass nochmals 30 Jahre vergehen werden, bis der Park fertig ist“, erinnert sich Visser. Doch aktuell sei nur ein Drittel davon realisiert. Der größte Teil der übrigen Flächen werde weiter landwirtschaftlich genutzt, zum Beispiel durch einen Pferdehof mit Koppeln. Aber auch dieser biete ja einen Erholungsfaktor.

Wichtiger Bestandteil der Krefelder Grünflächen sind auch die elf Friedhöfe. 130 Hektar groß sind diese insgesamt, etwa 56 Hektar davon entfallen allein auf den Hauptfriedhof. Die Umwandlung der Friedhöfe zu Grünanlagen für die ruhige Erholung (also zum Beispiel ohne Spielplätze) gibt es schon lange. Auch der Stadtgarten ist früher ein Friedhof gewesen.

Als „Kleinod“ bezeichnet Thomas Visser den botanischen Garten. „Der ist etwas fürs Gärtnerherz.“ Krefelds  schönster Arbeitsplatz, so Visser, ist 4,5 Hektar groß. Größte Grünanlage der Stadt darf sich dagegen der Erholungspark Elfrather See nennen, der zirka 138 Hektar zählt. Dahinter folgt der Stadtpark Fischeln II.

Waldflächen wie am Hülser Bruch, im Forst- oder Stadtwald kommen noch dazu. Ebenso die Kleingartenanlagen der Stadt — und die Sportflächen. Hier beobachtet Visser derzeit die Entwicklung, dass Rasen- durch Kunststoffflächen ersetzt werden. „In etwa 20 Jahren haben wir nur noch Kunstrasen“, sagt er.

Der Stadtwald wurde 1897 von Seidenfabrikant Wilhelm Deuß an die Stadt gestiftet. Zu seinen Ehren wurde der Deuß-Tempel (hinten rechts im Bild) errichtet. Foto: Ja/Bischof, Andreas (abi)

Sein grüner Lieblingsort in der Stadt ist der Bockumer Schönhausenpark. Dort gebe es eine Vielzahl von Gestaltungselementen auf kleiner Fläche. Aber auch der botanische Garten gefällt ihm besonders gut.

Von seinem Schreibtisch im Rathaus am Von-der-Leyen-Platz blickt der Dezernent direkt auf grüne Baumkronen. Es sind aber auch nur etwa 700, 800 Meter bis zum Stadtgarten. Als weicher Standortfaktor für die Lebensqualität der Stadt seien solche Dinge sehr wichtig, sagt Visser. Und erinnert sich an japanische Geschäftsleute mit Wohnsitz in Krefeld und Arbeitsort in Düsseldorf. Die habe er vor Jahren einmal gefragt, warum sie sich den Stress antun, jeden Tag zu pendeln. Ihre Antwort sei ganz einfach gewesen: „Krefeld ist eine überschaubare Großstadt, hier stimmen noch die Proportionen.“ Und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern.

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