Meinung: Nur Verwaltung schwimmt

Meinung : Nur Verwaltung schwimmt

Es ist der vielleicht schönste Sommer, den Jugendliche in Krefeld bislang erlebt haben. Ferien, Sonne und Zeit satt. Also ab ins Nass? Pustekuchen! Was für eine Großstadt mit dem Anspruch Krefelds selbstverständlich sein sollte, taugt für die „Wohnstadt“ mindestens zur Peinlichkeit.

Krefeld wird schlicht eingeholt von der Miss- und Fehlwirtschaft der Vergangenheit, in der es städtische Immobilien vergammeln ließ. Vor allem im Freizeitbereich. Im Bockumer Badezentrum waren vor einem Jahr die Rutschen kaputt, nun ist der Kleinkindbereich gesperrt. Das Naturfreibad Hüls ist mehr geschlossen als geöffnet. Lachen kann darüber nur die Sonne.

Der Unmut insbesondere über die Causa Hüls trat darum folgerichtig bei der WZ-Veranstaltung „Krefeld hautnah“ überdeutlich zutage. Verständlich, es bleiben viele Fragen offen, die Verwaltung hat keine logischen Antworten, außer den Verweis auf Verfahren, Umwidmungen und darauf, dass ja immerhin der Außenbereich für Beachvolleyball genutzt werden kann.

Es leuchtet nicht ein, dass eine Sichttiefe von weniger als 1,20 Meter in einem städtischen Freibad ein Grund für eine Sperrung sein soll. In einem Naturfreibad aber nicht. Außer, man geht davon aus, dass sich in diesem Fall die Haftungsfrage von der Stadt auf den Badegast verlagert. So muss die deutliche Aussage des Sportdezernenten Markus Schön interpretiert werden: „Wie es meine Vorgänger gemacht haben, will ich nicht beurteilen.“ Er habe sich schon gewundert. Er selbst als Jurist, so sinngemäß, werde kein Risiko eingehen. Eine, um in Schöns bayrischem Dialekt zu bleiben, heftige Watschn für den bisherigen Sportdezernenten Thomas Visser.

Was die Haftungsfrage allerdings mit der individuellen Sicherheit der Schwimmer zu tun hat, bleibt unbeantwortet. Hat die Stadt zuvor fahrlässig gehandelt? Das sind logische Fragen, die betroffene Hülser und Krefelder sich in diesen Tagen stellen. Der Ärger ist berechtigt, die Stadt tut gut daran, den Missstand schnell zu beheben und transparent zu kommunizieren.

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