Ohne Angst zur Sprechstunde mitten auf dem Uerdinger Markt

MEDIZIN : Ohne Termin zum Chefarzt in Jeans und Freizeithemd

Ganz ungezwungen lief die Sprechstunde der Mediziner des St. Josefshospitals mitten auf dem Uerdinger Markt.

Dem Operateur des Kniegelenkes persönlich danken, sich unbürokratisch den Blutdruck messen lassen oder einfach mal gucken, was es auf medizinischem Gebiet so an Neuigkeiten gibt. Die Menschen, die ins große weiße Infozelt des St. Josefshospitals der Malteser auf den Historischen Markt in Uerdingen kamen, nutzten das vielfältige Angebot ganz unterschiedlich. Die Chefärzte erwarteten ihre Patienten dabei am Samstag nicht im weißen Kittel im Behandlungszimmer, vielmehr kamen sie in Jeans und Freizeithemd, um mit ihnen zu reden. Der Andrang war groß.

Drei rote Malteser-Fahnen wehen auf dem Rathaus. Sie zeigen schon von weitem den Weg zur dritten „Chefarzt-Sprechstunde“. Vor dem Zelt steht ein Rettungswagen zur Besichtigung, für den sich besonders die Kinder interessieren. Drinnen hat jede medizinische Abteilung einen eigenen Bereich.

Die Aktion soll den Menschen die Angst nehmen

Besucherin Lieselotte Möckel geht am Stock. „Ich habe vor drei Jahren hier am Uerdinger Krankenhaus ein neues linkes Kniegelenk bekommen“, berichtet die 83-Jährige. „Ich bin hundertprozentig zufrieden. Die Operation war gut, das Personal freundlich und die Reha in Ordnung. Sie haben alles für mich in die Wege geleitet.“ Jetzt macht das rechte Knie Probleme. „Mit einer OP an diesem Gelenk will ich aber noch warten“, sagt Möckel und deutet auf die Mitarbeiter und Physiotherapeuten von Fysioconcept im Krankenhaus. „Ich lebe alleine und bin beispielsweise beim Treppensteigen in der Bewegung eingeschränkt. Sie helfen mir gut.“

Ihr Arzt, Dr. Frank Bischof, Chefarzt für Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, rät ihr, zur Untersuchung zu kommen. „Es ist gut, die Ärzte auf diese ungezwungene Weise sprechen zu können“, findet sie. „Jetzt werde ich aber zuerst meinen Blutzucker messen lassen und mich über allgemeine Neuheiten informieren. Dafür bin ich auch gekommen.“

Bischof, ebenso als ärztlicher Leiter am Krankenhaus tätig, freut sich über den regen Andrang im und am Zelt. „So können wir den Bürgern unser Krankenhaus näherbringen. Gleichzeitig nehmen wir ihnen durch den ungezwungenen Kontakt die Angst. Schließlich sind wir ein Stadtteilkrankenhaus für die Uerdinger Bürger. Es waren bereits einige Patienten bei mir.“

Manfred Nepp ist gekommen, um mit Dr. Martin Wazinski, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin und Chefarzt Sportmedizin, über das Rennradfahren zu fachsimpeln. Der 77-Jährige berichtet über seine 1173 Siege in seinem Radfahrer-Leben. „Bis mich eine Autofahrerin bei einem Trainingsrennen vor der WM 2012 auf der Straße anfuhr, war ich aktiv. Ich habe einmal drei und ein anderes Mal sieben Monate im Krankenhaus gelegen.“ Depressionen, Panikattacken, Angstzustände und Vorhofflimmern seien weitere Folgen gewesen, berichtet der Senior. „Jetzt bin ich Patient der Kardiologie und unternehme nur noch Spazierfahrten“, sagt der Mann, der auf 13 Europameister- und ebenso viele WM-Titel zurückblicken kann.

Manfred Kuklan berichtet, dass er bereits zwei neue Kniegelenke besitzt. „Die Arthrose“, klagt er und nennt so den Grund für die Prothesen. „Es ist damit alles in Ordnung. Ich werde jetzt aber kardiologisch am St. Josefkrankenhaus betreut.“ Denn er hat Stents, medizinische Implantate, zum Offenhalten von Gefäßen.“ Damit der 83-Jährige fit bleibt, besucht er mit anderen Senioren regelmäßig einmal wöchentlich die Sportgruppe im Krankenhaus. „Es ist Fitness für die Gelenke, ganz toll.“

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