Norbertuskirche: Auszug gleich nach dem Einzug

Norbertuskirche: Auszug gleich nach dem Einzug

Das umgebaute Gebäude weist Baumängel auf: Drei Parteien werden vorerst ausquartiert.

Krefeld. Kaum ist Jeanette Merkel in der ehemaligen Norbertuskirche eingezogen, darf sie bereits wieder ihre Siebensachen zusammensuchen. Ein Blick in die kleine Erdgeschosswohnung genügt, um zu wissen, warum. Bereits im Flur stolpert der Besucher über diverse Löcher — im Laminatboden und in den Wänden. „Hier ist alles feucht“, sagt sie frustriert.

Schließlich hat sich die 37-Jährige lange auf die neue und auf ihre Bedürfnisse optimal zugeschnittene Wohnung gefreut. „Ich bin von Geburt an Rheumatikerin“, erläutert sie. Will heißen: Merkel leidet unter Dauerschmerzen und ist auf diverse Hilfsmittel angewiesen. „Da sind der Zuschnitt der Wohnung und die Lage ideal.“

Doch seit Juni hat die frischgebackene Mieterin mit Problemen zu kämpfen. „Es fing im Flur an. Da habe ich zuerst noch gedacht, dass nicht richtig gestrichen wurde“, erinnert sie sich. Doch die Flecken breiteten sich aus, und weitere Stellen kamen hinzu. „Nach dem Duschen war der Boden komplett nass — bis in den Flur und ins Schlafzimmer.“ Ein Phänomen, das — wie Projektentwickler Heinz Hambloch bestätigt — an dieser Stelle auf eine Verstopfung in der Grundleitung zurückzuführen war.

Damit allerdings nicht genug: Auch Nachbarin Alla Malachov hat mit Feuchtigkeit und mittlerweile auch mit Schimmel zu kämpfen. In beiden Wohnungen stehen die Terrassentüren sperrangelweit offen. „Sonst kann man es hier nicht aushalten“, stöhnt die gebürtige Ukrainerin. Sie verweist ebenfalls auf die Feuchte in den Wänden, die bis zu gut 60 Zentimeter Höhe sogar zu fühlen ist. Rund um ihre Wohnung herrscht zudem noch Baustelle. Zur Nordseite ist der Boden noch ausgeschachtet, Baumaterial ist aufgestapelt und wartet seit Monaten auf die weitere Verarbeitung.

Angesprochen auf die Zustände im doch eigentlich als Leuchtturmprojekt des Stadtumbaus gefeierten Objekt wiegelt Hambloch ab. „Das ist eine unglückliche Verquickung von verschiedenen Wasserschäden“, lautet seine Version. Und nach einem Starkregen im August habe sich das Wasser vom Spielplatz her aufgestaut und die Wohnungen überflutet. „Das ist ein Elementarschaden“, urteilt er und gibt sich dennoch optimistisch. Umgehend solle mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden, eine Trockenfirma den Estrich entfeuchten, die Gipskartonwände werde man bis zur betroffenen Höhe austauschen. Zudem werde man nördlich der Kirche weitere Kanalanschlüsse einbauen, damit das Wasser besser abfließe. „Da bleibt nichts davon zurück“, glaubt Hambloch.

Das wäre Jeanette Merkel zu wünschen, die jetzt erst einmal wie zwei weitere Mieter auf Kosten der Firma eine Ersatzwohnung beziehen wird. „Ich möchte ja bleiben. Die Hausgemeinschaft ist sehr schön.“

Die studierte Bauingenieurin Alla Malachov dagegen ist skeptisch. Sie befürchtet, dass die Abdichtung des Fundaments nicht ausreichend ist. „Dabei dachte ich, die Wohnung ist mein Glück.“

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