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Otto Fricke ist Dr. Humoris Causa

Karneval : Otto Fricke ist Dr. Humoris Causa

Der FDP-Politiker wird von den Uzvögeln aufgenommen. Der Krefelder verzapft nun Unsinn im Talar.

Das Rätselraten hat ein Ende. Der einzige, der an diesem Abend den reservierten Raum im Dachsbau betritt und weder Talar noch Uniform trägt, ist der neue Aspirant für den 55. Dr. Humoris Causa im 49. Jahr. Dabei nennt Otto Fricke als Anwalt sogar zwei dieser schwarzen Kleidungsstücke sein Eigen. Doch das ist kein Kriterium für die mögliche Wahl.

„Da könnte ja jeder kommen“, sagen die ehrwürdigen Akademiker am Tisch und lauschen gut gelaunt der Bewerbungsrede des liberalen Bundestagsabgeordneten. Schließlich wird bei den Uzvögeln höherer Unsinn verzapft und die Spaßvögel, die witzigen „Dr. hum“, sind an diesem Abend ziemlich gut drauf. „Wir können für den Notfall, dass er gewählt wird, schon einmal für die Robe Maß nehmen“, überlegt Dekan Wolfgang Berritz laut.

Doch vor der Wahl steht an diesem Abend die Bewerbung: „Formal im Stehen vor dieser ehrenhaften Runde“, hält Fricke seine Rede und freut sich, dass Präsident Manfred Albers eine gelbe Weste trägt („Pullunder in dieser Farbe sind auch gut“) und erinnert damit an den früheren liberalen Minister Hans-Dietrich Genscher und sein beliebtes Kleidungsstück.

Natürlich geht es für Fricke ohne Politik nicht, in dieser Runde „sehr liberaler Menschen“, wie er sagt: „Ein Liberaler kann sich auch wohlfühlen in Grün, denn das ist eine Mischung aus Gelb und Blau.“ Er esse auch gerne Lakritze, denn Schwarz müsse weg. Im Bundestag sitzt die AfD links von ihm. „Auf diesem Ohr bin ich schonmal taub.“

Dann „beichtet“ er, schon als 13-Jähriger 1978 Prinzenpage in Uerdingen gewesen zu sein. „Da habe ich wohl schon dem heutigen Krefelder Oberbürgermeister – auch ein anwesender Dr. Humoris Causa – Bonbons zugeworfen.“ Außerdem ist er nicht nur Mitglied der Krefelder Prinzengarde, sondern dort Oberst.

Eigentlich hätte Fricke den Doktor auch als Rechtswissenschaftler erlangen können, wenn nicht die Politik, damals noch in Bonn, dazwischengekommen wäre, wie er sagt. In Berlin war er dann schnell Abgeordneter und pflegte das rheinische Motto: „Leben und leben lassen.“

Um genügend Stimmen für diese Wahl zum Dr. Humoris Causa zu bekommen, hat der FDP-Politiker ein Versprechen parat: „Ich werde in einer meiner Reden im Deutschen Bundestag und fürs Protokoll diesen neuen Titel erwähnen.“ – Wenn er ihn denn bekommt. „Ich beuge mich ihrem Urteil“, sagt der Aspirant. „Ich nehme auch die Zweitstimme.“

Zuvor unterziehen ihn die Vorgänger noch einigen harten Prüfungsfragen, obwohl sie finden: „Das hat sich gut angehört.“ Ob er denn am Rosenmontagszug auch im Talar teilnehmen würde, wird er gefragt. „Selbstverständlich, wenn ich schweres Wurfmaterial bekomme, das auch in die dritte Etage der Häuser reicht.“ Er weiß: „Dort freut sich manch älteres Ehepaar über die Süßigkeit.“

Für die Wahl ist dann kein „Hammelsprung“, die besondere Abstimmung in Parlamenten, nötig. Denn: „Hammel sind wir hier noch nie gesprungen.“ Mit der traditionellen Gegenstimme wird der Liberale dann gewählt und schreitet hin zum Maßband. Seine Bemerkung: „Jetzt hat mich der Oberbürgermeister gewählt“, kommentiert dieser: „Aber nur hier.“