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Orange angeleuchtete Gebäude signalisieren: Keine Gewalt gegen Frauen

Weltweite Aktion : Orange signalisiert weltweit: Keine Gewalt gegen Frauen

Ein großes Netzwerk verschiedener Krefelder Beratungsstellen will Betroffenen häuslicher Gewalt Hilfe anbieten. Ein weltweiter Aktionstag lässt Gebäude in orange erstrahlen.

Weltweit werden vom Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November bis zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember Gebäude und Wahrzeichen in Orange angestrahlt – als sichtbares Zeichen von Ächtung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Die Farbe Orange steht für eine hellere Zukunft ohne Gewalt. Auch in Krefeld. Das Krefelder Netzwerk gegen Häusliche Gewalt und die beiden Krefelder Zonta Clubs beteiligen sich zum zweiten Mal an dieser weltweiten Aktion, die in diesem Jahr Corona geschuldet aber auf persönliche Aktionen und Veranstaltungen verzichten muss.

Frauen aller sozialen Schichten und jedes Alter sind betroffen

„Häusliche Gewalt zieht sich durch alle soziale Schichten, jedes Alter, unabhängig von der kulturellen Herkunft“, sagt Heike Hinsen, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Krefeld. In ihrem Büro laufen die Fäden des Krefelder Netzwerks zusammen. Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Etwa jede vierte Frau wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner. „Wir wissen jedoch nichts über die Dunkelziffer“, sagt Hinsens Kollegin Martina Bergmann.

Doch nicht nur Frauen und Mädchen sind Opfer häuslicher Gewalt. Zu 19 Prozent sind es Jungen und Männer. Laut neuester kriminalstatistischer Auswertung des Bundeskriminalamtes. Das Krefelder Netzwerk hat schon früher darauf reagiert. „Der Katholische Verein für soziale Dienste in Krefeld (SKM) bietet deshalb eine eigene Jungen- und Männerberatung an für Opfer, gleichzeitig aber auch ein Anti-Gewalt-Training für gewalttätige Männer“, berichtet Heike Hinsen.

In Krefeld wurden 2019 an die Polizei 649 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet. Davon erfolgten 295 Wegweisungen (nach dem Gewaltschutzgesetz), aufgrund dessen der Täter die gemeinsame Wohnung verlassen musste. Im gesamten Beratungskontext wurden von den Mitwirkenden des Netzwerkes an die 500 Betroffene beraten- und unterstützt. 24 Frauen mit ihren Kindern, suchten Schutz und Hilfe im Frauenhaus.

Während des Lockdown wurden nur wenige Fälle gemeldet

Schon während des ersten Lockdowns in diesem Jahr waren alle bundesweiten Stellen in Alarmbereitschaft und befürchteten, hinter verschlossenen Türen und Kontaktsperre zu anderen Haushalten, dass die häusliche Gewalt zunehmen würde. „Doch es gibt keine nennenswerte Steigerung; das ist für uns alle verblüffend“, sagt Heike Hinsen. Erklärungsansätze dafür gibt es dennoch zu genüge: Frauen konnten nicht unbeobachtet sich Hilfe suchen; Existenzängste der Frauen sind gestiegen, wo sollten sie in wirtschaftlich so ungewissen Zeiten allein hin mit ihren Kindern? „In solchen Situationen ertragen die Betroffenen eher noch länger eine eigentlich nicht mehr zumutbare Situation“, so Hinsen. Doch es ist auch denkbar, dass aufgrund der Bedrohung durch SARS-CoV-2 von außen, die Familien für diese Zeit ein Stück wieder näher zusammengerückt sind. „Die Fälle von gemeldeter häuslicher Gewalt werden jetzt erst für das kommende Jahr statisch aufbereitet; dann werden wir mehr wissen“, sagt Martina Bergmann.

Gleichwohl sei es wichtig, in Krefeld zu wissen, wo Frauen im Falle des Falles Unterstützung finden. Die Gleichstellungsstelle hat deshalb im vergangenen Frühjahr die Krefelder Apotheker angesprochen und um Hilfe gebeten. „Das ist einer der wenigen Orte, den alle Menschen ohne Misstrauen eines gewalttätigen Partners aufsuchen können“, schildert Martina Bergmann die Überlegung. Dort liegt neben dem kleinen Leporello in 17 Sprachen auch ein Kärtchen aus mit der Telefonnummer des Hilfetelefons. „Das kann jeder unauffällig in die Tasche stecken,“ so Martina Bergmann. 

Unter der Rufnummer 08000/116-016 ist das Hilfe-Telefon bundesweit rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, zu erreichen. Ob häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, Zwangsheirat oder Mobbing – die Beratung erfolgt anonym, vertraulich, barrierefrei und in 17 Fremdsprachen. „Frauen können auch öfters dort anrufen“, sagt Heike Hinsen. Ziel sei es, die Frauen in Krisen zu stabilisieren, ihnen Mut zu machen und sie zu unterstützen.

Auf Wunsch erhalten sie drei bis vier Beratungsstellen in Krefeld genannt. „Die können die Hilfesuchenden an die richtige Stelle weiter lotsen, denn 21 Institutionen sind im Krefelder Netzwerk zusammengefasst“, erklärt Heike Hinsen. Auch Jungen und Männern als Opfer von häuslicher oder sexualisierter Gewalt könne so geholfen werden.

Der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“ am Mittwoch, 25. November, macht immer wieder auf unhaltbare Situation durch Aktionen und Statements aufmerksam. In diesem Jahr will das Krefelder Netzwerk gegen häusliche Gewalt verstärkt auf die bestehenden Beratungs- und Unterstützungsangebote in Krefeld hinweisen – die insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie – bestehen.

Wenn ab dem 25. November mit Einbruch der Dunkelheit eine Vielzahl von Gebäuden in Krefeld orangefarbend angestrahlt werden, ist die Botschaft dann deutlich sichtbar: Nein zu Gewalt gegen Mädchen und Frauen, Nein zu häuslicher Gewalt!