Notdienst: Apotheker werden für Nasenspray geweckt

Notdienst-Missbrauch: Apotheker werden sogar für Nasenspray geweckt

An Feiertagen und nachts ist in Notdienst-Apotheken viel los. Allerdings müssten nicht alle Kunden wegen ihrer Probleme genau dann kommen.

Manche Arbeitstage sind für Birgit Nolte richtig hart – immer dann, wenn sie davor Notdienst hatte und der nachts auch gut genutzt wurde. Tagsüber arbeiten, nach 22 Uhr bis zu zehnmal aus dem Schlaf gerissen werden, danach einen weiteren Arbeitstag durchstehen, das schlaucht. Etwa ein- bis zweimal im Monat hat ihre Apotheke, die Bismarck-Apotheke, einen solchen Notdienst – in ruhigen Nächten auch mal mit nur zwei bis drei Kunden in der Nacht. Dennoch zählt der Dienst nicht zu ihren liebsten Aufgaben. Es ist die Zeit, die ihr fehlt – „die geringe Vergütung ist da zweitrangig“, sagt die Pressesprecherin für den Apothekerverband Nordrhein.

Viele Kunden kommen vor allem in die Apotheken, die nah an Kliniken und Notfallpraxen liegen – also mit akuten Beschwerden und Rezepten. Andere haben plötzlich auftretende Probleme wie einen stark anschwellenden Stich oder vor allem im Winter über Nacht Atemnot durch eine Erkältung. „Meistens sind die Fälle akut und für die Leute auch tatsächlich sehr unangenehm“, sagt Friederike Sieben, die in der Stern-Apotheke arbeitet. Für solche Fälle sei der Notdienst dann ja auch da. Was sie ärgert, ist die Internetkonkurrenz. „Diese Apotheken picken sich nur das raus, was sich gut verkauft – alles da haben und nachts bereit stehen, das müssen aber wir.“

Gerade zu später Stunde nervt es sie und andere schon mal, wenn jemand nur vergessen hat, seinen Vorrat an Kopfschmerztabletten rechtzeitig aufzufüllen. „Das ist für mich unangenehm, aber die Kunden brauchen ja trotzdem Hilfe“, ergänzt Nolte. Nur selten werde sie wegen Lappalien gestört.

Die Apotheken sind zu den Diensten verpflichtet, in der Region bis nach Kempen, Moers und Duisburg haben stets zwei bis drei in bestimmtem räumlichen Abstand durchgängig tagsüber und über Nacht offen. Jede trifft es etwa an 14 Tagen im Jahr, in einem rotierenden System immer wieder an Wochenenden und Feiertagen. Seit der Einführung dieses Prinzips für eine größere Region sei die Zahl der Kunden in den einzelnen Notdiensten zum Teil sprunghaft nach oben gegangen, stellt Nolte fest, die auch Pressesprecherin für den Apothekerverband Nordrhein ist.

Wirtschaftlich rechnen dürfe man dabei trotzdem nicht. „Wir Apotheker subventionieren diesen Service“, sagt Sieben. Meist übernehmen daher die Inhaber die Dienste, tagsüber zum Teil zusammen mit Mitarbeitern. Vor allem nachts komme nur infrage, selbst im Laden zu schlafen und zu arbeiten – alles andere wäre zu teuer.

Eine Pauschale von 2,50 Euro pro Einkauf beziehungsweise Besuch bezahlen Kunden ab 20 Uhr. Dazu kommt ein kleiner Betrag aus einem Fonds, der aus Centbeträgen pro in allen Apotheken verkaufter Medikamente besteht. Die ausbezahlten Gelder hängen dann von der Häufigkeit des Notdienstes ab. Für die Krefelder in einer generell dicht besiedelten und mit Apotheken gut bestückten Region bleibe daher kaum etwas, erklärt Nolte.

Auch bei Udo Fabri von der Burg-Apotheke in Linn ist an Feiertagen, besonders am ersten Weihnachtsfeiertag, oft durchaus etwas los – insgesamt aber deutlich weniger als bei Kollegen an anderen Standorten. Nachts hat er in der Regel nur ein bis zwei Kunden. „Es gibt immer eine andere Notdienst-Apotheke, die näher an einer Notfallpraxis liegt“, sagt er. Doch auch wenn er für keine wirklich wichtigen Medikamente, Antibiotika für Babys und ähnliches, sondern beispielsweise für Nasenspray die ganze Nacht bereitsteht, ist das für ihn in Ordnung. „Die meisten Kunden brauchen wirklich Hilfe.“