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OB-Wahlkampf in Krefeld: Streiten Sie bitte!

Kommentar : Viel Lob, kaum Angriffe

Politik lebt davon, dass Menschen diskutieren, um Entscheidungen ringen und sich im besten Fall am Ende auf einen Konsens einigen. Im Wahlkampf steht das sich Streiten klar im Vordergrund. Jeder Kandidat, jede politische Partei will die Stimme der Wähler gewinnen.

Dabei wird stilistisch oft deutlich bissiger, teilweise auch unfairer agiert, als während einer Rats- oder Legislaturperiode. In Krefeld hat man in diesen Tagen aber das Gefühl, so richtig streitbar ist in diesem Wahlkampf keiner.

Liegt’s an Corona? Wohl eher nicht. Viel mehr fehlt CDU und den Anderen in diesen Tagen der richtige Anpack, um Oberbürgermeister Frank Meyer ins Wanken zu bringen. Besonders deutlich wurde dies am Montagabend auf der Podiumsdiskussion der Stadtsportbundes.

Während man allen Beteiligten – neben Meyer waren dies die OB-Kandidaten Thorsten Hansen (Grüne), Andreas Drabben (UWG) und Kerstin Jensen (CDU) – in der Einführungsrunde noch ihre Nähe zum Sport abnahm, wurde es danach inhaltlich merklich dünn, als Moderator Michael Heussen fragte, was man denn mit zehn Millionen Euro alles für die Krefelder Sportwelt in Zukunft anstellen könnte. Die einen wollten es dem Statiker geben, die anderen lieber das Stadtbad Neusser Straße sanieren: So richtig durchdacht hörte sich das alles nicht an. Kerstin Jensen lobte sogar die Vorlagen der Verwaltung und gestattete sich nicht, „den OB zu kritisieren“. Einfaches Spiel für Meyer, der inhaltlich so natürlich kaum in Bedrängnis zu bringen ist.

Ja, es ist einiges angepackt worden unter Meyer. Aber trotzdem gibt es Fragen: Wo soll das Geld herkommen, um Schwimmbäder, Sport- und Eishallen neu zu bauen? Warum ist die Grotenburg immer noch nicht saniert? Fragen, die man ruhig stellen darf, wenn man sich Chancen auf das Amt eines Verwaltungschefs einräumt und seinen Kontrahenten in Erklärungsnot bringen will.

An die eigene Siegchance glaubt man bei FDP in Krefeld wohl eher nicht. So kam nicht OB-Kandidat Joachim Heitmann zur Diskussion des SSB, sondern der sportpolitische Sprecher, Paul Hoffmann. Dieser bescheinigte Meyer dann auch noch recht gute Arbeit in Sachen Sportentwicklung geleistet zu haben.

Also bitte, streiten Sie mehr!