1. NRW
  2. Krefeld

Palantina und Muscat Bleu gedeihen in Traar

Kulinarik : Palantina und Muscat Bleu gedeihen in Traar

99 Rebstöcke wachsen auf einem Weinberg des Mercure-Hotels. Jüngster Ertrag: 200 Kilogramm Trauben.

Zugegeben: Der Weinberg in Traar, der wohl höchsten Erhebung nach dem Egelsberg, ist überschaubar. Exakt 99 Rebstöcke stehen dort auf rund 100 Quadratmetern voll im bunten Herbstlaub. Der jüngste Ertrag von über 200 Kilo kann sich sehen lassen und befindet sich nun als roter Saft in der Karaffe, einem neuen Gelee im Glas oder dient als Zutat für die Bratensoße. Rund um die Reben ranken sich zudem nette Geschichten. Walter Sosul, Chef im Mercure Tagungs- und Landhotel, hilft fleißig, den hauseigenen „Berg“ zu pflegen.

Sosul hatte auch die Initialzündung, als sich Restaurant- und Bankettleiterin Martina Hocke 2002 entschloss, sich zur Sommelière ausbilden zu lassen. „Während des Praktikums musste ich auch einige Rebstöcke setzen“, berichtet sie. Es waren kleine Setzlinge des Grauburgunders, die sie in Baden in den Boden pflanzte.

Liebe für den deutschen Wein wird in Krefeld praktiziert

Das sollte doch auch in Krefeld funktionieren. „So können wir den Azubis unsere Liebe für den deutschen Wein an den vier Jahreszeiten gleich hinter dem Haus praktisch erklären“, befand Sosul. Deutsche Gesetzte galt es zu berücksichtigen: „So durften es nur unter 100 Rebstöcke sein, um nicht mit der Landwirtschaft in Konflikt zu geraten und da wir kein Weingut sind, dürfen wir auch keinen Wein ausbauen“, berichtet der Chef. „2006 hatten wir die erste Lese von 99 Rebstöcken, die wir eigenhändig auf dem eigens aufgeschütteten ,Sonnenhang` gesetzt hatten.“

Also verwandeln sich in Traar zwei weiße Sorten, der Birstaler Muskat und Palantina, und zwei rote, der Muscat Bleu und Galanth in die genannten Produkte. Nach der Lese, bei der – wie gesagt – vom Chef angefangen bis zur Sommelière alle mit anpacken, wandern die Tafeltrauben zu Küchenleiter Thomas Meischner.

„Ich sortiere zuerst alle zerquetschten und von Vögeln angepickten Früchte raus. Dann bleiben immerhin noch 150 Kilo übrig.“ Den Saft verfeinert Meischner mit Vanille und Verbene. Der Gelee trägt den wohlklingenden Namen: „Ur-Gefühl. Traarer Trauben. Naturprodukt. Eigenanbau – selbstgemachter Gelee aus Liebe zur Gastlichkeit.“ Meischner: „Deshalb steht er auch als Brotaufstrich auf unserem Frühstücksbuffet.“ In die Soße gerührt sorge das Gelee für eine besondere Note.

Viermal im Jahr sind die Freiwilligen im Traarer Weinberg: „Im Winter erfolgt der Rebschnitt, im Frühjahr werden die Fruchtruten nach unten gebogen und gebunden“, berichtet Hocke. „Im Sommer stutzen wir die Reben, um den Ertrag zu reduzieren und eine besonders gute Qualität zu ernten. Im Herbst ernten wir dann die Früchte der Arbeit.“

Auch Besucher schauen
sich auf dem Weinberg um

Sosul und die Mitarbeiter haben Spaß an ihrem Alleinstellungsmerkmal. „Wir sind schon mit den Besuchern einer Weinmesse, die in unserem Haus gewohnt haben, in den Weinberg gegangen und haben einen Ernte-Experten-Austausch mit anschließendem Reibekuchen-Essen unternommen. Es gibt auch Gäste, die sich an unserem Weinberg die Trauben für ihre Käseplatte selber schneiden. Der Weinberg am Niederrhein macht eben rundum Spaß.“