Organisatoren wollen Treffpunkt statt Sportverein

Verein für aktive Bürger : Treffpunkt statt Sportverein

Interview Der Verein Sport für aktive Bürger feiert seinen 40. Geburtstag und setzt mehr auf jüngere Mitglieder.

Mit sanfter Wassergymnastik für die ältesten Krefelder ging es los. Heute gehören anspruchsvolles Zirkeltraining für 50-Jährige und zweiwöchige Reisen durch Europa genauso ins Programm. Der Verein Sport für aktive Bürger Krefeld hat weit mehr als einen neuen Namen – aus den damals als betagt betitelten wurden aktive Bürger. Vor allem in den letzten Jahren stellten sich die Mitglieder neu auf, das Angebot ist wesentlich vielfältiger. Heute am 18. Oktober wird der 40. Geburtstag gefeiert – mit neuen Gruppen, die mehreren Altersgruppen und Interessen entgegenkommen sollen. Geschäftsführer Martin Kujawa erzählt von den Veränderungen.

Wie kam es zu der Veränderung? Wie viel hat der Verein noch mit der Idee vor 40 Jahren gemeinsam?

Martin Kujawa: Vor 40 Jahren ging es der Gründerin Dr. Annemarie Schraps darum, Sport- und Bewegungsangebote speziell für ältere Menschen in Krefeld zu schaffen – damals ab 60-Jährige. Heute will zwar jeder betagt werden, aber keiner mehr betagt sein, schon gar nicht mit 60. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Die Namensänderung von „betagte“ zu „aktive“ Bürger in diesem Jahr war daher dringend nötig. Wir wollen mehrere Altersgruppen ansprechen und haben als Folge zudem die Altersgrenze auf 50 Jahre gesenkt. Auch das Angebot hat sich deutlich gewandelt, stark ausgeweitet, es gibt weit mehr als die seit langem bestehenden Gruppen wie die für Wassergymnastik. Daher haben wir bei unserem Namen den Zusatz „ab 50 – Sport – Hobby – Kultur“ mit hineingenommen. Wir bieten mittlerweile Reisen, Gesprächskreise, Treffen, Theater und mehr an. Damit sprechen wir heute viel mehr Krefelder an, der Verein hat aktuell knapp 2000 Mitglieder.

Was wollen die Krefelder heute für Sport treiben? Was bietet der Verein neu an?

Kujawa: Im Lauf der letzten Jahre haben wir unser Konzept angepasst, vor allem letztes Jahr. Natürlich haben wir Gruppen für Ältere mit im Programm, zum Beispiel Sport im Sitzen. Wir achten darauf, dass für jedes Alter etwas dabei ist und gehen darauf ein, dass die Krefelder eben unterschiedlich fit sind. Ein 50-Jähriger kann und will anders Sport treiben als ein über 90-Jähriger – in der Regel zumindest. Wenn wir weiterhin ein großer Verein bleiben wollen, ist es wichtig, breit aufgestellt zu sein. In den letzten Jahren dazugekommen sind Angebote wie Power Nordic Walking, das deutlich anspruchsvoller ist, Zirkeltraining, Mini-Trampolin oder auch Wandern. Es gibt Gruppen wie Ballspielen im Sitzen und aktuell suchen wir beispielsweise noch einen Trainer, der Gehfußball anleiten kann. Wir arbeiten weiter an Ideen.

Wer leitet die Kurse?

Kujawa: Das kommt ganz darauf an. Viele Gruppen werden von unseren Mitgliedern geleitet, aber wir sind dabei auf die Hilfe aus den Verbänden angewiesen, da wir so viele qualifizierte Übungsleiter gar nicht unter unseren Mitgliedern haben. Wir brauchen immer gute Leute, um mehr Gruppen anbieten zu können. Wichtig ist, dass sie zu unseren Gruppen passen, teils am besten auch vom Alter her, es stimmig ist.

Was bedeutet der Zusatz Hobby und Kultur?

Kujawa: Früher waren wir ein Sportverein. Heute wollen wir vor allem Treffpunkt sein, die Menschen bei einem Hobby zusammenbringen, gerne auch einfach nur zum Klönen bei Kaffee und Kuchen. Sport machen rund 60 Prozent unserer Aktivitäten aus, die anderen 40 Prozent sind eher im Bereich Hobby oder Kultur. Wir haben einen Literaturkreis einmal pro Woche, organisieren Ausflüge und mehrtägige Reisen, gehen ins Theater und Museum, laden zu Vorträgen. Es gibt PC-Seminare, Dart und wir hatten letztens sogar eine Modenschau – eigentlich alles, was für unsere Mitglieder interessant sein kann. Da hat sich viel getan und wird es noch.

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